13. Mai 2008 ... Nach dem Rechten sehen

Die tägliche Presseschau von Netz-gegen-Nazis.de

Ein Rockkonzert gegen Nazis in Reutlingen und Kunstaktionen gegen Rechtsextremismus in Münster. Außerdem äußerte sich der Verfassungsschutz zur neuen Aggressivität von Neonazis bei ihren Aufmärschen, und in München zeigte ein Rechtsextremist im Stadtrat einen „Quasi-Hitlergruß“.

Im Baden-Würtembergischen Reutlingen feierten am Wochenende zum fünften Mal mehrere hundert Menschen unter dem Motto „Rock gegen Rechts“ ein Fest gegen Rassismus. Im Reutlinger General-Anzeiger gibt es eine Reportage über die von der Gesamt-Schülermitverwaltung (SMV) Reutlingen und dem Bündnis „Rock gegen Rechts“ organisierte Veranstaltung.

Auf seiner Webseite hat der Hamburger Verfassungsschutz eine Analyse des Naziaufmarsches am 1.Mai in Hamburg veröffentlicht. Fazit: „Das Auftreten rechtsextremistischer Demonstranten wird deutlich aggressiver.“ Und weiter: „Die Veranstalter rechtsextremistischer Kundgebungen haben seit Jahren darauf geachtet, dass ihre Demonstrationen gewaltfrei verliefen. Sie wollten keine Verbotsgründe liefern und den Anspruch auf polizeilichen Schutz unterstreichen. Das Auftreten des „Schwarzen Blocks“ ist ein markanter Bruch mit dieser Strategie.“

In der heutigen Ausgabe der taz findet sich ein Artikel über die extrem rechte „Bürgerinitiative Ausländerstopp“(BiA). Der Rechtsextremist Karl Richter der für die BiA im Münchner Kommunalparlament sitzt, hatte bei seiner Vereidigung den Arm so gehoben, dass es für die Betrachter wie ein „Hitlergruß“ aussah. Die CSU-Fraktion hat in der vergangenen Woche als Reaktion auf den mutmaßlichen Hitlergruß Strafanzeige gegen Richter gestellt. "Ignorieren rechtsradikalen Gedankengutes ist hier der falsche Weg - die Justiz muss sich mit der Sache befassen", argumentierte ihr Fraktionschef Josef Schmid.

Auch Kunst kann politisch sein. Am Samstag wurde in Münster die Ausstellung "Kunst gegen Rechts" eröffnet. Mit eindrucksvollen Bildern und Skulpturen möchten die Organisatoren Aufmerksamkeit für „ein brisantes, gesellschaftliches Thema wecken“.

Am Wochenende fand sich in der Berliner Zeitung unter dem Titel „Mein Sohn der Neonazi“ eine lange Reportage über den Umgang von Eltern mit ihrem Kind, das in die rechtsextreme Szene abrutscht. „Das Klischee, wonach junge Neonazis aus Familien stammen, in denen eine aufrechte deutsche Gesinnung bereits am Frühstückstisch vermittelt wird, bestätigt sich hier nicht. Die vier Mütter sind berufstätig, wählen eher links als rechts und sind entsetzt über die Entwicklung ihrer Kinder. Sie kommen aus Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick, aus Stadtbezirken, in denen die NPD bei Wahlen die besten Werte erreichte.“

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