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Bier verteidigt Demokratie „König Pilsener“ geht juristisch gegen IB-Rapper vor

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"König Pilsener" wehrt sich juristisch, dass die Marke in einem Video eines IB-Aktivisten verwendet wird. Gut so. (Quelle: Screenshot Instagram, BTN)

Der Aktivist der sogenannten „Identitären Bewegung“ (IB), Kai Alexander Naggert aus dem nordrhein-westfälischen Wesel, versucht sich seit geraumer Zeit als Rapper. In seiner rechtsextremen Musiker-Identität nennt sich Naggert „Prototyp“. Gemeinsam mit dem nicht weniger extremen und musikalisch ebenso schlechten „patriotischen Rapper“ Chris Ares, propagieren sie ihr musikalisches Projekt „Neuer Deutscher Standard“ (NDS). 

Am Freitag, den 24. Januar veröffentlichte Naggert nach langer Ankündigung den Track „Am Glas verteidigt“, auf dem YouTube-Kanal von Chris Ares. Es sei die „neue Hymne für gesellige Abende in der Clownwelt“ – Clownwelt bezieht sich hier auf einen Code der Alt-Right, wonach alles in unserer Gesellschaft zum Lachen ist, da alles schon derart am Ende ist, dass man über die Welt nur noch Witze machen könne.  

„Erst fliegen die Joints, dann fliegen die Zähne“

In dem Track geht es darum, dass Naggert mit 20 seiner deutschen Kameraden, in einen Club kommt. Ob die anderen wollen oder nicht, übernimmt die Gruppe dann den Club. „Erst fliegen die Joints, dann fliegen die Zähne“, rappt Naggert in dem Musikvideo, umringt von Männern, die merkwürdige Box-Bewegungen in die Kamera machen. Es geht darum, dass Deutschland durch die IB am Glas Bier verteidigt werde.

Die „Boss-Trasformation“ für Neonazis: „Germanenherausforderung“

Immer wieder betonen Chris Ares und Kai Naggert in ihren Songs und in Interviews, dass sie im Gegensatz zu anderen deutschen Rappern, strikt gegen Drogen sind. Deutscher Gangsta-Rapper und ihre Verherrlichung sämtlicher Drogen würde dazu führen, dass die deutsche Jugend verdirbt. Lieber würden sie wohl eine ertüchtigte deutsche Jugend heranziehen, die ihre rechtsextremen Ideale teilt, die sich gesund ernährt und sich körperlich ertüchtigt. Passend dazu bietet Kai Naggert auf seinem YouTube-Kanal gleich noch eine Art „Boss-Transformation“ für Patrioten an, er nennt es „Germanenherausforderung“. Die „Boss-Transformation“ ist ein maskulinistisches Fitnessprogramm des deutschen Gangsta-Rappers Kollegah.

Das alles steht allerdings im Widerspruch zu Naggerts neuem Song, schlicht gesagt, geht es hier ums Saufen. Die „Rechercheplattform zur Identitären Bewegung“ veröffentlichte auf Twitter einen kleinen Überblick von empörten Aktivist*innen, die sich entsetzt zeigen, dass Naggert in diesem Song so sehr den Alkoholrausch feiere. 

Dass es in dem „Partysong“, wie ihn Naggert bezeichnet, um Alkohol geht, sieht man logischerweise auch im Video. Hier stehen Naggert und seine wohl nicht minder rassistischen Kumpels das gesamte Video hindurch mit Bier in der Hand wackelnd vor der Kamera. Dabei werden Flaschen der Marke „König Pilsener“ vor die Linse gehalten und das, obwohl die Biermarke weder Werbepartner des Videos war noch angefragt wurde, ob das Bier im Clip zeigen dürfen.

Das Recherche-Kollektiv „Friedensdemo Watch“ machte „König Pilsener“ auf Twitter darauf aufmerksam. Die reagierten prompt, man würde rechtliche Schritte prüfen. In einer Stellungnahme gibt die Brauerei an, dass mit dem Video die Markenrechte von „König Pilsener“ verletzt wurden „und dagegen wehren wir uns jederzeit mit allen zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln.“ Man habe den verantwortlichen Verlag als auch den Interpreten abgemahnt. Das Video verschwand von Chris Ares Kanal. 

Warum hat die IB nicht direkt ihr eigenes Bier für den Dreh verwendet?  

Wie zu erwarten, jammert Naggert kurze Zeit später in einem Video und wittert prompt Zensur. Mittlerweile ist das Video wieder online, mit verpixeltem Bier. Da die „Identitäre Bewegung“ Angebote für beinahe alle Lebensbereiche entwickelt hat, gibt es auch eigenes „patriotisches“ Bier, das „Pils Identitär“. Warum Naggert nicht einfach die Hausmarke für sein Video verwenden wollte, wissen wir nicht. Vielleicht sind sechs Flaschen für 24,99 einfach zu teuer für die Kader, sondern eher dazu da, den jungen Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen. 

Spenden, spenden, spenden

Eigentlich ist Naggert seit Mitte 2018 verantwortlich für die patriotische Dating App „Patriot Peer“, also ein „Tinder“ für Rechtsextreme. Der IT-Manager soll die App auf den Markt bringen, doch ähnlich wie beim Berliner Flughafen wird immer wieder der Starttermin verschoben. Allerdings kommen bei „Patriot Peer“ nicht die Steuerzahler*innen für die Unfähigkeit der Verantwortlichen auf, sondern die treuen Fans, die stets angehalten werden für dies, für das oder für jenes zu spenden. Ob „Patriot Peer“ jemals den Weg in den Android und IOS Store schafft, bleibt abzuwarten.

Kai Naggert (l.) und Marius König (r.) sind beide Teil des IB-Ablegers „Defend Ruhrpott“

Und genau wie seine rechtsextremen Kamerad*innen, versucht auch Naggert jeden Cent aus seiner Anhängerschaft heraus zu quetschen. Wir kennen diese Taktik ja bereits von anderen IB-Aktivist*innen, die wegen jedem kleinen Vorkommnis Videos bei YouTube hochladen, in denen sie traurig in die Kamera sprechen und behaupten, die Anhängerschaft müsse nun für sie spenden, sonst sei die patriotische „Jugendbewegung“ am Ende, schließlich sei man so schlimmen Repressionen ausgesetzt.  

Für 50 $ im Monat exklusive Videochats mit Naggert 

Und auch Naggert versucht alles aus seinen Fans herauszuholen, was nur geht. Zum einen, fordert er seine Anhängerschaft auf, seine Musik bei Amazon zu kaufen, so weit so normal für Musiker*innen. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit die „musikalische Wende“ zu unterstützen und „Teil der NDS Familie“ zu werden. 

Für fünf US-Dollar im Monat auf „Patreon“ wird man „Löwe“. Die Spender*innen bekommen Zugang zu einer „exklusiven Telegram-Gruppe“, sie bekommen regelmäßig „kleine Hörproben“ und direkten Kontakt, sie bekommen alle Informationen zuerst – dabei postet Naggert doch bereits alle Informationen quasi via Liveticker in seine frei zugängliche Telegram-Gruppe, zusätzlich finden regelmäßige Gruppentreffen statt – was viel mehr nach Therapiesitzung klingt. Für 50 $ im Monat werden Fans „Unterstützer“ und bekommen zusätzlich noch „exklusive Videochatanrufe“, was ein bisschen wie das Cam-Girls-Business anmutet. Für 100 US-Dollar  im Monat (!) bekommen Spender*innen zudem „Zugriff auf neue Titel noch vor offizieller Veröffentlichung“ – Wow. Wer ist bereit dafür Geld auszugeben? Von den angestrebten 50 bisher insgesamt acht Personen. 

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