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Braune Ökos AfD plant mit rechtsoffener Stiftung Wildpflanzenparks in Berlin

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Rechte Ökologie: Manchmal wird es braun auf dem Acker.
Rechte Ökologie: Manchmal wird's braun auf dem Acker. (Quelle: Alexandr Podvalny/Pexels)

Ökologie und Umweltschutz sind von der AfD nur wenig bespielte Themen. Vielmehr stellen sie sich als Gegner:innen der erneuerbarer Energien und Freund:innen der konventionellen Landwirtschaft dar. Lediglich fünf Seiten widmet die AfD den Themen Ökologie und Naturschutz in ihrem über 200 Seiten langen Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2021. Umso verwunderlicher scheint es, dass der Berliner Bezirksverband in Treptow-Köpenick, die bei der letzten Bezirkswahl 2016 20,1 Prozent und damit 12 Sitze erreichte, im Mai diesen Jahres einen Antrag für einen essbaren Wildpflanzenpark in dem Bezirk stellt. Der konzeptuelle Partner, „EssbareWildpflanzenParks“ (EWILPA), verwundert hingegen weniger – eine rechtsoffene Stiftung, die der „Anastasia“-Bewegung nahesteht.

Gut vernetzt mit Ken Jebsen und Co.

„In Anlehnung an das Konzept der Stiftung EWILPA“ sollen vom Bezirksamt Treptow-Köpenick laut Antrag passende Flächen geprüft und vermittelt werden. Die ökologische Vielfalt stehe im Vordergrund und Umweltbildung könne dort stattfinden. Bisher wurde eine Bearbeitung im Ausschuss für Umwelt- und Naturschutz und Grünflächen zweimal vertagt, diese Woche (18. August 2021) steht das Thema wieder auf der Tagesordnung. Klingt die Idee zunächst ökologisch sinnvoll, lässt einen doch stutzig werden, wenn von einer rechten Partei solch eine Forderung kommt.

Die Stiftung EWILPA hat die Vision, 4.000 solcher miteinander vernetzten Parks bundesweit zu errichten. Das erklärt der Gründer Markus Strauß im Interview mit Ken Jebsen auf „TreeTV“, einer Fernsehplattform des bekannten Verschwörungsideologen, der in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen antisemitischer Aussagen aufgefallen ist (siehe Belltower.News). Seit 2015 setzt Markus Strauß im Rahmen der EWILPA-Stiftung seine Idee von der Pflanzkombination von Krautpflanzen, Nuss- und Beerensträuchern sowie Bäumen um. Drei Parks existieren bereits in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Das Konzept hat Überschneidungen mit den Ideen aus der ökologischen Anbaumethode der Permakultur, so wundert es nicht, dass Markus Strauß auch in der Szene der „Anastasia“-Bewegung angekommen ist.

Extrem verschwörungsideologisch

Neben vielen Fernsehauftritten u.a. im SWR, in denen Strauß über das Sammeln und Zubereiten von Wildpflanzen referiert, stellte er im Rahmen des „Was dich nährt“-Online Kongresses, der diesen Sommer stattfand, seine Stiftungsidee vor. Mitreferent:innen beim Kongress waren die bekannten Anhänger der „Anastasia“-Bewegung Konstantin Kirsch aus Hessen und Robert Briechle aus dem Allgäu (siehe Belltower.News). Auch Ricardo Leppe, Vertreter der menschenverachtenden germanischen Heilkunde und Initiator eines Netzwerks, das die Gründung von sogenannten freien Schulen zum Ziel hat, war mit von der Partie (siehe Belltower.News). Weitere Vertreter:innen hochproblematischer Verschwörungsideologien lächeln einem auf der Webseite des Kongresses für mehr „Naturwahrnehmung“ entgegen.

In einem aufgezeichneten Gespräch in dem von Verschwörungserzählungen gefüllten YouTube-Kanal „extremnews“ kommt Markus Strauß so richtig ins Quatschen und erzählt auch hier eine Stunde lang von seinem Pflanzenwissen und gibt Gesundheits- und Gartentipps. Dass im gleichen Kanal eine Reihe an Falschinformationen, antisemitische Narrative von einer Weltverschwörung, die hinter dem Coronavirus stecke und „Nachrichten an die Dunkelmächte“ verbreitet würden, scheinen für ihn keine Gründe, die einem veröffentlichten Interview entgegenstehen.

Wildpflanzen-Experte mit Größenwahn

Was den selbsternannten Experten für essbare Wildpflanzen und Selbstversorgung Markus Strauß neben dem Verzehr von Wildpflanzen wirklich bewegt, ist die „natürliche Revolution“ und das Umsetzen eines artgerechten Lebens, wie er in seinem Buch „Artgerecht. 13 Thesen zur Zukunft des Homo Sapiens“ (erschienen 2018 im Kosmos Verlag) beschreibt. In vielen Lebensbereichen weiß er Antworten, wie „artgerecht“ zu leben sei: Artgerechter Sport sei Laufen und Schwimmen, artgerechte Getränke seien bittere Tees und – natürlich – sich ganz viel in der Natur aufhalten. Die „essbaren Wildpflanzenparks“ sind ein Teil der von ihm gewünschten Entwicklung.

Zum Thema Geld und Kapitalismus bedient er sich einiger antisemitischer Narrative, wie dem des „alles verschlingende[n] Monster[s]“, dem „Moloch“ und der klassischen vereinfachten Einteilung in schaffendes und raffendes Kapital. Seine „artgerechte“ Lösung: Weniger kaufen, aktiv selber Dinge verrichten, wie zum Beispiel ein Handwerk oder einen Permakultur-Garten anlegen.

Antifeministisch zu „Natürlichkeit finden“

Es verwundert auch nicht, dass sich in seinem Buch auch antifeministische Passagen zu finden sind: Die Emanzipation der Frau habe zwar zu mehr Selbstbewusstsein geführt, aber auch die „natürliche“ Rollenverteilung ins Wanken gebracht. Genderreflektierte Pädagogik im Kindergarten ist ihm ein großer Dorn im Auge, da sie wider die Natürlichkeit arbeite. Er fragt die Leser:innen: „Warum wird hier unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung an so etwas wie den beiden Geschlechtern manipuliert?“. Was nach Markus Strauß Männer wieder lernen sollen, sei die Führung der Frau und Frauen sollen sich führen lassen – anschaulich erklärt am Tangotanz. Es sei „Zeit für den Blick zurück“. Zudem sollten sich Frauen sogenannten Frauengruppen anschließen, die möglichst „außerhalb feministischer Zirkel sein“ sollten.

Was tun gegen grüne Braune?

Nicht alles, was „Diversität“ zum Ziel hat, erkennt eine gesellschaftliche Diversität an. Auch im Nachhaltigkeitsbereich muss kritisch geblieben werden und im Zweifel nachgefragt werden, was soziale Aspekte und Gender Themen angeht. Auch bei Begriffen wie „Natürlichkeit“ lohnt es sich nachzuhaken, was darunter verstanden wird: Geht es hier um naturnahe Waldwirtschaft oder geht es um eine rückschrittliche Rollenverteilung und biologistische Vorstellungen?

Weiterführende Literatur:

„Rinks und lechts kann man nicht velwechsern“? Rechte und linke Positionen zu Ökologie
Abrufbar unter: https://www.buko.info/fileadmin/user_upload/gesnat/BUKO_Rechte_und_linke_Positionen_zu_OEkologie__doppelt_.pdf

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