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Debattenbeitrag von Nasir Ahmad „Allahu Akbar“ ist kein Ruf zum Terror. Es ist ein Ruf zum Gebet, zum Frieden!

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Islam, Koran
Nasir Ahmad:„Allahu Akbar“ ist kein Ruf zum Terror (Quelle: Pixabay)

 

„Allahu Akbar – Ein Ausruf, den islamistische Attentätergebrauchen“ schreibt der SWR, die Welt und andere Medien. Johannes Huber von der AfD macht daraus was er und seine Partei am Besten können: einen Hetzbeitrag auf Facebook. Der Titel des Beitrages lädt Islamhasser und Hetzer ein „+++ Muslim stürmte Kirche bei Trauerfeier und schreit „Allahu Akbar“ +++“:

 

Flashback: Was ist passiert?

Am 6. März 2019 tötet ein 22-jähriger Tunesier in Worms seine Freundin (21) in der Wohnung ihrer Eltern. Daraufhin hetzen Rechte gegen Geflüchtete im Netz, allen voran die AfD:

 

„Junge Frau“ + „krimineller Asylant, der nicht abgeschoben wurde“ = Wut. Diese Wut traf daraufhin den Bürgermeister von Worms, Michael Kissel (SPD). Er hatte nach dem Mord an der 21-Jährigen einen Facebook-Post veröffentlichte in dem er zum Zusammenhalt aufrief. Als Reaktion erhielt er unter dem Beitrag Schmähungen und Beleidigungen. Am 8. März 2019 erhielt er eine Morddrohung aus dem rechtem Spektrum – in der Droh-Mail ist die Rede von Sprengstoff. Doch weder FOCUS, die Welt, noch die Wormser Zeitung erwähnen, dass die Mail aus der rechten Szene kam. Am 10. März 2019 organisierten Bürger*innen einen Trauer-Marsch und gingen anschließend in die Kirche. Der SWR berichtete im Rahmen dessen von einem Vorfall in der Kirche:

Im Anschluss an die Kundgebung fand in der Liebfrauenkirche ein ökumenischer Gottesdienst statt. Kurz bevor der Gottesdienst begann, kam es zu einem Zwischenfall. Zeugen berichteten, dass ein Mann mit ausgebreiteten Armen im Altarraum stand und „allahu akbar“ (Gott ist der Größte) gerufen hätte. Ein Ausruf, den islamistische Attentäter gebrauchen. Zahlreiche Besucher der Kirche, die bereits vor dem Gottesdienst Platz genommen hatten, verließen daraufhin fluchtartig die Kirche und alarmierten die Polizei. Der Zwischenrufer sei von Kirchenbediensteten nach draußen geführt und der Polizei übergeben worden, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Es habe keine Massenpanik gegeben. Der Gottesdienst fand wie geplant statt.

Die Atmosphäre war bereits durch den Mord aufgeheizt, nun rief ein 29 Jahre alter Mann aus Pakistan, der in Worms wohnhaft ist und laut „Polizei möglicherweise psychisch verwirrt“ sei während der Trauerfeier „Allahu Akbar“ und versetzte die Menschen in Angst und Panik, die daraufhin hinaus rannten.

Ist „Allahu Akbar“ ein Ausruf, den islamistische Attentäter gebrauchen?

Nein! Islamistische Fanatiker*innen missbrauchen „Allahu Akbar“ für ihre gottlosen und unislamischen Taten.Um die Frage zu beantworten, wie „Allahu Akbar“ zu gebrauchen ist, müssen wir uns die Praxis des Propheten Muhammad anschauen:

Hadhrat Abu Musa erzählt, dass er sich einmal mit dem Heiligen Propheten und einigen anderen Gefährten auf einer Reise befand. Als der Heilige Prophet hörte, wie die anderen laut „Allāhu Akbar“ ausriefen, sprach er: „O Leute, mäßigt euch beim Bittgebet und Takbīr. Weder ruft ihr einen Tauben noch jemanden, der hier nicht anwesend ist. Ihr preiset ein hörendes Wesen. Er ist euch nah und ist mit euch.“
(Hadith aus Ṣaḥīḥ Muslim)

Allāhu Akbar ist also ein Ruf zum Gebet, eine Preisung Gottes, ein Ruf zum Frieden. Nicht zum Terror.Das ist der richtige Gebrauch, den der Prophet MuhammadSAW angeordnet hat. Dieser Ruf wird in der islamischen Terminologie als Takbīr bezeichnet. Der Gebetsruf, also das Adhan, beinhaltet auch das Takbīr.

Darüberhinaus wird das Takbīr während des islamischen Gebetes mindestens 150 Mal aufgesagt. Doch in den klassischen Medien landet das Allahu Akbar offensichtlich nur, wenn es ein psychisch gestörter Attentäter ruft.

„Muslime sind nur dann wichtig, wenn wir Bösewichte sind keine Opfer.“ (Khaled Beydoun)

Vielleicht ist es ohne Kontext pauschal, aber in diesem Kontext trifft es zu.

Was genau heißt nun „Allahu Akbar“?

Die sinngemäße Übersetzung lautet: „Allah ist der Allergrößte“. Ein guter Freund hat hierzu einen schönen Facebook-Eintrag erstellt, er schreibt: Frieden!

Quelle:Screenshot

 

Das würde ich gerne mit folgenden Zeilen ergänzen:

Allahu Akbar – größer als Terror.
Allahu Akbar – größer als Hass.
Allahu Akbar – größer als Extremismus.

Deutungshoheit über die Angst

Hurra! Ein Freudenruf? Nicht unbedingt. Historisch gesehen ist „Hurra“ ein Schlachtruf, der bis heute als solcher verwendet wird.

Doch Hurra! ist heute als Freudenruf bekannt. So sieht man beispielsweise eine Alice Weidel, wie sie sich sarkastisch über die Regierung äußert. Niemand rennt panisch herum und schreit, dass Alice Weidel zum Terror aufruft. Der Frame ist hier eben positiv besetzt.

Anders würde es aussehen, wenn man „Hurra“ mit „Allahu Akbar“ ersetzen würde. Das „Bald“ in dem Tweet wäre direkt mit einer angeblichen „Machtübernahme“ durch Islamisierung verbunden worden. Alle Angst-Rezeptoren wären aktiviert worden. Die Deutungshoheit über die Angst hätten Hetzer und Islamhasser aus der AfD und Co. – Panik wäre vorprogrammiert.

Aber das ist nun Mal Realität. Daher sage ich: Allahu Akbar! – Allah ist größer als eure Panikmache. Allah ist Liebe, Allah ist Freiheit und Allah ist vor allem Frieden!

 

Dieser Text ist zuerst auf Nasir Ahmads Blog „Ich bin Muslim. Vertrau mir.“ erschienen

Nasir Ahmad ist deutscher Muslim und Aktivist. Er setzt sich gegen Unrecht und gegen Diskriminierung ein, unabhängig von Hautfarbe, Herkunftsland, Gesinnung oder Sexualität. 

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