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Gastbeitrag Statistische Spielereien auf Kosten der eigenen Bürger*innen

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Muslimische Frauen beten in der Sehitlik Moschee in Berlin-Neukölln, Deutschland, Europa | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. (Quelle: dpa)

In dem Artikel „Natürlich hat die Gewalt von Migranten mit dem Islam zu tun“ von der ehemaligen Familienministerin Kristina Schröder (CDU) vom 8. August setzt sie die vermeintlich erhöhte Kriminalitätsrate von Migranten in Verbindung mit dem Islam oder dem „islamischen Kulturkreis“. Dabei unterläuft ihr – wie so oft in diesen Debatten – der Fehler, dass sie die Lehren des Islam mit der Praxis von Muslimen oder sog. islamischen Ländern vermischt. Auch beschwerte Sie sich zuvor nie über Gefängnisse, in denen, vor der steigenden Anzahl von Migranten in Deutschland, sich mehrheitlich Menschen christlichen Glaubens befanden. In diesem Fall konnte bei solchen Menschen kein vermeintlich kausaler Zusammenhang zwischen Religion und Handeln von Einzelpersonen festgestellt werden. Vielmehr sind es bei solchen Vorfällen die sozialen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Faktoren, also deren auffälliges Verhalten ist losgelöst von religiöser Zugehörigkeit. Der Trend der „Islamifizierung“ von gesellschaftlichen Problemen im Diskurs ist durchaus bedenklich und gefährlich. Was die erhöhte Kriminalität unter Migrant*innen angeht, so wurde dies z.B. durch Aussagen vom Bundeskriminalamt als Zahlenspielerei und kreative Ergebnisinterpretation der Statistik entlarvt. Gerade die Grundlage der Berechnung, also die Anzahl der Nichtdeutschen insgesamt, ist nicht genau ermittelbar und damit die ganze Berechnung hinfällig. Jedoch ist aus meiner Sicht unabhängig davon, ob die Zahl von Kriminellen unter muslimischen Migrant*innen höher oder niedriger ist als die der Gesamtbevölkerung, jede einzelne Straftat eine zu viel.

„Die wichtigste Differenzierung jedoch lautet: Es sind nicht alle Migrantengruppen, die eine höhere Gewaltneigung aufweisen. Sondern es sind vor allem die, die aus einem islamisch geprägten Kulturkreis stammen.“ Kristine Schröder

Was die Muslime anbelangt, sind diese gerade durch die islamische Lehre verbindlich verpflichtet, die Gesetze des Landes unter dessen wohlbehüteten Schutz sie leben, zu befolgen. Jegliche Verstöße gegen die herrschenden Gesetze des Landes (ob ein mehrheitlich muslimisches Land oder nicht) sind aus koranischer Sicht kategorisch abzulehnen und daher unislamisch. Der Islam hat nicht nur nichts mit der Gewalt von Migrant*innen zu tun, im Gegenteil, er widerspricht jeglicher krimineller Gewalt vehement und bietet in seiner Lehre die Lösung für gesellschaftliche Probleme. Der Islam weist die Muslime dazu an, die Rechte ihrer Mitbürger*innen, ungeachtet ihrer Religion, zu wahren und in Harmonie und Frieden mit ihren Mitmenschen zu leben. Fühlt sich ein Muslim dazu nicht in der Lage, so ist er sogar dazu angewiesen, auszuwandern und das Land zu verlassen.

„Der Begriff ‘Islam‘ fällt in diesem Zusammenhang selten, er ist der Elefant im Raum, über den die aufgeklärte Mitte im Zusammenhang mit Gewalt nach wie vor kaum spricht.“ Kristina Schröder

Was die „Demokratisierung des aufgeklärten Westens in Beisein des Christentums“ angeht, so wirkt es als würde Schröder sagen wollen, die Kirchen hätte diese positive Entwicklung einfach zugelassen oder gar gefördert. Eine solche These, zeigt auf, dass Frau Schröders‘ Ansatz den Islam zu kritisieren ein geradezu verzweifelter Versuch ist, die Rolle bzw. die Geschichte der Kirche, in ein besseres Licht zu rücken. Dass Frau Schröder nicht davor zurückschreckt, historische Fakten und vor allem die Rolle der Kirche im Zeitalter der Aufklärung zu verdrehen, ist ein trauriges Zeugnis ihres voreingenommenen Verhaltens.

Die Geschichte lehrt, dass im Zeitalter der Aufklärung klar zu sehen ist, wie das Christentum unter der Ägide der Kirchen, in ihrer panischen Angst vor Machtverlust, dem Bestreben der Aufklärung sowie Demokratisierung entgegengewirkt haben und versucht haben, freiheitliche Entwicklungen in der Gesellschaft auszubremsen. Schröder zieht den Kontrast zu den Despotien in den mehrheitlich muslimischen Ländern heran. Sie vergisst dabei zu erwähnen, dass diese Diktaturen von „demokratisch-freiheitlichen“ westlichen Staaten mehrheitlich mit Einfluss, Waffenlieferungen und guten diplomatischen Beziehungen unterstützt wurden und werden, um Einflusszonen der Politik und Wirtschaft zu sichern. Das geschieht im Übrigen gegen den Mehrheitswillen der Deutschen beziehungsweise der Europäer*innen. Demnach finde ich es schade, dass gerade sie nun auf Kosten der hier lebenden Muslime, die gerade vor solchen Diktatoren und ungerechten Regimen geflohen sind, Politik macht. Es ist an der Zeit, die Muslime in zweiter oder dritter Generation, die bestens integriert sind und sich zu Deutschland zugehörig fühlen, als Mitbürger*innen mit gleicher Würde und gleichem Wert anzuerkennen statt zu deren Nachteil auf die Jagd nach Stimmen zu gehen.

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