Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

„Kategorie C“ Die Hooligans und Xavier Naidoo  

Von|
(Quelle: Unsplash)

Ende der 1990er Jahre gründete sich aus der Bremer Hooliganszene die Rockband „Kategorie C“. Der Name beruft sich auf eine Einstufung der Polizei zum Gewaltpotential von Fußballfans – Kategorie C bedeutet „gewaltsuchend“. Die 1990er Jahre sind die Blütezeit für Hooligans in Deutschland, Massenschlägereien und Alkoholeskapaden rund um die Fußballstadien sind zu dieser Zeit Normalität.

Das erste Album von „Kategorie C“, „Fußballfest 98“, erschien anlässlich der Fußball-WM 1998 in Frankreich. Die Musik glorifiziert Hooligangewalt und ruft unverhohlen dazu auf. In Frankreich randalieren nach den WM-Spielen immer wieder gewaltbereite Fußballfans und Hooligangruppen. Ihren Höhepunkt erreicht die Gewalt am 21. Juni 1998. Während des WM-Spiels Deutschland gegen Jugoslawien wurde der französische Polizist Daniel Nivil von deutschen Hooligans niedergeprügelt und gegen den Kopf getreten. Nivil überlebte die Attacke schwerverletzt. Nach sechs Wochen Koma kämpft er bis heute mit den Folgen und ist q halbseitig gelähmt und auf einem Auge blind.

Rechtsextremes Gedankengut in der Hooliganbewegung war damals wie heute, ein wichtiger Bestandteil für das Selbstverständnis der Szene. „Kategorie C“ inszenierte sich dennoch zunächst als unpolitisch, berief sich auf Themen wie Freundschaft, Männlichkeit, Gewalt und Alkohol. Doch schon auf dem Tonträger „Fußballfest 98“, heißt es unter anderem: „Hoch auf dem gelben Wagen, sitz ich beim Führer vorn, Vorwärts die Oi traben, lustig schmettert das MG“. 

Hannes Ostendorf, Sänger der Band, beteiligte sich 1991 bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingswohnheim und ist, wie auch andere Rocker von „Kategorie C“, seit Jahrzehnten Mitglied bei „Nahkampf“, einer Rechtsrockband die eng mit dem verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerk verknüpft ist. Das Netzwerk gilt als engste Unterstützer-Struktur der Rechtsterroristen, die als „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) bis zu ihrer Selbstenttarnung 2011 zehn Menschen ermordeten und mehrere Sprengstoffanschläge verübten. 

Auch abseits der eigenen Biografien macht die Rockband kein wirkliches Geheimnis um ihre Gesinnung. 1999 wurde der Sampler „Die Deutschen kommen II“ veröffentlicht. Neben Songs von Rechtsrock-Bands wie „Stahlgewitter“, „Landser“ und „Kraftschlag“, steuerte auch „Kategorie C“ ein Lied zu dem Sampler bei. Des Weiteren traten die Bremer Hooligans bei einer Party des jüngst verstorbenen Dortmunder Neonazi Siegfried Borchert auf

Infolge interner Zerwürfnisse zwischen den beiden Gründungsmitgliedern Ostendorf und Rainer Friedrich, gründete Ostendorf, zusammen mit zwei Mitgliedern der Rechtsrock-Band „Agitator“, die Band „Hungrige Wölfe“. Friedrich gründete daraufhin die Rockband „VollKontaCt“. Beide Hooliganbands lösten sich nur wenige Jahre später auf und Friedrich und Ostendorf vereinten sich unter dem Namen „Kategorie C – Hungrige Wölfe“.

Auftritt von Hannes Ostendorf bei einer LEGIDA-Demonstration (Quelle: Reise Reise / CC BY-SA 4.0)

Die Verbindungen von „Kategorie C“ in die rechtsextreme- bis hin zur rechtsterroristischen Szene sind eindeutig. So bestritt die Band bis heute zahlreiche Konzerte unter dem Banner von „Blood & Honour“, etwa 2014 in Slowenien und Italien, und teilte sich auch in Deutschland die Bühne mit rechtsextremen Bands. So zum Beispiel auf dem „Rock gegen Links“ im thüringischen Themar 2017, wo ebenfalls die Rechtsrock-Bands „Oidoxie“, „Confident of Victory“ und „Frontalkraft“ auftraten, wie Belltower.News bereits berrichtete. 2014 mobilisierte „Kategorie C“ zu den Demonstrationen der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa). Ostendorf trat selbst bei der HoGeSa-Demonstration im Oktober 2014 auf. HoGeSa schürte Angst vor einer angeblichen „Islamisierung“ und verstand sich als Schmelztiegel zwischen der deutschen Hooligan- und der organisierten rechtsextremen Szene. 

Trotz den Verbindungen in die rechtsextreme Szene, versuchte die Band sich gleichzeitig zu distanzieren. So war zeitweise auf der Homepage der Band zu lesen: „Wir dulden keine politischen oder volksverhetzenden Abzeichen oder Aufdrucke oder sonst irgendeine politische Propaganda auf unseren Konzerten. Leute, die rechte oder linke Parolen schreien, werden des Konzertes verwiesen.“

Trotz, oder gerade aufgrund des rechtsextremen Hintergrundes der Rocker, hält der Kult um „Kategorie C“ bis heute an. Die Rechtsrockband kooperiert mittlerweile mit der brandenburgischen Neonazi-Bekleidungsmarke „Erik & Sons“ und gründete das Label „KC-Die Firma“. Im Onlineshop  „Hungrige Wölfe“, findet man von einer Badehose mit dem Slogan „Deutsche Jungs“ über Grabkerzen, Corona-Masken, Feuertonnen bis hin zum klassischen Baseballschläger, wahlweise sogar in pink, so gut wie alles was die Fanseele begehrt. Für besonders enthusiastische Anhänger der in die Tage gekommenen Hooligans gibt es sogar eine „Kategorie C-App“. 

Ostendorf betreibt heute vor allem Soloprojekte und nutzt seinen Telegram-Kanal um seine Anhänger bei der Stange zu halten. Infolge der Flutkatastrophe rief Ostendorf zum Spenden für die Flutopfer auf, wie die taz berichtete. Zusammen mit den Verschwörungsideologen Xavier Naidoo und Oliver Janich, dem ehemaligen AfD-Landtagsabgeordneten Heinrich Fiechtner, dem rechtsextremen YouTuber „Volkslehrer“ und einigen weiteren Szenegrößen, nahm Ostendorf an der „Konferenz“ teil, ein Diskussionsformat unterschiedlicher rechtsalternativer bis rechtsextremer Akteure. Gemeinsam veröffentlichte „Die Konferenz“ den achtminütigen Song „Heimat“, produziert von KlaTv, dem Sender der sektenhaften Organisation „Organische Christus Generation“ (OCG). 

Im Duett mit Naidoo veröffentlichte Ostendorf außerdem den Anti-Impf-Song „Deutschland krempelt die Ärmel hoch“. Mit Bezug auf die Impfkampagne der Bundesregierung fragt der Song  „Starke Männer, wo seid ihr bloß?“. Im Video sind sie zu sehen: Eine vermummte Hooligangruppe mit Fackeln und eine Motorradgang, die gemeinsam „Deutschland“ grölen.

Das Bild von Hannes Ostendorf wurde unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 4.0 veröffentlicht.

Weiterlesen

Themar 2019-07-05 (190)

Musik Liste extrem rechter Bands aus dem Ausland

Rechtsrock ist im Wesentlichen eine Musik mit extrem rechten Inhalten. Die Liedtexte sind antisemitisch und rassistisch, homophob und sexistisch, nationalistisch…

Von|
Unsere Partnerportale
Eine Plattform der