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06.03.2015 … Presseschau

Nach den Rechten sehen: Geplantes Flüchtlingsheim in Remscheid: Pro-NRW-Demonstrant schlägt zu +++ Neonazis greifen schwules Paar in Merziger Supermarkt an +++ Chemnitz: Angriff auf alternatives Wohnprojekt.

Die tägliche Presseschau von netz-gegen-nazis.de

Geplantes Flüchtlingsheim in Remscheid: Pro-NRW-Demonstrant schlägt zu

Tumult gab es bei der Demo vor dem Info-Abend zu einem Flüchtlingsheim in Hasten. Ein Pro-NRW-Anhänger ohrfeigte den Vorsitzenden des Behindertenbeirats. Gegen ihn wurde Anzeige wegen Körperverletzung gestellt. Starke Polizeikräfte trennten etwa ein Dutzend Demonstranten von Pro NRW und rund 100 Gegendemonstranten, die von der Vereinigung „Remscheid tolerant“ aufgeboten wurden. Nach Angaben des Vorsitzenden des Behindertenbeirats, Karl-Heinz Bobring, ist er von einem Pro-NRW -Anhänger tätlich angegriffen und ins Gesicht geschlagen worden, als er eine Fahne von „Remscheid tolerant“ vor dem Stand von Pro NRW auf der dem Gemeindezentrum gegenüberliegenden Straßenseite ausbreitete. Die Polizei bestätigte den Vorfall auf Anfrage unserer Redaktion. Polizisten hatten die Situation beobachtet und konnten sofort dazwischengehen. Gegen den Demonstranten sei Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt worden, sagte ein Polizeisprecher. Der Mann wurde von der Versammlung ausgeschlossen (RP-Online).

Neonazis greifen schwules Paar in Merziger Supermarkt an

Eine Hetzjagd von mutmaßlichen Rechtsextremen auf ein schwules Paar hat sich am ersten Mittwoch im Februar im Merziger Supermarkt „Kaufland“ abgespielt. Wie Klaus N. (Name von der Red. geändert) und sein Lebenspartner in ihrer Anzeige bei der Polizeiwache in Merzig, die der SZ vorliegt, schildern, sind sie am 4. Februar nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr beim Einkaufen von einem Neonazi auf ihre Sexualität angesprochen worden. Dieser war mit einem weiteren Mann und einer Frau im Supermarkt, einer der beiden habe eine Bomberjacke mit der Aufschrift „Sturmdivision Saar“ getragen. „Sie folgten uns durch das ganze Kaufland, beleidigten und bedrohten uns, auch lautstark an der Kasse“, heißt es in der Anzeige. „Wir gehörten vergast, er würde mir am liebsten den Schwanz abschneiden und so weiter“, gibt N. die Angriffe des Neonazis wörtlich zu Protokoll. N. stellte den Angreifer demnach zur Rede und fragte ihn, was er ihm getan habe. Der Rechtsextreme sagte demnach nur, das Paar sei „widernatürlich und gehöre vergast“. „Das gesamte Personal bekam das mit und niemand tat etwas“, beklagt das Opfer in der Anzeige. Die drei Neonazis hätten das Paar bis ans Auto auf dem Supermarkt-Parkplatz verfolgt und dabei begonnen, ihre beiden Opfer „herumzuschubsen“. „Ich lenkte sie ab, während mein Partner das Auto aufschloss und den Motor startete“, beschreibt einer der beiden Betroffenen die dramatische Situation. „Als man mich wieder schubste, nutzte ich den Schwung, um die Autotür aufzureißen, mich ins Auto zu schmeißen und abzuschließen.“ Hinter dem Auto habe noch der Einkaufswagen gestanden. Die Angreifer hätten im Häuschen, wo die Einkaufswagen gesammelt werden, gewartet, in der Annahme, ihre Opfer würden den Einkaufswagen dorthin zurückbringen. Doch die beiden Männer zogen es vor, mit dem Auto den Einkaufswagen zur Seite zu schieben und direkt davonzufahren. „Es war mehr als offensichtlich, dass sie uns ernsthaft verletzen wollten. Wir fürchteten beide um unser Leben“, schildern die Anzeigensteller ihre verzweifelte Lage (Saarbrücker Zeitung).

Chemnitz: Angriff auf alternatives Wohnprojekt

Auf das alternative Wohnprojekt „Kompott“ an der Leipziger Straße/ Ecke Matthesstraße hat es am Montagabend einen Angriff gegeben. Laut einer erst gestern Nachmittag von Hausbewohnern verbreiteten Pressemitteilung wollten 15 bis 20 Personen, die zum Teil vermummt und mit Zaunslatten bewaffnet waren, gegen 22 Uhr in die Gebäude eindringen. Nach Darstellung von Beteiligten an dem 2010 gestarteten Wohnprojekt handelte es sich bei den Angreifern um Neonazis. Sie hätten bei allen Hausbewohnern geklingelt und versucht, in den abgeschlossenen Hof zu gelangen. Außerdem hätten sie beim Abrücken „Antifa, hahaha“ skandiert – ein Ruf, wie er auch bei der Pegida-Demonstration hörte, die am selben Abend des 04.03.2015 in Chemnitz stattfand. Das Lagezentrum der Polizeidirektion bestätigte auf Anfrage, dass kurz nach 22 Uhr ein Notruf eingegangen war und Beamte zum Haus Leipziger Straße 3 beordert wurden. Dort seien zehn Personen überprüft und ihnen Platzverweise erteilt worden. Dass es sich bei den Angreifern um Rechtsextreme handelte, habe sich jedoch nicht bestätigt, so der Diensthabende. Die Beteiligten am Wohnprojekt bleiben trotzdem bei ihrer Darstellung (Freie Presse).

Angriff auf türkische Familie in Cannstatt: Türkischer Außenminister Cavusogle besucht Opfer

Nach einem fremdenfeindlichen Angriff auf eine türkische Familie in Baden-Württemberg haben die Betroffenen die türkische Regierung um Hilfe gebeten. Wie die offizielle türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag meldete, besuchte Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Familie Yozgat in Bad Cannstatt. Familienvater Ilhan Yozgat sagte dem Minister demnach, seit dem Angriff Ende Januar traue sich die Familie kaum noch aus dem Haus. Er bat den Minister um Hilfe bei einem Umzug in eine andere Wohnung. Laut Anadolu war die Ehefrau von Ilhan Yozgat am 31. Januar an einer nahen Tankstelle im Beisein ihrer kleinen Kinder von Unbekannten beschimpft und bedrängt worden. Die Angreifer versuchten, der Frau das Kopftuch herunterzureißen. Als Ilhan Yozgat seiner Frau helfen wollte, sei er tätlich angegriffen und bestohlen worden. Die Angreifer riefen demnach ausländerfeindliche Parolen. Die Türken sollten „abhauen“ (n-tv).

Dresden: Pegida-Anhänger drohen Fotografen

Zig Anrufe mit unbekannter Nummer. Unflätige Beschimpfungen per SMS, auf Facebook und konkrete Drohungen per E-Mail und am Telefon – das ist das Ergebnis eines kleinen Zettels, den der Fotograf Andreas Hilger in seinen Laden auf der Bautzner Straße gehängt hat. Seine Botschaft: Anhänger, Sympathisanten und Versteher der Pegida-Bewegung sind bei ihm nicht erwünscht (neustadt-ticker.de).

Regensburgerin wehrt sich gegen Hetze der Nazi-Partei „Der III. Weg“

Eine „Drahtzieherin“ von „verwirrten Linksextremisten“ soll sie sein und „linksversifft“ noch dazu: Marion Puhle ist ins Visier von der „Dritte Weg“ geraten. Auf ihrer Internetseite hetzt die Nazi-Partei gegen die Macherin des Regensburger Flüchtlingsforums. Anlass ist die blockierte Abschiebung der transsexuellen Bosnierin Dervisa R. Anfang Februar. Dass Puhle die 24jährige betreut und sich bereits seit Jahren um Flüchtlinge kümmert, hat sie jetzt zur Zielscheibe gemacht. Denn Migranten im Allgemeinen und Flüchtlinge im Speziellen sind das Lieblingshetzobjekt der Partei, die aus dem mittlerweile verbotenem Freien Netz Süd hervorgegangen ist, einem Zusammenschluss gewalttätiger und zu einem Gutteil einschlägig vorbestrafter Neonazis. Und die „Arbeit“ des Freien Netz Süd setzt „Der dritte Weg“ ungebrochen fort. Auf ihrer Internetseite hetzt die Nazi-Partei täglich gegen „Wirtschaftsflüchtlinge“, „Zigeunerclans“ oder „Asylbetrüger“. Oder eben gegen Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren, wie Marion Puhle. Marion Puhle lässt sich nicht einschüchtern. Sie hat wegen des aktuellen Hetztextes gegen Flüchtlinge im Allgemeinen und sie im Speziellen Strafanzeige erstattet (Regensburg digital).

Antisemitismus bei Pegida und AfD: Zentralrat der Juden widerspricht Bundesregierung

Die antisemitische Hetze in Deutschland wächst, die Bundesregierung sieht das mit Sorge. Judenfeindliche Slogans von Pegida und der AfD will sie aber nicht gehört haben – der Zentralrat der Juden widerspricht. Antisemitischen Straftaten in Deutschland gehen in den allermeisten Fällen auf das Konto von Rechtsextremisten: Von den 1.275 Delikten dieser Art, die 2013 behördlich erfasst wurden, seien 1.218 der politisch motivierten Kriminalität von Rechts zuzuordnen, wie aus der Regierungsantwort auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht. 31 der Taten werden Ausländern zugeschrieben, 26 anderen Urhebern. Die rechtspopulistische AfD spielt nach Einschätzung der Bundesregierung keine Rolle, wenn es um das Thema geht. Antisemitische Aussagen, Tendenzen oder Slogans unter Mitgliedern beziehungsweise Funktionären der Partei „sind der Bundesregierung nicht bekannt“, erklärt sie. Entsprechend gilt das auch für die Anti-Islam-Bewegung Pegida, die ihre Hochburg in Dresden hat. Einschränkend berichtet die Regierung hier allerdings, dass bei den von „Pro NRW“ beeinflussten Pegida-Ablegern in den Köln, Bonn und Düsseldorf „auch antisemitische Parolen“ gerufen worden sein sollen. Der Grünen-Politiker Beck sagte, die Bundesregierung „beweist Chuzpe, wenn sie bei der AfD keinen Antisemitismus sehen kann, obwohl wir immer wieder Fälle haben, in denen AfD-Politiker durch antisemitische Karikaturen oder Aussagen Schlagzeilen machen“. Auch Zentralrats-Präsident Schuster widersprach der Bundesregierung in diesem Punkt. „Antisemitismus bei Teilen von Pegida und Mitgliedern der AfD mussten wir im Gegensatz zur Bundesregierung in der Vergangenheit sehr wohl feststellen.“ Einige Äußerungen oder Karikaturen auf Facebook seien ja auch öffentlich bekannt geworden, „insofern ist diese Feststellung der Bundesregierung für uns nicht nachvollziehbar“ (Tagesspiegeltaz).

Wandsbek: Nazi-Skandal um SPD-Politiker Voigt immer bizarrer

Der Nazi-Skandal um den SPD-Politiker Ingo Voigt wird immer bizarrer. Der Wandsbeker Bezirksabgeordnete und Strafrechtler war 2010 von der Anwaltskammer als Abwickler für die Kanzlei des verstorbenen Neonazi-Anwalts Jürgen Rieger bestimmt worden. Im Rahmen dessen hätten er und seine Familie Morddrohungen bekommen. Um die Lage zu beruhigen, hatte der Politiker für NPD-Organe Texte verfasst und seine „Hochachtung“ vor dem verstorbenen Neonazi Jürgen Rieger ausgedrückt. Laut Voigt hätten die Hamburger Sicherheitsorgane ihm dazu geraten. Sowohl der Verfassungsschutz als auch die Polizei weisen das klar zurück (Hamburger Morgenpost).

Nach der Demo: „Pegida Nürnberg“ will wiederkommen

Die neu gegründete Gruppierung „Pegida Nürnberg“ startete am Donnerstag das erste Mal zu ihrem „Spaziergang“ durch Nürnberg. Dabei stießen die rund 60 Demonstranten auf rund 1000 Gegner. Dennoch wollen sie kommende Woche einen weiteren „Spaziergang“ unternehmen (nordbayern).

Legida-Gegner: Keine Ermittlungen nach Selbstanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Leipzig bearbeitet keine Selbstanzeigen von Legida-Gegnern. Ein Sprecher der Behörde sagte, in bisher 17 Fällen sei die Einleitung von Ermittlungsverfahren abgelehnt worden. Es handele sich dabei um alle Selbstanzeigen, die der Staatsanwaltschaft vorliegen. Unterzeichner der „Leipziger Erklärung 2015 – Legida den Platz nehmen“ hatten sich selbst angezeigt – aus Solidarität mit den Politikerinnen Monika Lazar (Grüne) und Juliane Nagel (Linke). Beide Politikerinnen hatten im Januar zum Widerstand gegen den ersten Legida-„Spaziergang“ aufgerufen und müssen sich dafür jetzt juristisch verantworten. Im Februar war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Leipzig gegen Nagel und Lazar ermittelt. Sie wirft ihnen vor, während einer Pressekonferenz zur Blockade des Legida-Aufmarsches aufgefordert zu haben. Dies könnte aus Sicht der Ermittler eine öffentliche Aufforderung zu Straftaten sein. Gegen Lazar läuft laut Staatsanwaltschaft weiterhin ein sogenannter Prüfvorgang, gegen Nagel ist bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Allerdings habe es noch keine Anträge auf Aufhebung der Immunität beim Bundestag beziehungsweise sächsischem Landtag gegeben (mdr).

Hass-Rap auf den Stelen für die ermordeten Juden: Nazi-Band schändet Holocaust-Mahnmal

Es ist ein ungeheurer Tabubruch, eine nationale Schande. Undenkbar und trotzdem passiert. Eine Nazi-Band schändet das Holocaust-Mahnmal am Brandenburger Tor. „Wir müssen wieder marschieren!“, singt eine Frau in Schwarz, hebt den rechten Arm. Nicht zum Hitler-Gruß, sie ballt stattdessen die Faust – doch eigentlich ist dieser Unterschied völlig unerheblich. Mia Herm (32), als rechtsextreme Sängerin unter dem Namen „Dee Ex“ bekannt, traf sich mit Nazi-Rapper Patrick Killat alias „Villain051“, zum skandalösen Dreh. Für ihren Clip mit dem scheinbar harmlosen Titel „Europa sagt Nein zur EU“ stiegen sie am Holocaust-Mahnmal den jüdischen Opfern des Nazi-Regimes aufs Dach. Hasserfüllt hetzen sie „Gegen die EU-Zionisten schreiten wir vereint in den Krieg … tragen stolz den Glauben in den Herzen, von unserer Freiheit, von unserem Sieg“. Wie Herm favorisiert auch Killat Mahnmal, Brandenburger Tor und Reichstag für seine Drehs. Die Clips, gespickt mit Aufnahmen von dunkelhäutigen Familien, geistern seit Jahren auf den Seiten von Facebook und Youtube. Sie werden regelmäßig von den Plattformen gefegt, aber nach kurzer Zeit wieder hochgeladen (Berliner Kurier).

Zuwanderer in Deutschland: Deutsche halten sich für tolerant

Wächst die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland? Wie steht es um die viel beschworene Willkommenskultur? Eine neue Studie zeigt: Die Deutschen selbst halten sich für weltoffen – fordern aber von Zuwanderern: Passt euch gefälligst an. Dresden steht für die Uneinigkeit der Deutschen in dieser Frage: Wie soll die Bundesrepublik mit den derzeit etwa 630.000 Flüchtlingen im Land umgehen – und wie mit den Tausenden, die hierher ziehen wollen? Dass dieses Thema nicht nur die Gesellschaft spaltet, sondern auch im geografischen Sinne das ganze Land, zeigt eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung (Spiegel online).

NSU-Prozess: Rechtsradikaler bedroht Journalisten im Gerichtssaal

Im NSU-Prozess bedroht ein Rechtsradikaler einen Journalisten, der immer wieder über die rechte Szene in Chemnitz berichtet hatte. Der Rechtsradikale gehört offenbar zu einem Zeugen, der in Chemnitz einen Laden mit Kleidung und Musik für die rechte Szene betreibt. Das Gericht beschließt, künftig nur noch an zwei statt an drei Tagen zu verhandeln. Es will die Gesundheit von Beate Zschäpe schonen (SZThüringer AllgemeineFreie Presse).“, sagt Manfred Götzl laut. „Es wäre schön, wenn Sie meine Fragen beantworten könnten.“

NSU: Was wusste die RNF-Frau Edda Schmidt?

Der ehemalige Sänger des Liedermacher-Duos „Eichenlaub“ aus Jena hat am Mittwoch im NSU-Verfahren in München die baden-württembergische Vorsitzende des „Rings Nationaler Frauen“ (RNF) belastet. Edda Schmidt könnte mehr über den Verbleib von Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt nach dem Abtauchen 1998 gewusst haben, als sie bisher einräumt. Der Bruder des bekannten Jenaer Neonazis André Kapke hatte Anfang 2000 eine NPD-Schulung in der „Froschmühle“ bei Eisenberg in Thüringen besucht, die zum Thema „Interessengemeinschaft Brauchtum und Kultur“ insbesondere für junge Männer in Springerstiefeln abgehalten wurde. Anmelder war Ralf Wohlleben, als Referentin trat die einflussreiche NPD-Frau Schmidt auf. Über diese Veranstaltung hatte Verfassungsschutz-Spitzel Tino Brandt seinem Amt Bericht erstattet, aber Edda Schmidt eher beiläufig erwähnt (bnr). Dazu ein Hintergrundbericht aus Bisingen, wo Edda Schmidt wohnt (Schwarzwälder Bote).

Volksverhetzung: Razzia bei Flüchtlingsheim-Gegner in Berlin

Im Internet soll der Mann gegen Asylbewerberheime gehetzt haben. Fünf Computer und zwei Smartphones ist er erstmal los. Razzia in Spandau! Am Donnerstagmorgen gegen 6 Uhr durchsuchten Staatsschutz und LKA die Wohnung eines 28-Jährigen im Falkenhagener Feld. Die Polizisten beschlagnahmten dabei fünf Computer und zwei Mobiltelefone als Beweismittel. Hintergrund: Im Internet soll der polizeilich bekannte Mann zu Straftaten gegen Flüchtlingsheime aufgerufen haben. Bezug habe der 28-Jährige dabei auf einen Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim genommen, schrieb im Netz: “Sehr gut gemacht. Weiter so. Alle Asylbewerberheime müssten brennen.” Der Staatsschutz ermittelt regelmäßig gegen Personen, die mit volksverhetzenden, beleidigenden oder bedrohenden Kommentaren gegen Flüchtlinge, Asylbewerberheime oder Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren, im Internet agitieren. Verfassern derartiger Hetztiraden drohen empfindliche Strafen (B.Z.Tagesspiegel).

Drei Jahre nach Mord an Burak: „Es tut weh, dass sie noch immer keine Spur haben“

Vor fast drei Jahren wurde Burak Bektas ermordet. Der junge Mann stand mit Freunden in Neukölln auf dem Gehweg, als ein Unbekannter ohne Vorwarnung das Feuer eröffnete. Bis heute sucht die Polizei den Täter. Oder auch nur ein Motiv. Es gibt keine Spur. Freunde und Familie vermuten einen rechtsextremen Anschlag. Die Anwälte der Familie erheben Vorwürfe, die Mutter hat noch immer Angst (rbb-online).

Göppingen / Stuttgart: Das große Schweigen im Neonazi-Prozess

Im Prozess gegen die „Autonomen Nationalisten Göppingen“ sollten am Donnerstag die ersten Zeugen befragt werden. Doch die zehn Männer schwiegen. Zu Beginn der Verhandlung hatten die Verteidiger des 34-jährigen Manuel M. aus Uhingen eine Erklärung abgegeben. Sie forderten „dringend“ die Aussetzung der Untersuchungshaft. Die mehrtägige Befragung der beiden Aussteiger Daniel R. und Stephan H. habe die Vorwürfe der Anklage nicht gestützt. Im Kern geht es darum, ob die Taten der inzwischen vom Innenministerium verbotenen Neonazi-Gruppe gemeinsam geplant und ausgeführt wurden – eine Voraussetzung für den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Über die Forderung ist noch nicht entschieden worden, Staatsanwältin Jeannine Kellner hat sie umgehend zurückgewiesen. Auch die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe kam am Donnerstag zu Wort. Sie ist zuständig für den 23-jährigen R. und bezweifelt, ob er sich vom rechten Gedankengut losgesagt hat (swp). 

Wormser Amtsgericht: Prozess gegen NDP-Mann wieder vertagt

Der Prozess gegen das NPD-Stadtratsmitglied Michael Weick wegen Volksverhetzung ist erneut vertagt worden. Der Gesundheitszustand des Angeklagten soll nun überprüft werden. Weick hatte auch am dritten Prozesstag angegeben, gesundheitliche Probleme zu haben. Insgesamt musste der Richter die Verhandlung drei Mal unterbrechen, weil Weick über Übelkeit und Schwindel klagte. Nun soll eine Amtsarzt den 21-Jährigen untersuchen und feststellen, ob er überhaupt verhandlungsfähig ist (swr).

Liebe Nutzer, mehr Respekt bitte!

Liebe Nutzer, wir bieten Ihnen unterschiedlichste Möglichkeiten, Ihre Meinung zu äußern, z.B. unter Artikeln bei MDR.DE, in unseren Foren und in den sozialen Medien. Wir sind sehr erfreut, dass Sie davon so rege Gebrauch machen und lebendig diskutieren. In der Regel erhalten wir respektvolle und umsichtige, scharfzüngige und sarkastische, humorvolle und bisweilen ironische Anmerkungen. Aber wir beobachten verstärkt, dass unsere Kommentarfunktion bei MDR.DE und auch auf Facebook für Hasstiraden, Beleidigungen, üble Nachrede und fremdenfeindliche Hetze missbraucht wird. All das verstößt gegen unsere Netiquette und deshalb veröffentlichen wir rechtswidrige, ehrverletzende und beleidigende Aussagen nicht. Doch heute machen wir eine Ausnahme! In dieser Bildergalerie sehen Sie nicht veröffentlichte Nutzerbeiträge (mdr.de). Wichtige Aktion!

„Fall bloß nicht in Ohnmacht, Motherfucker“: Rassismus in der Polizei von Ferguson

Episode für Episode zeigt das amerikanische Justizressort, wie allmächtig sich die weiße Polizeitruppe Fergusons fühlte, wie sie Schwarze schikanierte, Schwarze verhöhnte, bei Schwarzen abkassierte. In der US-amerikanischen Stadt hatte es 2014 nach der Erschießung eines Schwarzen nächtliche Krawallen gegeben (volksfreund.de).

Kolumne Freitext: Pegida ist kein Kochkurs und Kopenhagen nicht weit

Terror und Antisemitismus rücken immer näher. Wie lebt es sich als Jüdin in Berlin? Soll man womöglich der Einladung Netanjahus folgen? „Hast du Angst?“ Hat man mich in den letzten Tagen gefragt. „Hast du jetzt mehr Angst als früher? Versteckst du dich? Bleibst du mehr zu Hause? Holst du deine Kinder immer und überall ab?“ Ich habe trotzig geantwortet: „Nein! Ich habe keine Angst. Und du?“ Dann habe ich möglichst schnell das Thema gewechselt. Vielleicht hätte ich antworten sollen: „Ich will keine Angst haben. Und schon gar nicht, weil ich Jüdin bin. Ich will nicht, denn Angst essen Seele auf, das hat schon der olle Fassbinder gewusst.“ Ganz ehrlich, ganz im Vertrauen, ganz heimlich: Natürlich habe ich Angst. Aber jeder vernünftige Mensch hat jetzt Angst, ob Jude, Nichtjude oder Atheist. Wenn ein paar brutale, durchgeknallte orthodoxe Terroristen sich und andere in die Luft sprengen, ist das zum Fürchten (ZEIT online).

Pro NRW: Rechtspopulistentruppe mit Schlagseite

Die selbst ernannte Bürgerbewegung „pro NRW“ hat mit erheblichen Problemen in den eigenen Reihen zu kämpfen – zusätzlich macht ihr auch die neue Konkurrenz in Gestalt der AfD zu schaffen (bnr).

„Love Has No Labels“ Küssende Skelette werben für Toleranz und die freie Liebe

„Es sind die inneren Werte, die zählen“. Diesen Satz hört man oft, wenn es um die Liebe geht. Eine US-Organisation hat den Spruch neu interpretiert – und wirbt mit küssenden Skeletten für Toleranz (stern.de).

Mit dem Hashtag #Ichküsswenichwill gegen Homophobie

Es fing mit einem einzigen Tweet von zwei Frauen an. Darauf wurde ein Trending-Topic auf Twitter und immer mehr Twitter-NutzerInnen unter dem Hashtag #IchKüsseWenIchWill Statements und Fotos. Es fing mit einem einzigen Tweet an und daraus wurde ein Hype auf Twitter.  Die Twitter-Nutzerinnen @fnstrknd und @bdmrks Pasteten unter dem Hashtag #IchKüsseWenIchWill” einen Aufruf: “Lasst uns der Welt zeigen, dass es okay ist, zu küssen wen man will.“ Mit dieser Aktion wollten die beiden Frauen ein Zeichen setzen, dass es nicht drauf ankommt, wen man küsst – es egal ist, ob hetero, homo, bi, transgender, intersexuell, asexuell, queer. Der Hashtag wurde rasch zum Trending-Topic, immer mehr Twitter-NutzerInnen machen mit und setzen so ein deutliches Zeichen gegen Homophobie (thinkoutsideyourbox).

Autorin sprach in Nordhausen über die Frauendiskriminierung

Feminismus im Zeichen des Internets, Anne Wizorek wurde mit dem „Hashtag Aufschrei“ bekannt. Unzählige Twitter-Nutzerinnen verwendeten dieses Stichwort, um ihre Erlebnisse zum Thema Frauendiskriminierung auszutauschen. Über die Massen an Beiträgen war selbst Anne Wizorek überrascht. Im Buch „Weil ein Aufschrei nicht reicht“ beschrieb sie ihren Weg in den Feminismus. Nach ihrem Besuch bei Frank Plasbergs Talkshow „Hart, aber fair“ kam sie nach Nordhausen, um mit Interessierten über Geschlechtergerechtigkeit zu diskutieren. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Friedrich-Ebert-Stiftung (Thüringer Allgemeine).

Werberat bekommt mehr Beschwerden über sexistische Reklame

Beleidigend, sexistisch, gewaltverherrlichend: Bürger haben sich 2014 häufiger über Reklame beschwert. Der Deutsche Werberat verteilte 14 Rügen. Anzügliche Bilder, schlüpfrige Sprüche: Immer mehr Menschen wenden sich wegen frauenfeindlicher Anzeigen an den Deutschen Werberat. Im vergangenen Jahr kritisierten Verbraucher 198 Annoncen und Werbespots als sexistisch oder diskriminierend, im Vorjahr waren es noch 154, wie der Werberat am Donnerstag mitteilte. Insgesamt hatte das Selbstkontrollgremium der Werbebranche über 387 Beschwerden zu entscheiden. In knapp einem Drittel der Fälle (111) gaben die Experten der Kritik aus der Bevölkerung recht (WAZ).

Der tägliche Herrenwitz

Mit Macht kommt Verantwortung – die „Bild“-Zeitung nutzt ihren medialen Einfluss trotzdem viel zu oft für sexistische Berichterstattung. Es wäre Aufgabe der Medien, über sexuelle Gewalt gegen Frauen und ihre Ursachen aufzuklären, mit dem Ziel, diese zu beseitigen. Die „Bild“ bedient durch ihre Artikel über sexuelle Gewalt jedoch lediglich die Sensationslust ihrer Leserschaft. Besonders deutlich wird dies an dem bereits angesprochenen Artikel. Hier prangte über dem Beitrag zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz ein Dekolleté-Foto. Rechts daneben – „Das könnte Sie auch interessieren“: Die Wahl zum „Bild-Girl“ des Jahres, „DSDS – Diese Hotpants machten die Jury-Herren froh“ und „Lilly Becker über ihr Liebesleben – ‚Im Bett trage ich nix‘“. In einem weiteren Artikel mit dem Titel „Anklage gegen Sonnenbank-Spanner“ wird neben dem mutmaßlichen Täter auch ein Foto der nackten Geschädigten veröffentlicht. Die Beispiele zeigen: Einerseits berichtet die „Bild“ oft und in empörtem Ton über Fälle von sexueller Gewalt oder Belästigung. Andererseits ist auch diese Art der Berichterstattung fast immer sexistisch und voyeuristisch: Selbst wenn es um sexuelle Belästigung geht, greift „Bild“ bei der Bebilderung auf Brüste und nackte Frauen zurück – und offenbart so ihre Doppelstandards (The European).

Vom „Judenklub“ Bayern bis zum „Rattenball“ Leipzig: Struktureller Antisemitismus im Fußball

Mit Antisemitismus im Fußball von latenten Stereotypen bis zu aggressivem Hass gegen jüdische Vereine hat sich Fussball-gegen-Nazis.de bereits in der letzten Woche beschäftigt. Ein Aspekt wurde dabei bisher nicht behandelt: Der Vorwurf des strukturellen Antisemitismus in Bezug auf Kommerzialisierungskritik und die Debatte um „modernen Fußball“. Wir haben darüber mit Alex Feuerherdt gesprochen, der als freier Publizist u.a. zu verschiedenen Spielarten des Antisemitismus und zum Thema Fußball arbeitet (fgn).

Rot-Weiß Erfurt lädt Flüchtlinge zu Spiel gegen Wiesbaden ein

Gemeinsame Leidenschaft für den Sport überwindet Sprachbarrieren: Rot-Weiß Erfurt kann am Samstag beim Ligaspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden auch auf die Unterstützung von gut zwanzig Flüchtlingen aus der Scharnhorststraße bauen (TLZ).

 

Alle Artikel der Woche auf netz-gegen-nazis.de:

| Dresden mal anders: Demonstration für Flüchtlinge und Errichtung eines Protestcamps

| Chronik: Gewalt und Bedrohung durch Neonazis, Rassist_innen, Antisemit_innen – Februar 2015

| Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aktuell – Februar 2015

| Islamfeindlichkeit vs. Antimuslimischer Rassismus vs. Islamophobie: Was meint was?

| Aktuell: Beschwerde beim Presserat wegen Mopo24-Berichterstattung aufgrund von PI-News-Artikel

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hellersdorf

Chronik zu Angriffen und Hetze gegen Flüchtlinge 2014

Die rechtsextreme und rechtspopulistische Stimmungsmache gegen Flüchtlinge nimmt seit Beginn des Jahres – schließlich sind Wahlkampfzeiten – spürbar zu. Leider…

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