Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

1. Mai in Bonn Kurze Route und weniger Neonazis als erwartet

Von|
Nur wenige Gegendemonstrant*innen konnten ihren Protest direkt an die Nazis richten. (Quelle: ngn/o.w)

Eine Demo von zehn

Gleich 10 Demonstrationen und Kundgebungen veranstaltete die rechte Szene in Deutschland am 1. Mai. Nach gescheiterten Großdemos wie in Dresden im Februar sollte mit den dezentralen Aufmärschen im gesamten Bundesgebiet Blockadeversuche und staatlichen Repressionen aus dem Weg gegangen werden. Etwa 180 Neonazis versammelten sich in Bonn- Beuel um ihre rassistische, antisemitische und völkische Ideologie als angebliche „Kapitalismuskritik“ zu verkaufen. Das Bündnis „Bonn stellt sich quer“ hatte im Vorfeld zu Blockaden und Störungen des Aufmarsches von Rechtsaußen aufgerufen. Richtige Blockadeversuche entstanden leider nicht. Die beliebte Taktik der Polizei, die Nazis durch ein hermetisch abgeriegeltes Viertel laufen zu lassen, wurde auch dieses Mal gewählt. Ähnlich wie bei den letzten Aufmärschen der rechten Szene in Münster oder Dortmund konnten nur Anwohner*innen ihren  Protest direkt an die Nazis richten.

Die Route der Neonazis

Der geplante Weg der Neonazis war stark eingeschränkt. Das Verwaltungsgericht in Köln verkürzte die Route einen Tag vorher für die Neonazis. Die ver.di-Jugend hatte dankenswerterweise eine eigene Demonstration angemeldet, die die ursprüngliche Strecke der Rechten kreuzte. Die neue Route beschränkte sich auf eine Straße, die die Nazis brav einmal hoch und wieder runter laufen durften. Zahlreiche Anwohner*innen protestierten mit Schildern und Sprüchen kreativ gegen den braunen Aufzug. Auch wenn die Neonazis- mal wieder- im Nachhinhein die Demo als Erfolg verkaufen: Eine erfolgreiche, lange und kraftvolle Demonstration am 1. Mai sieht anders aus. Bekannte rechte Politprominenz war nicht wirklich vertreten. Der Hauptredner Thomas Wulff aus Hamburg griff als einzige bekannte Person zum Mikrofon. Daneben kamen noch zwei junge „Kameraden“ aus Pulheim und Dortmund zu Wort. Das Demopublikum beschränkte sich auf die Szene aus NRW. Eine bundesweite Mobilisierung fand nicht statt. Der Aufmarsch in Bonn war der einzige im Bundesland. Die Teilnehmerzahl mit etwa 180 Neonazis lag  unter den Erwartungen der Veranstalter*innen.

Mobilisierungsprobleme in der rechten Szene

Die schwache Teilnehmer*innenzahl der Demo in Bonn wird mit den Razzien und Gefängnisaufenthalten wichtiger Führungspersonen der rechten Szene zu tun haben.  Mitte März reagierte die Staatsanwaltschaft mit 24 Hausdurchsuchungen und 30 Festnahmen auf den militanten Aktionismus des “ Aktionsbüros Mittelrhein“. In dem militanten Zusammenschluss arbeiten NPD- Parteipolitiker*innen mit sogenannten „Freien Kameradschaften“ aus Köln, Aachen, Leverkusen und Wuppertal zusammen. Diese Razzien wirkten unmittelbar auf die Mobilisierungsfähigkeit der rechten Szene auf die Demo in Bonn aus. Neben Sven Skoda, einer der Organisatoren der Demo sitzen immer noch beliebte Redner wie Axel Reitz und Paul Breuer im Gefängnis. Obwohl der Aufmarschort von Dortmund nach Bonn verlegt wurde, mit der Hoffnung mehr Neonazis für die „rote Hochburg“ zu gewinnen, fanden weniger Neonazis als erwartet den Weg nach Bonn.

Mehr auf netz-gegen-nazis.de:

| So war der 1. Mai in Hof

| Sie können es nicht lassen: Wieder viele Nazi-Demos am 1. Mai

Weiterlesen

Onlineberatung gegen Rechtsextremismus „Für Menschen, die in Bedrängnis geraten sind“

Rechtsextremismus ist ein politisches Problem. Für Familien oder Freunde von Neonazis ist es aber oft genauso ein psychosoziales. Diese Erfahrung machte im ersten Jahr ihres Bestehens die „Onlineberatung gegen Rechtsextremismus“, die per Email oder im Chat hilft. Oft fällt es Betroffenen ohne sichtbares Gegenüber sogar leichter, sich unangenehme Sorgen von der Seele zu schreiben.

Von|
Unsere Partnerportale
Eine Plattform der