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„Nach den rechten Häusern sehen“ Immobilien der extrem rechten Szene in Thüringen

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Titelblatt "Nach den rechten Häusern sehen", Grafik (Quelle: MOBIT)

Nicht erst seit der Entdeckung der NSU-Terrorzelle gilt Thüringen als eines der vielen Nester der extrem rechten Szene Deutschlands. Wie in zahlreichen anderen Landstrichen versuchen Nazis auch hier ihre Strategie der kommunalen Verankerung: Sie wollen in den Gemeinden als ganz normale Bürgerinnen und Bürger akzeptiert werden, um die spätere Auseinandersetzung mit ihrer menschenfeindlichen Ideologie zu erschweren.

Ein wichtiger Teil dieser Verankerungsstrategie ist der Erwerb eigener Immobilien, durch den sie vor allem in ländlichen Strukturen versuchen, „normaler“ Teil der Nachbarschaft zu werden. Doch der Häuserkauf erfüllt noch ganz andere, wesentliche Zwecke: Denn die Rechtsextremen merken, dass es ihnen immer schwerer gemacht wird, öffentliche Räumlichkeiten für ihre Veranstaltungen anzumieten. Wird ihnen das nicht schon im Vorfeld verwehrt, besteht immer die Gefahr, dass etwa Rechtsrock-Konzerte in gemieteten Räumen wegen rassistischer oder hetzerischer Botschaften aufgelöst werden.

Feste Verankerung rechtsextremer Strukturen

Um diese Probleme zu umgehen, verlegen sich Rechtsextreme mehr und mehr darauf, eigene Immobilien zu kaufen. Hier können sie ungestört Parteitage, Schulungen, Rechtsrock-Konzerte und Brauchtumsfeste, aber auch private Feiern veranstalten. Die eigenen Räumlichkeiten haben dabei gleich zwei Vorteile: Zum einen können Neonazis in den privaten Häusern ihrer menschenverachtenden Gesinnung ungestört freien Lauf lassen – fernab jeglicher Kontrolle. Zum anderen werden mit diesen Häusern aber auch Orte geschaffen, in denen die extrem rechte Weltanschauung geformt und gefestigt wird.

Umso wichtiger ist die Aufklärung über diese rechtsextreme Strategie. In Thüringen, in dem die rechtsextreme Szene über mindestens neun Immobilien verfügt, hat MOBIT, die Mobile Beratung in Thüringen, Informationen über diese Häuser und ihre Nutzung gesammelt. Schon im Sommer vergangenen Jahres führte MOBIT eine Informationstour zu den Immobilien durch – dabei wurde deutlich, wie sehr Neonazi-Strukturen im ländlichen Raum bereits verankert sind. Nun hat die Beratungsstelle die Rechercheergebnisse auch noch in einer Broschüre zusammengestellt. Die Handreichung „Nach den rechten Häusern sehen: Immobilien der extrem rechten Szene in Thüringen“ kann entweder auf der Seite von MOBIT als PDF oder direkt am Ende dieses Artikels heruntergeladen werden.

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Thüringens Rechte Häuser

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MOBIT – Mobile Beratung in Thüringen

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„Brigade 8“ und „Midgards Wächter“ Neonazis im Rocker-Style

Vergangene Woche veröffentlichte der Verfassungsschutz Schleswig-Holstein seinen Jahresbericht für 2013. Eine zentrale Erkenntnis: Neonazis kopieren zunehmend Verhaltensweisen und Codes der Rocker-Szene. Bereits im vergangenen Jahr wiesen lokale Beratungsstellen und antifaschistische Recherchegruppen auf diesen Trend hin. So wird die neonazistische Bruderschaft „Brigade 8“ von Schleswig aus geleitet. Die Nazi-Rocker von „Midgards Wächter“ haben ihr Clubhaus im nordfriesischen Langenhorn. Den Neonazis liegt der martialische Rocker-Style und die strengen Hierarchien der Motorradclubs. Sie treiben die Vernetzung in Norddeutschland voran.

Von Oscar Winter

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