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Vorbilder – Sport und Politik vereint gegen Rechtsextremismus

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Ronny Blaschke (l.) leitete durch die Talkrunde mit (v.l.): Gerald Asamoah, Jan Fitschen und Marianne Buggenhagen. (Quelle: Netz gegen Nazis/mlat)

Von Marc Latsch

Für die Ausstellung „Vorbilder – Sport und Politik vereint gegen Rechtsextremismus“ haben die Fotografen Angelika und Bernd Kohlmeier  22 Paare aus Politiker*innen und Sportler*innen bei Gesprächen portraitiert. Die Schwarz-Weiß-Fotos wirken persönlich, die dargestellten „Vorbilder“ ganz nah – und verbleiben doch in der Ferne, weil die Gesprächsinhalte verborgen bleiben. Zur Eröffnung sind aber einige von ihnen gekommen, um ihre Gedanken zum Thema zu teilen.  

„Nirgendwo werden die Vorbilder so uneingeschränkt positiv gesehen wie im Sport. Es existiert eine milieuübergreifende Zustimmung“, sagt Journalist Ronny Blaschke, der als Moderator durch das Programm führte. Auf dieser Grundlage soll die Ausstellung ein Ansatz sein, bei dem sich Sport und Politik symbolisch verbinden, um gesellschaftspolitisches Engagement zu stärken. Rechtsextremismus, so machte Ronny Blaschke deutlich, ist weiter ein virulentes Problem in Deutschland – und keineswegs nur ein ostdeutsches. Zwar seien die 4,95 % der NPD bei den Sächsischen Landtagswahlen ein bedenklich hohes Ergebnis gewesen, in absoluten Zahlen hätten sich allerdings in Baden-Württemberg und Bayern zuletzt noch mehr Wähler für rechtsextreme Parteien entschieden. Auch wenn viele Menschen sich nicht als Rechtsextreme bezeichnen würden, tragen sie Teile der rechtsextremen Ideologie in sich. Wird diese dann in den Sport getragen, kehrt sich dessen integrative Funktion durch offenen Sexismus oder Antisemitismus oftmals in eine abgrenzende Wirkung.

„Wir Demokraten sind ein starkes Team und wir stehen für ein großes Ziel“

Angesichts dieser drohenden Gefahr betonte Bundespräsident Joachim Gauck die Bedeutung einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft: „Vielfalt begegnet und bereichert uns, es macht Freude, sich ihr zuzuwenden.“ Ein großes Problem für die Demokratie seien die Menschen, die sich bewusst außerhalb des demokratischen Konsenses stellten. Eine Gesellschaft werde nie frei von ihnen sein und gerade deswegen müssten Freiheit und Demokratie immer wieder neu errungen werden: „Wir Demokraten sind ein starkes Team und wir stehen für ein großes Ziel: Eine freie und offene Gesellschaft.“ Um diese Herausforderung zu meistern, ist eine verstärkte Prävention unerlässlich. Gerade im Fußball sollten hier Vereinsstrukturen gestärkt werden und die Verantwortlichen auf den Umgang mit Rechtsextremen vorbereitet werden.

„Bei uns gibt´s das nicht“

Die Vereine standen auch im Mittelpunkt des Redebeitrags von Bundesinnenminister Thomas de Maiziére. Seine These, dass Rechtsextremismus im Spitzenfußball kaum offen existiert, kann allerdings durchaus als fraglich bezeichnet werden. Erhöhte Aufmerksamkeit ist für de Maiziére vor allem im Bereich des Amateurfußballs von Nöten: „Sport ist eine gute Plattform für Zivilcourage und bürgerschaftliches Engagement. Allerdings ist er auch eine begehrte Plattform für die Demokratiefeinde.“ So führte er als abschreckendes Beispiel die Unterwanderungsfantasien der NPD und eine C-Jugend-Mannschaft auf, die mit der Trikotwerbung „Fit fürs Reich“ auflaufen wollte. Bedeutend sei vor allem die Arbeit vor Ort, die das Ministerium mit der Ausbildung von Demokratietrainer*innen unterstütze. Vereine müssen unterstützt werden, damit es nicht zu dem simplen Reflex der Problemleugnung komme („Bei uns gibt´s das nicht“). Die Ausstellung soll laut de Maiziére ein Denkanstoß sein. Auch die Fotografen Angelika und Bernd Kohlmeier wollen mit ihren Bildern vor allem die Menschen vor Ort erreichen: „Das Projekt ist als Wanderausstellung konzipiert. Die Idee ist, sie auch ins Fußballstadion zu bringen um Leute zu erreichen, die sich sonst nicht in eine museale Umgebung begeben.“

„Jeder hat seine Behinderung, meine sieht man.“

In einer Talkrunde ließ Ronny Blaschke schließlich auch beteiligte Sportler zu Wort kommen. Gerald Asamoah, Jan Fitschen und Marianne Buggenhagen berichteten aus ihrer aktiven Karriere und über ihren persönlichen Bezug zum Thema Rechtsextremismus. Die erfolgreiche Behindertensportlerin Buggenhagen, neunfache Goldmedaillengewinnerin bei Paralympics, wurde bereits selbst zur Zielscheibe. Im Zuge ihres Engagements gegen Rechtsextremismus wurde sie Opfer von Bedrohungen, sogar ihr Auto wurde in dieser Zeit demoliert. Ansonsten erfrischte sie die Runde mit Berichten mit offenen Kommentaren zu ihrer aktiven Karriere: „1994 wurde ich Sportlerin des Jahres. Alle wurden ins Sportstudio eingeladen, ich ins Gesundheitsmagazin. Das passiert heute nicht mehr.“ Genervt ist sie, wenn sie gelegentlich mit ihren 60 Jahren ob ihrer Behinderung noch wie ein Kind behandelt wird. „Jeder hat seine Behinderung, meine sieht man“, entgegnet sie anhand solcher Verhaltensweisen gerne.

„Zusammen sind wir stark“

Auch Gerald Asamoah ist als schwarzer Fußballspieler bereits Opfer von rechtsextremen Beschimpfungen geworden. Selbst nach der WM 2006, als die Nationalmannschaft für das „Sommermärchen“ gefeiert wurde, musste sich WM-Fahrer Asamoah mit diesen Anfeindungen auseinandersetzen. Auch enttäuscht war er damals von den Reaktionen einiger Kollegen, von denen er verbale Rückendeckung erwartet hatte: „Ich verlange von einem Team Unterstützung wenn ich angegriffen werde.“ Die Entwicklung in den letzten Jahren beurteilt der ehemalige Nationalspieler zwar durchaus als positiv, aber der Kampf hierfür sollte immer weiter gehen. Hierzu sieht er sich auch selbst verpflichtet: „Ich kann als Vorbild nur etwas verändern, wenn ich darüber rede.“ Keine negativen persönlichen Erfahrungen musste Langstreckenläufer Jan Fitschen erleiden. Dem Europameister von 2006 über 10000 Meter geht es vor allem darum seine eigenen positiven Erfahrungen zu teilen: „Wenn mehr Menschen so wie wir Sportler  in der Welt rumreisen könnten und überall Menschen kennenlernten, hätten wir diese Probleme nicht.“ Als langjähriges SPD-Mitglied machte er im letzten Jahr als Wahlkampfhelfer erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit von Sport und Politik. Eine Querverbindung, deren Potential von allen Rednern als enorm bezeichnet wurde, oder wie Buggenhagen es auf den Punkt brachte: „Sie sind eine Macht und wir sind eine Macht, zusammen sind wir stark!“

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