Skip to content

#3 Deutschland tut schon genug für Flüchtlinge!?

 

 

Tatsächlich hat Deutschland vor allem seit 2015 viele Flüchtlinge aufgenommen und sie oft auch als Schutzbedürftige anerkannt. Bund, Länder und Kommunen haben für einen Teil von ihnen erhebliche Integrationsanstrengungen unternommen, im gesamtgesellschaftlichen Interesse. Zehntausende Freiwillige leisten mit großem Einsatz praktische Unterstützung. Gleichzeitig hat die Regierung aber an vielen Stellen das Aufenthaltsrecht verschärft, die Hürden für eine Flüchtlingsanerkennung erhöht sowie die Abschiebungspraxis verschärft. So wurde etwa Ende 2016 nach 12-jährigem Moratorium mit Sammelabschiebungen von afghanischen Flüchtlingen ins Bürgerkriegsland begonnen.Seit Mai 2015 arbeiten Deutschland und die anderen EU-Staaten daran, Flüchtlinge, die in Europa Schutz suchen, in gefängnisartigen Lagern (sogenannten Hotspots) in Griechenland und Italien festzusetzen und ihre Weiterreise in zentraleuropäische Staaten zu verhindern.[i] In den überfüllten Hotspots herrschen teils katastrophale Bedingungen[ii] – gleichzeitig treibt Deutschland eine Neuauflage des europäischen Verteilungs- und Zuständigkeitssystems Dublin[iii] mit voran, die die EU-Staaten an den Außengrenzen künftig noch stärker in die Pflicht nimmt.Seit dem EU-Türkei-Deal im März 2016, der maßgeblich auf deutsche Initiative hin abgeschlossen wurde, macht die Türkei ihre Grenzen weitgehend dicht. Wer es dennoch nach Griechenland schafft, läuft Gefahr, ohne Prüfung der Asylgründe in die Türkei abgeschoben zu werden. Deutschland und die EU planen Abkommen mit weiteren Drittstaaten, die Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa aufhalten und „zurücknehmen“ sollen.[iv] Dabei schrecken sie auch vor schmutzigen Deals nicht zurück, so etwa bei der geplanten Unterstützung der Polizei im heftig umkämpften Libyen, wo Misshandlungen und sogar Folter von Flüchtlingen dokumentiert sind. 

[i] EU-Kommission (2015): „Ein Hotspot-Konzept zur Steuerung außergewöhnlicher Migrationsströme(PDF-Dokument)“.

[ii] Human Rights Watch (Meldungen vom 02.06.2016 und 18.01.2017): „Griechenland: Flüchtlings-‚Hotspots‘ gefährlich und unhygienisch“ und „Griechenland: Flüchtlinge mit Behinderungen übersehen und unterversorgt“.

[iii] EU-Kommission: COM(2016) 270 final.

[iv] EU-Kommission: COM(2016) 385.

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Weiterlesen

210719_Trikot-Mockup-Quer

Trikots gegen rechte Gewalt Keine CURA-Werbung auf Berliner Trikots aus Rücksicht vor Neonazis?

Der Nordostdeutsche Fußballverband e.V. (NOFV) hat dem Fußballverein Tennis Borussia Berlin verboten, auf ihren Trikots für CURA zu werben, einen…

Von
2017-04-12-anetta

Debatte Die Krux mit der Meinungsfreiheit im Netz

Man möchte den Mond anbellen und auf einem Sandhaufen schlittschuhfahren! Ungefähr so fühlt es sich an, den Gesetzesentwurf des Bundesjustizministeriums…

Von
583042475

Kommentar Entgrenzter Konservatismus

Die Bundesregierung knüpft Fördergelder für die Zivilgesellschaft zunehmend an politische Konformität. Durch Geheimdienstprüfungen und gezielte Mittelkürzungen gerät die Unabhängigkeit der politischen Bildung immer weiter unter Druck. Ein Gastkommentar von Tom Uhlig über einen Vertrauensbruch und seine Folgen.

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.