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Antisemitismus Haftbefehle nach Übergriff auf jüdische Schüler in Berlin

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Gesehen in Berlin 2007; Foto: H. Kulick

 

Einer der Schüler rettete sich in einen Bäckerladen. Nach einer Benachrichtigung durch Zeugen konnten die mutmaßlichen Angreifer noch am Tatort von der Polizei festgenommen werden. Gegen die beiden 27 und 31 Jahre alten Hauptverdächtigen hat die Polizei Untersuchungshaft wegen Volksverhetzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung beantragt, sagten ein Polizeisprecher.

Sowohl der Zentralrat der Juden in Deutschland als auch Klaus Wowereit, damals der Regierende Bürgermeister von Berlin, verurteilten in aller Schärfe den Übergriff. „Dieser ganz offensichtlich antisemitisch motivierte Angriff auf fünf Schüler der Jüdischen Oberschule ist unerträglich“, sagte Wowereit in einer Pressemitteilung. Das Zeugen, die umgehende Festnahme der mutmaßlichen Täter durch die Polizei ermöglicht hätten, sei ein Stück Zivilcourage, „wie wir sie im Kampf gegen den Antisemitismus in unserer Gesellschaft immer wieder fordern“, fügte er hinzu.

Die seinerzeitige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, erklärte, dass die Tat, noch dazu unter Zuhilfenahme eines Hundes, abscheulich sei und zeige, dass es eine hohe Gewaltbereitschaft auch unter inländischen Tätern in Deutschland gebe. Dass bei einzelnen Mitgliedern der Punkerszene ein hohes, antisemitisches Gewaltpotential vorhanden ist, sei zwar bekannt, aber dass man sich an Kindern vergreift, sei aber besonders verwerflich, so die Präsidentin weiter. Im Hinblick auf Gewalttaten von Jugendlichen forderte Knobloch ein „schlüssiges Gesamtkonzept“, dass aus gewaltloser Erziehung, flächendeckender Jugendarbeit und effizienter Strafverfolgung bestehen müsse. Es bleibe nun zu hoffen, dass über eine Verurteilung der Täter nicht Monate vergehen würden.

Laut Informationen des Berliner „Tagesspiegels“ stammen die beiden Täter „aus der Obdachlosenszene“. Florian F. sei bei der Polizei bereits bekannt. „Richtig überrascht hat mich dieser Vorfall nicht“, zitiert der Tagesspiegel den Rechtsextremismusexperten Toni Peters vom antifaschistischen Pressearchiv über die tatbeteiligung vermeintlicher Punks. Es gebe in der weitläufigen und unterschiedlichen Punkszene einen sehr kleinen Teil, der die Punkattitüde mit Diskriminierung verwechsele und politisch rechts eingestellt sei. „Solche Leute sind aber im übergroßen Teil der Punkszene sehr unbeliebt“, fügt Peters hinzu.

Die Jüdische Oberschule zeigte sich von dem Vorfall überrascht. An der Schule gehen besonders viele Schüler*innen zum Unterricht, die sich wegen antisemitischer Hänseleien an anderen Berliner Schulen extra dorthin ummelden ließen. Das Schulklima gilt als beispielhaft tolerant.

Maurice Reisinger

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf dem Portal „Mut gegen rechte Gewalt“ erschienen (2002-2022).

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