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Der alte Reflex

Von|

Von Johannes Baldauf

Am 31. Mai stürmten israelische Soldaten das Schiff Mavi Marmara, welches Teil der ?Ship-to-Gaza? Flotte war. Neun Aktivisten starben und es gab Verletzte auf beiden Seiten. Dass es zu diesem Zwischenfall kommen musste, war absehbar: Israel hatte angekündigt, die Schiffe aufzuhalten, sollten diese versuchen, die Seeblockade zu durchbrechen. Als das israelische Militär dann per Funk eine letzte Warnung aussprach und zur Umkehr aufforderte, wurde mit ?Geh zurück nach Auschwitz!? geantwortet.
Der Antisemitismus, der dieser Aussage innewohnt, hätte allein kaum die breite mediale Aufmerksamkeit erreicht. Aber es handelte sich bei der Flotte nach eigener Aussage um Friedensaktivisten, da passte so eine Aussage nicht ins Bild.

An Bord der ?Freedom-Flottille? war Inge Höger von der Linkspartei. Sie betont in Interviews stets den friedlichen Charakter der Hilfsflotte und die Notwendigkeit der Hilfsgüter, die man überbringen wollte. Ein Demonstrationsaufruf zum ?Aktionstag gegen die Gaza-Blockade? in Berlin, den Friedens- und MigrantInnenorganisationen und linke Gruppen, u.a. DIE LINKE.Neukölln, organisiert hatten, bezeichnete die israelische Militäraktion als ?Akt der Piraterie? und ?Kriegsverbrechen?.

Hier offenbaren sich Muster, die immer wieder im Nahostkonflikt auftauchen:
Steine gegen Panzer, Recht gegen Unrecht, Unterdrückte gegen Besatzer. Und nun auch: Friedensaktivisten gegen Spezialeinheiten. Die Sympathie ist reflexartig auf der Seite der Schwachen, bei den Steinen, dem Recht, den Unterdrückten und natürlich auch bei den Friedensaktivisten.
Gleiches passierte, als Israel im Januar 2009 in den Gazastreifen einmarschierte. Bilder von toten Kindern gingen durch die Presse, auf Demonstrationen wurde die Parole vom ?Kindermörder Israel? skandiert. Und wieder der Robin-Hood-Reflex: man steht auf der Seite der vermeintlich Schwachen.

Diesen Reflex wissen Hamas und ihre Sympathisanten geschickt auszunutzen und erreichen so eine immer stärkere Ablehnung israelischer Politik. Dass der Spruch vom ?Kindermörder Israel? eine alte antisemitische Referenz auf die Mär von kindermordenden Juden im Mittelalter ist, wissen die meisten Claqueure vermutlich nicht. Und so passierte es nun auch beim medialen Großereignis der ?Freedom Flottille?. Kaum war die Mavi Marmara aufgebracht, kam es zu weltweiten antiisraelischen Demonstrationen.

Dass der Nahostkonflikt ein asymmetrischer Konflikt ist, also ein Konflikt, in dem es militärisch betrachtet tatsächlich einen Starken und einen Schwachen gibt, macht die Sache nicht einfacher. Doch der vermeintlich Schwache ist die Hamas, eine Terrororganisation, welche Israel von der Landkarte fegen will.
Das gefunkte ?Geh zurück nach Auschwitz!? mag nicht Recht zum Bild eines Hilfskonvois voller Friedensaktivisten passen, zur Rhetorik der Hamas und anderer Antisemiten dagegen gut.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Friedensaktivisten nicht ganz so
friedlich waren, wie von Inge Höger beschrieben, aber der Schaden ist dennoch angerichtet: Israel ist der Aggressor, Israel tötet Friedensaktivisten. Da hilft es auch nicht, dass die Nachrichtenagentur Reuters schließlich ein Bild nachreicht, auf welchem man dann doch das Kampfmesser in der Hand des friedlichen Friedensaktivisten sieht.

Der Nahostkonflikt ist auch ein Kampf um Wörter. Wo Friedensaktivist drauf steht, ist nicht zwingend auch einer drin, sondern eben die türkische Organisation IHH, welche
Hauptorganisatorin der Flotte war und Querverbindungen zu terroristischen und zu dschihadistischen Bewegungen hat.

Die toten Friedensaktivisten wurden ? ganz in dschihadistischer Tradition ? zu Märtyrern ausgerufen. Vielleicht wollten einige von ihnen das auch tatsächlich sein. Vielleicht waren einige von ihnen aber auch ?echte? Friedensaktivisten, die der antiisraelischen Propaganda aufgesessen waren. Fest steht, das sie Opfer in einem Konflikt geworden sind, welcher immer wieder durch Antisemitismus angefeuert wird. Der islamische Antisemitismus hat nichts geringeres zum Ziel, als die Auslöschung Israels, die Vernichtung der Juden. Dass in diesem Kontext dann ein ?Geh zurück
nach Auschwitz!? gefunkt wird, ist nicht verwunderlich, speist sich der islamische Antisemitismus doch aus dem europäischen Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts.

Inge Höger, Annette Groth, Norman Paech, Noam Chomsky und Henning Mankell haben das bestimmt nicht so gemeint. Sicherlich würden sie empört jede Andeutung zurückweisen, die sie in die Nähe solcher Aussagen rückt. Aber dennoch machen sie sich zum Schutz- und Aushängeschild von Aktionen, deren Hintergrund sich auf antisemitische Politik bezieht. Damit legitimieren sie in der Öffentlichkeit die Positionen des islamischen Antisemitismus und schüren den Hass auf Israel.
Die Hamas hat sich übrigens geweigert, die von Israel freigegebenen Waren der ?Freedom Flottille? anzunehmen.

Mehr im Internet:
| Artikel auf Welt Online: Der islamistische Hintergrund der Gazaflotte

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