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Die Vandalen

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Die Vandalen dürften eine der ältesten Neonazigruppen in Berlin sein ? sie gründete sich schon 1982 in Ostberlin aus rechten Personen innerhalb der Berliner Heavy-Metal-Szene. Gründungsmitglieder sind unter anderem der Landser- Sänger Michael Regener und Jens K. Ersterer gilt seitdem als Chef der Gruppierung. Nach eigener Einschätzung sehen sich die Neonazis als Rocker. So verfügen sie über einen Club, kassieren Mitgliedsbeiträge und lassen Anwärter eine einjährige Probezeit durchlaufen. Auch vom Outfit her entsprechen sie Rockern, jedoch trennt sie von diesen, dass sie keine Motorräder besitzen.

Die Gruppe verfügte schon Mitte der 1980er Jahre zu guten Kontakten zu westdeutschen Neonazigruppen wie etwa zu der mittlerweile verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) und der „Wiking-Jugend“. Entsprechend dieser Kontinuität im neofaschistischen Lager wurden die Kontakte nach 1990 verbessert und ausgebaut – hierbei nahmen die Vandalen eine integrale Rolle bei dem Aufbau neonazistischer Strukturen in Berlin nach der Wende ein. So organisierten sie und beteiligten sie sich an so genannten Wehrsportlagern, nahmen am neonazistischen Heldengedenken in Halbe als geschlossener Block teil und rekrutierten durch ihr Clubhaus und gemeinschaftliches Auftreten rechts-anpolitisierte Jugendliche für die militante Neonaziszene.

In der Zeit der Wende entwickelte sich der Lichtenberger Judith-Auer-Club zum Treffpunkt der Vandalen. Dies erklärt auch die enge personelle und informelle Verbundenheit zu der bekannten Neonaziband Landser.

1994 wird die Militanz der Vandalen aufgrund eines Vorfalles sichtbar. Der Österreicher Peter Binder wird in diesem Jahr mit 13 Gewehren, 5 Pistolen und einer größeren Menge Sprengstoff an der tschechischen Grenze festgenommen. Im Verhör gab er an, Andreas C., ein Mitglied der Vandalen, in Hohenschönhausen besuchen zu wollen. Neben ausgeprägten Kontakten zu anderen Berliner Nazistrukturen, wie auch der NPD, dem mittlerweile verbotenen Blood & Honour – Netzwerk, diversen Freien Kameradschaften oder auch den Hammerskins verfügte und verfügt die Gruppe auch über Kontakte zu internationalen Neonazigruppen, wie etwa zur österreichischen und belgischen Gruppen und verschiedenen Neonazis aus ganz Europa, die teilweise die Räumlichkeiten der Vandalen in Berlin auch als Rückzugs- und Feierstätte nutzten.

Die Räumlichkeiten und die Infrastruktur der Vandalen wurden oft genutzt, um Neonaziveranstaltungen zu tragen oder den räumlichen Rahmen zu bieten. Am Freitag, den 24.07.1999 kam es im Berliner Stadtbezirk Weißensee zu einer polizeilichen Durchsuchung des Clubhauses in der Liebermannstraße, welches sich als langjähriger Treffpunkt der Vandalen herausstellte. Im Zuge der Durchsuchung wurden mehrere Personen festgenommen, unter anderem wegen des Tragens verfassungsfeindlicher Symbole. Zugegen waren auch zwei rechtsradikale Bands, die auf der Feier spielen sollten.

In Folge dieser Durchsuchung kam es zu einer breiten Medienkampagne gegen die Vandalen und das oben benannte Clubhaus in Weißensee. Endpunkt dieser Thematisierung war eine erfolgreiche Demonstration gegen die Vandalen und eine einhergehende, die Öffentlichkeit informierende Kampagne, durch verschiedene antifaschistische Gruppen. Letztendlich mussten die Vandalen das Clubhaus im Oktober 1999 verlassen, da es ihnen durch den Vermieter, die Elf Oil Deutschland GmbH, gekündigt wurde.

Das neue Clubhaus soll nach inoffiziellen Aussagen der Polizei im Bezirk Lichtenberg liegen. Im Jahr 2002 kam es zu einer erneuten Razzia durch die Polizei bei den Vandalen. In einem Marzahner Lokal „Eulenspiegel“ sollte das 20 jährige Bestehen der Vandalen gefeiert werden. Im Zuge der Durchsuchung durch die 300 Polizisten kam es zwar zu keinerlei Festnahmen, doch verstießen mehrere Personen gegen Gerichtsauflagen. Außerdem sollte es zu einem Auftritt der Neonazi-Band „Landser“ kommen. Unter den Gästen befanden sich Neonazis aus ganz Europa und sogar aus den USA und die gesamte neonazistische Prominenz aus Berlin, so zum Beispiel Oliver Schweigert und Jörg Hähnel. Im Zuge der Medienberichterstattung zu dieser Durchsuchung wurde Jean Rene Bauer als Anführer der Vandalen benannt. Durch die Durchsuchung wurde die Veranstaltung beendet.

Im Jahr 2002 kam es im Rahmen des Weissenseer Blumenfestes zu einem organisierten Angriff von Rechtsextremisten auf linke Festbesucher. Unter den Neonazis befanden sich auch Mitglieder der Vandalen. Bei mehreren Feiern von Neonazis in Lichtenberg im Jahr 2004 waren Mitglieder der Vandalen anwesend.

Dieser Text wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Kampagne „Nazis in den Parlamenten“ (NiP)
Erscheinungsdatum Frühjahr 2007

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