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Einstieg in den Ausstieg EXIT-Ausstellung in Braunschweig

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Auf der EXIT-Ausstellung an der TU Braunschweig bekommt der Besucher einen Einblick in den Ausstiegsprozess (Quelle: EXIT-Deutschland)

Bäume umgeben ein Feld, das von einer weißen Schneedecke zugedeckt ist.  Mehrfach ist diese Szene zu sehen, aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Die Landschaft wirkt zunächst beruhigend, keine Menschenseele ist zu entdecken. Aber strahlt sie auch etwas Bedrohliches, Isoliertes aus. Auf drei Fotos kann der Betrachter sich mit der Aussage dieser Aufnahmen auseinandersetzen, die zwischen einzelnen Worten und Satzteilen in verschiedenen Größen abgebildet sind. „Probleme“ steht dort etwa. Der Begriff „ZUKUNFTsängste“ springt einem entgegen. Je länger sich der Besucher in die Bilderreihe mit Text vertieft, desto komplexer und unsortierter erscheint die Aussage. So wird die Komplexität des Ausstiegsprozesses visualisiert, den die Austeiger*innenn durchleben. Aus dem Projekt „Lebensbilder“ der Aussteigerinitative „EXIT Deutschland“ ist in Kooperation mit der TU Braunschweig die Ausstellung , die die Ausstellung „Exit. Bilder und Texte von Rechtsextremen im Ausstieg“ entstanden, bei der Fotografien und Texte von sechs Aussteiger*innen von Student*innen neu interpretiert wurden. Das Projekt „Lebensbilder“ hat die persönliche Reflexion der Aussteiger*innen gefördert. Mit Einweg-Kameras ausgerüstet haben sie Fotos gemacht, die die Probleme des Ausstiegs für sie darstellen, und dadurch die Auseinandersetzung mit dem komplexen Vorgang ermöglichen. Anschließend haben die Aussteiger*innen Texte zu den Fotos verfasst.

Zu der Ausstellung kam es, nachdem sich Student*innen des Instituts für Erziehungswissenschaften der TU unter der Leitung von Dr. Ulrike Pilarczyk mit den Bildreihen aus „Lebensbilder“ beschäftigten. „Die wissenschaftliche Grundlage der Universität war die seriell-ikonografische Fotoanalyse“, erklärt Fabian Wichmann von EXIT. Dabei geht es vor allem um die Methodik, mit der Bilder interpretiert und dargestellt werden. Doch die Student*innen haben sich auch thematisch und inhaltlich mit den Bildern auseinandergesetzt. „Die Ausstellung sollte in ihrer Endfassung dem Zuschauer einen Einblick in diese Ausstiegsprozesse geben und gleichzeitig zeigen, inwiefern man über die Bilder in Lebenswelten der Aussteiger*innen schauen kann“, meint Wichmann. 

„Die Darstellung ist intensiver“

Bei der neuen Interpretation der Bildreihen durch die Student*innen sind die Fotos und Texte geblieben. Die Auseinandersetzung konzentrierte sich auf die Darstellung, so Wichmann. Beispielweise werden Textpassagen herausgehoben, die Fotos werden neu arrangiert, oder das Verhältnis von Text zu Bild wird neu gestaltet. Die Student*innen setzen dadurch neue Schwerpunkte, die die Perspektive der Aussteiger*innen vertieft vermitteln sollen. Gleichzeitig sind die neuen Darstellungen auch ein Resultat aus der individuellen Auseinandersetzung der Student*innen mit den zentralen Themen und Motiven der jeweiligen Aussteiger*innen. Die Ausstellung zeigt anschaulich, wie unterschiedlich, widersprüchlich und spannungsreich der Ausstiegsprozess sein kann. 

Die Zukunft ist für diesen Aussteiger stark geprägt von der Vergangenheit

Getroffen haben sich die Student*innen und die Aussteiger*innen noch nicht. Es soll aber im Ausstellungsverlauf eine Veranstaltung mit einem der Aussteiger in Braunschweig geben. Aber auch so sei der Prozess für alle Beteiligten sehr spannend gewesen, die Student*innen hätten teilweise ohne Kontextualisierung Parallelen entdeckt und eigene Bezüge zu den Fotos und Texten hergestellt. Hinzu kommt, dass sich die Student*innen aus den vielen Fotos von „Lebensbilder“ diejenigen heraussuchen konnten, bei denen ihrer Meinung nach die Problematik am besten zum Vorschein kommt.

Bis zum Ende dieses Jahres kann man die Ausstellung an der TU Braunschweig noch besuchen. Danach soll die Ausstellung eine Wanderausstellung werden. Das Projekt „Lebensbilder“ wird ebenfalls weitergeführt, auch um die Methodik für die Sozialarbeit weiter zu verfestigen. Bei den Aussteiger*innen und Student*innen scheint sie sich schon bewahrheitet zu haben, „insgesamt hat man durch die Seminare und die Ausstellung viel mitnehmen können“, meint Wichmann. In jedem Ausstieg steckt auch ein bisschen Einstieg.

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