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In eigener Sache Ein Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung

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Screenshot des Artikels, um den es geht, auf www.sueddeutsche.de (Quelle: Screenshot sueddeutsche.de)

 

Hallo Herr Boie,

ich möchte gern zu Ihrem Artikel „Facebook – Befehl vom Olymp“* Stellung nehmen. Ahnen Sie, warum? Ich bin Chefredakteurin von Belltower.news und bei der Amadeu Antonio Stiftung die Verantwortliche für unsere Aktivitäten im Bereich Social Media. So auch für die Kooperation mit Facebook. Viele Ihrer Kollegen und Kolleginnen anderer und auch ihres Mediums haben es bisher geschafft, sich an uns oder auch konkret an mich zu wenden, wenn sie Fragen zu dieser Kooperation hatten oder haben. Alle Telefonnummern und E-Mails stehen offen auf unserer Website. Und wissen Sie was? Ich beantworte die Fragen sogar gern. Anders, als Sie in ihrem Artikel öffentlich mutmaßen, mögen wir nämlich Transparenz. Dann hätten Sie mich auch fragen können, ob wir wirklich finden, AfD-Wähler sollten ihre Meinung nicht mehr frei äußern dürfen. Das finden wir nämlich gar nicht. Haben wir auch noch nie irgendwo geschrieben. Wenn wir Menschen im Umgang empfehlen, rassistische, islamfeindliche oder antisemitische Meinungen nicht unwidersprochen stehen zu lassen (ob von AfD-Wählern oder von Wählern anderer Parteien), heißt das nicht, dass sie nicht geäußert werden dürfen. Ob sie das dürfen, regelt das Strafrecht. Wenn sie Beleidigungen, Volksverhetzungen oder Holocaustleugnungen sind, dürfen sie es nicht. Alles andere wird an diversen Stellen und auch bei Facebook in vielfacher Zahl veröffentlicht – widersprechen darf man aber, das ist ja das Schöne an der Demokratie. Genauso wie Facebook als Privatunternehmen Regeln für diejenigen aufstellen darf, die ihren Dienst nutzen.

Leider haben Sie mich zu all diesen Punkten nicht gefragt, was ich als Teil einer journalistischen Sorgfaltspflicht durchaus professionell gefunden hätte.

Sie haben auch nicht unsere Stiftungsvorsitzende Anetta Kahane befragt, die sie in der Diktion rechtspopulistischer Hetzblogs darstellen – warum, das wissen nur Sie allein (vergleichen Sie bitte hier).

Dazu verbreiten Sie falsche Behauptungen, wir als Stiftung würden direkten Einfluss auf Kriterien bei Facebook nehmen. Ich kann Sie beruhigen: Das ist gar nicht so. Ein privates Wirtschaftsunternehmen wie Facebook trifft seine eigenen Entscheidungen – oft übrigens auch diverse, zu denen wir bestimmt ganz andere Dinge empfohlen hätten oder haben. Trotzdem arbeiten wir gern weiter mit Facebook zusammen. Weil wir daran glauben, dass man im Meinungsaustausch etwas Gutes erreichen kann. Zum Beispiel ein Soziales Netzwerk, das Minderheiten bestmöglich vor Online-Bedrohungen und Angriffen schützt, damit diese angstfrei an der digitalen Öffentlichkeit teilnehmen können. Das ist auch gar nicht bedrohlich für die Meinungsfreiheit – es sei denn, man selbst greift gern andere an.

In diesem Sinne: Es ist schön, dass Sie Fragen haben – das gehört für einen Journalisten ja auch zum Handwerk. Wenn es um unsere Arbeit geht, beantworten wir sie gern. Kontaktieren Sie uns! Lesen Sie unsere Publikationen oder Websites, bevor Sie über uns schreiben. Das entspräche dann auch der journalistischen Qualität, die ich von der Süddeutschen Zeitung erwarte.

Mit den besten Grüßen,

Simone RafaelChefredakteurin netz-gegen-nazis.de 

P.S. Ich werde diesen Leserbrief auch auf Belltower.news veröffentlichen. Wenn Sie mir antworten, würde ich eine Antwort nicht ohne Rücksprache veröffentlichen.

 

* Titel wurde online geändert am 13.05.2016 in „Was gesagt werden darf, entscheidet Facebook“; Originaltitel noch in der URL. 

Es gab eine Antwort, die ich aber nicht veröffentlichen soll, was ich respektiere. 

Mehr auf netz-gegen-nazis.de: 

Wie funktionieren rechtspopulistische und rechtsextreme Rufmord-Kampagnen? 

 

Ergänzung 20.06.2016 

Vom Justitiar der Süddeutschen Zeitung erhielten wir die Klarstellung:

„Die Schilderungen der Dienstleistung Ihrer Mandantschaft [der Amadeu Antonio Stiftung] für Facebook sollten sich nicht auf etwaige Ermächtigungen beziehen, wonach sie das Gespräch anderer auf Facebook unterbrechen, löschen, steuern und /oder befreien kann.“

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Allein auf weiter Flur? Erfahrungen in deutschen Presseforen

Viele Medien bieten auf ihren Internetseiten Foren, in denen über die Artikel diskutiert werden kann. In nicht wenigen Debatten melden sich dabei Neonazis zu Wort, werden rechtsextreme Argumente munter gepostet und Hassreden verbreitet. Glücklicherweise bleiben diese nicht unwidersprochen. Doch Userinnen und User bekommen dabei nur wenig Unterstützung von der jeweiligen Forenmoderation.

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