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Kampagne des EBO gefährdet deutsch-polnische Beziehungen

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Sticker-Kampagne des Eigentümerbundes Ost e.V. in der Berliner S-Bahn aufgenommen

Vertriebenen-Verbände: heimatverbunden oder fremdenfeindlich?

Auf Bundes-  wie auf regionaler Ebene bestehen Initiativen, die sich als Interessenvertretung von „Vertriebenen“ und ihren Nachfahren begreifen und Eigentums- und Vermögensansprüche richterlich durchsetzen wollen. Der Eigentümerbund Ost (EBO) e. V. vertritt beispielsweise laut Webpräsenz die Interessen „ostdeutscher Grundeigentümer und Erben, deren Besitz nach dem Zweiten Weltkrieg von Polen und Tschechen konfisziert wurde“. Seine Hauptaufgabe sieht der in Berlin ansässige Verein in der „juristischen Verwirklichung der Eigentümeransprüche der Heimatvertriebenen und deren Nachfahren“. Mit diesem Anliegen verknüpft der EBO eine Reihe an Zielen, unter anderem die Einführung „zweisprachiger Ortstafeln in allen Ortschaften Schlesiens, Ostpreußens, Pommerns und im Sudetenland“. Dass diese Gebiete heute offiziell nicht mehr bestehen, bzw. ihre Namen im Polnischen, Tschechischen und Russischen andere Regionen bezeichnen, als vor dem Zweiten Weltkrieg, wird bei dieser Aussage nicht berücksichtigt.

Sticker-Kampagne des Eigentümerbundes Ost e.V.

Seine Forderung nach zweisprachigen Ortstafeln kommuniziert der EBO seit Sommer 2012 durch eine Reihe von Werbeartikeln. Auf der Vereinswebseite und dem eigenen Facebook-Profil werden  Sticker, Tassen und T-Shirts „kostenlos“ oder „zu günstigen Preisen“ angeboten, die mit „zweisprachigen“ Ortsschildern bedruckt sind. Hier wird deutlich, wie sich der Eigentümerbund und seine Mitglieder die „Verwirklichung der Eigentumsansprüche der Heimatvertriebenen“ tatsächlich vorstellen: Während in der unteren Hälfte der heutige polnische, tschechische oder russische Ortsname rot durchgestrichen ist (z.B. Szczecin), zeigt die obere Hälfte den ehemaligen deutschen Städtenamen (in diesem Fall „Stettin“). So wird Wroclaw zu Breslau, Liberec zu Reichenberg und Kaliningrad zu Königsberg. Inwieweit diese Aufdrucke der juristischen Durchsetzung möglicher Eigentumsansprüche dienen, ist fraglich. Eindeutig ist hingegen, dass diese Kampagne den deutsch-polnischen Beziehungen schadet. Sie könnte auf polnischer Seite Ängste vor revisionistischen Absichten von Deutschen schüren, deren Geschichtsverständnis Polen als Täter und Deutsche als Opfer erscheinen lässt.  Zudem wirkt die Sticker-Kampagne sicherlich nicht allein auf die EBO-Mitglieder, sondern erreicht ein breiteres Publikum, das sich mit der heutigen Westgrenze Polens im speziellen und den immer dichter werdenden Beziehungen zwischen Deutschland und Polen an eben dieser Grenze nicht abfinden mag.

Screenshot einer Facebook-Seite

Verkürztes Geschichtsverständnis und fehlende Anerkennung

Das Geschichtsverständnis des Eigentümerbundes, das sich u. a. in der Ortsschilder-Kampagne  und in Begriffen wie „Vertreiberstaaten“ und „Vertreibergebiete“ ausdrückt, ist offensichtlich stark verkürzt. Es berücksichtigt weder die historischen Zusammenhänge, die zu Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlungen zwischen Deutschland und Polen seit 1939 geführt haben, noch ermöglicht es den Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschen/Deutschland und Polen.

Abhilfe kann allein eine historische Kontextualisierung der „Vertreibung“ schaffen, in deren Rahmen die Vorgeschichte, Motive und Verantwortlichkeiten der Zwangsmigrationen benannt werden. Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung ist es sicherlich notwendig, das leidvolle Schicksal der „Vertriebenen“ innerhalb von Deutschland zu thematisieren und anzuerkennen. Die wichtigen, aber fragilen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen sollten mit der Vertriebenen-Thematik nicht weiter belastet werden.

Die Autorin Katja Wegner leitet als „perspektywaExpertin“ Seminare und Workshops zum Thema Polenfeindlichkeit und polenbezogene Ressentiments in Mecklenburg-Vorpommern für das Projekt perspektywa der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Mecklenburg-Vorpommern e. V.. Das Projekt wird in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung durchgeführt und durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ sowie die Freudenberg Stiftung gefördert.

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