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Kaufempfehlungen für den Nazi-Haushalt

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Auf dem weiße Einschlag prangt das Emblem ?Ein Herz für Deutschland? in des Nazis Lieblingsfarben schwarz-weiß-rot. Auch Rechtsextreme tragen eben die Liebe in sich. Um sie auszudrücken, hat die der ?Deutsche Stimme?-Versand der NPD eine Vielzahl mehr oder weniger abseitiger Produkte im Angebot.

Lektüre zur NS-Folklore

Auf den ersten Seiten werden die Highlights der Saison vorgestellt, die von der Jürgen Rieger-Biographie ?Anwalt für Deutschland? über ein Plakat der Kfz-Nummern der deutschen Wehrmacht bis zum ?Skandal-Buch? ?Sachsen 1945? reichen ? dass deshalb ein Skandal ist, weil es ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden im NPD-Verlag veröffentlichte. Die empfohlenen Bücher decken das ganze Spektrum der NS-Folklore ab. Der geneigte Neonazi kann sich in ?Von der Etsch bis an den Belt? an zweitausend Jahren deutscher Grenzverläufe erquicken oder in ?Die großen germanischen Führer? über die deutsche Geschichte ?informieren?. Und wenn das Geld für einen Familienurlaub nicht reicht, können sich die Neonazis für nur 19,95? die große, weite Welt nach Hause holen. ?Eine Reise durch die deutschen Kolonien ? Togo? lässt deutsche Kolonialherrschaftsgefühle wieder aufkommen und die Unterdrücker in einem guten Licht erscheinen.

Versammelte NS-Folklore für die Brust oder das Auto

Auch nackte Haut wird bei den Rechten gerne gesehen, solange sie dem Körperkult dient. So schreibt die ?Deutsche Stimme? über ?In Natur und Sonne – Sieg der Körperfreude?: ?Die besten Photos sind hier versammelt und spiegeln die Schönheit und Reinheit des nackten Menschenlebens – ob Mann oder Frau – und die Gesundheit starker Körper in idealisierten Posen wider. Ein Fest der Sinne!?

„Kritische Monographien“ zu Adolf H.

Eine ganze Seite widmet sich den ?kritischen Monographien zu Adolf Hitler?. Wie diese Kritik aussieht, lässt sich ganz gut an den Titeln der Bücher nachvollziehen. ?Der ?Mann des Jahrhunderts??, ?Ein anderer Hitler? oder ?Adolf Hitler, mein Jugendfreund? lesen sich die braunen Gedächtnisstützen. Die gesamte Bandbreite an historischen Umdeutungen hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, doch das Schema gleicht sich. Nostalgische Militärliteratur stehen neben Ausführungen über die ?deutschen Gebiete? Preußen, Schlesien und Sudetenland. Die gesamte deutsche Geschichte wird reingewaschen, die bekannten Gräueltaten sind Lügen, die von einer bestimmten Kraft (wahlweise Alliierte, Juden etc. einsetzen) gezielt gestreut wurden um das ?deutsche Volk? zu schwächen. Opa war sowieso kein Verbrecher.

An der Grenze zur Gesellschaftsfähigkeit

Interessanter als dieses altbekannte Gedankengut sind die Titel auf den folgenden Seiten. Rechtsextreme Globalisierungskritik geht mit antiamerikanischen und antiisraelischen Titeln Hand in Hand und auch Verschwörungstheorien werden nicht ausgespart. Neben Titeln aus dem Kopp-Verlag finden sich Bücher neu-rechter Persönlichkeiten wie Alain de Benoist, von Islamfeind Udo Ulfkotte, aber auch gesellschaftlich noch akzeptiertes Schriftgut von Erika Steinbach, oder auch Thilo Sarrazin. Letztlich nicht mehr überraschend ist, dass auch der ehemalige Linke Jürgen Elsässer in diesem obskuren Allerlei zu finden ist. Seine Bücher, in denen er gegen das ?amerikanische Finanzkapital? in Form von ?Heuschrecken? hetzt oder das islamistische und antisemitische Regime in ?Iran ? Fakten gegen westliche Propaganda? hetzt, passen nur zu gut ins rechte Weltbild. Freimaurer, Illuminaten, 9/11-Verschwörung oder Neue Weltordnung – zu allen Steckenpferden paranoider Verschwörungstheoretiker lassen sich bestellbare Lektüren im Katalog finden.

Weiterhin sind esoterische Themen wie Runenkunde und germanische Magie aufgeführt – die Paganisten unter den Rechtsextremen können sich also ebenfalls mit Veröffentlichungen eindecken. Nicht ohne Grund versucht die NPD Slogans wie ?Odin statt Jesus? oder das Symbol des vom Adler angegriffenen Fisches für sich zu besetzen. Esoterik und heidnische Brauchtümer gehören zum Weltbild dazu.

Da Neonazis nicht nur Rassisten sind, sondern sich auch als äußerst tierlieb und umweltfreundlich gerieren, gibt es auch zu diesen Themen einige Publikationen zu erwerben. Schon in der Zeit des Nationalsozialismus war Naturschutz ein wichtiges Schlagwort. Einerseits gegen Tierquälerei zu sein, andererseits etwa sechs Millionen Juden umzubringen war in deren Ideologie kein Widerspruch. Der Erhalt der deutschen Eiche und der ?paradiesischen deutschen Natur? galt als integraler Faktor im Fortbestehen des ?deutschen Volkes?. Nicht ohne Grund versuchen Neonazis immer wieder umweltpolitische Themen wie z.B. die Anti-Atomproteste für sich zu instrumentalisieren.

„Nationales“ Spielzeug für den Nachwuchs

Die Familie als Leitbild der völkischen Gesellschaft zu fördern, das will auch die ?Deutsche Stimme?. So können die völkischen Eltern ihre Kinder mit Teddybär ?Ferdinand? oder dem ?spannenden Würfelspiel Kletterfix? beschenken. Die Kinder erfreuen sich auch sicherlich an ?historischen Dekorationswaffen? wie Morgenstern und Streitaxt, die Papi oder Mami nach Hause bringt. Das nach antisemitischem Abbild geschaffene Räuchermännchen ?Kaufmann im Kaftan? wird für die richtige Atmosphäre im nationalen Wohnzimmer sorgen.

Letztlich lässt sich sagen, dass allein durch die Lektüre dieses Versandskataloges ein Bild der rassistischen, antisemitischen und diskriminierenden Ideologie der Neonazis gemacht werden kann. Vom Aufkleber ?Danke! 1939-1945? bis zum ?Schlüsselanhänger Stielhandgranate M24 aus Holz?, vom Met bis zum ?Kein Geld für USrael?-T-Shirt gibt es kaum rechtsextreme Produkte, die nicht durch die ?Deutsche Stimme? verkauft werden. Besser als mit diesem Katalog kann die NPD sich nicht als menschenfeindliche Partei entlarven.

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Rechtsextreme Frauen – die Gefahr in unserer Mitte

Im Sportverein betreuen sie unsere Kinder – bei den Kameraden hetzen sie gegen Ausländer. In der Schule kandidieren sie für den Elternbeirat – auf der Straße marschieren sie mit Neonazis. Rechtsextreme Frauen begegnen uns immer öfter dort, wo wir sie am wenigsten erwarten.

Von Kristina Maroldt

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