Weiter zum Inhalt

Olaf Sundermeyer Katastrophe, wenn sich Konfrontationen verschärfen

„Was macht aktuell unsere Debattenkultur kaputt?“Leider gibt es sehr viele Menschen, die nicht dazu in der Lage sind Positionen auszuhalten, die ihrer eigenen Meinung entgegenstehen.

 
Der Journalist und Autor Olaf Sundermeyer (Quelle: Ekko von Schwichow)

 

„Was würde helfen, sie wieder zu beleben?“Zunächst sollten wir uns im Klaren darüber sein, dass wir auf eine gesellschaftliche Katastrophe zusteuern, wenn wir den Zustand der Konfrontation weiter verschärfen. Das heißt nicht, dass wir nun all unsere Positionen gleichsam über den Haufen werfen sollten. Es heißt, dass wir uns die Mühe machen sollten, auch andere Positionen zu verstehen, um dialogfähig zu bleiben, und um die verlorene Streitkultur wieder zu beleben, die ein demokratisches Miteinander ausmacht.

 

„Was hat das Internet damit zu tun?“Zweierlei: Einerseits die Möglichkeit, anonym fast jeden jederzeit mit der eigenen Meinung konfrontieren zu können, über die sich ungeschützt Ablehnung und Hass entladen kann, der für den Absender folgenlos bleibt. Politische Gruppen sind damit im Netz fast unkontrolliert kampagnenfähig, wenn es darum geht Andersdenkende zu diffamieren. Zum anderen verstärkt der eigene Resonanzraum, der Widerhall in der eigenen Blase, die Abgrenzungswucht gegenüber denjenigen, deren Meinung ich nicht teile. Obwohl das Netz unbeschränkte Möglichkeiten zu Kommunikation und Debatte bietet, verstärkt es deshalb nach meiner Erfahrung eher die gesellschaftliche Spaltung, als dass es sie hilft zu überwinden. Das Ringen um Bestätigung für die eigenen Position wird im Netz umso stärker belohnt, je stärker die Abgrenzung, und damit leider oftmals auch die Abwertung, gegenüber anderen Gruppen erfolgt.

 

Olaf Sundermeyer ist ein deutscher Journalist und Autor mehrerer Bücher. Seine Stammredaktion ist der Rundfunk Berlin-Brandenburg. Hier widmet er sich besonders den Themen innere Sicherheit, Extremismus und dem Erstarkten des Populismus.

 

Alle Beiträge zum Thema Debattenkultur

 

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Weiterlesen

2016-04-27-jugendliche

So tickt Deutschlands Jugend 2016 Konformistisch, aber tolerant

„Die Jugendlichen wollen hart feiern und trotzdem gute Noten“ – so fasst Marc Calmbach, einer der Autor_innen der Sinus-Jugendstudie „Wie ticken Jugendliche 2016“, eine seiner zentralen Einsichten zusammen. Die meisten 14- bis 17-jährigen möchten sein wie alle anderen und „Mainstream“ gilt ihnen nicht als Schimpfwort. Wer jetzt denkt „Das ist kein Punk!“, der hat wahrscheinlich Recht. Aber was denken die Jugendlichen über die Themen Rechtsextremismus, Flucht und Asyl sowie die digitalen Medien?

Von
2017-05-10-anetta-1

Erstmal vor den Füßen kehren üben, als direkt den Dreck der ganzen Stadt nehmen

Zu den wohl ansteckendsten Übeln dieser Welt gehört die schlechte Laune. Sie braucht eigentlich keine Anlässe, weil es immer Dinge gibt, die einen grummeln lassen oder schlimmeres. Schauen wir uns um: Unsere Welt ist voller Ereignisse, die schlechte Laune provozieren. Terror, Feindseligkeiten, himmelschreiende Ignoranz, Rassismus und allenthalben Leid und Unglück. Wenn es mir schlecht geht und ich in eine Stimmung gerate, in der mir angesichts all dessen die Welt hoffnungslos erscheint, dann schaue ich auf einen Brief, den ich mir selbst geschrieben habe. Darin steht an erster Stelle: "Bitte, mach keine Haufen aus ungelösten Problemen. Schichte sie nicht so hoch auf, dass sie wie ein unerklimmbares Gebirge erscheinen." Nun ist es das Wesen der schlechten Laune, dass sie unbeeindruckt bleibt von solchen Tricks. Also kommt der zweite Punkt: "Schau näher hin. Viel näher. Wenn man sich schwach fühlt und die Straße kehren will, dann ist es besser vor den Füßen zu fegen, als an den Dreck der ganzen Stadt zu denken. Das kannst du machen, wenn du ungefähr weißt, wie es geht."
Von
tiktok-5064078

TikTok-Verbot in den USA? Was die Debatte für die Jugendarbeit bedeutet

Die Diskussion um ein Verbot veranschaulicht die Probleme im Umgang mit TikTok. Aber wie steht es tatsächlich um den Datenschutz und wo fehlt es an der nötigen Sachlichkeit?

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.