Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Rechtsextreme in der Rockerszene

Von|

Manche Rocker stört das nicht, andere sehen den Einstieg von Neonazis in die Rockerszene kritisch und gründeten schon in den 80er Jahren die „Biker gegen Rechts“. 1978 gründete sich zudem der Motorradclub „Kuhle Wampe“ der sich als politisch links versteht. Die damit verbundene eindeutige Ablehnung von rechtsextremen Tendenzen bleibt in der Rockerszene aber die Ausnahme. Die meisten Rocker definieren sich selbst als „unpolitisch“.

Konfrontationen zwischen Rockern und Neonazis gibt es jedoch selten. Einer der Gründe ist einfach: es geht ums Geschäft. Im Bereich Tattoo-Studios, Clubs und Musik sowie im Security-Gewerbe gibt es viel Geld zu verdienen, was Neonazis und Rocker gleichermaßen anzieht. Hinzu kommt, dass der gesamte (schlechte) Ruf der Rockerszene auf Rechtsextreme eine hohe Anziehungskraft ausübt. Die ähnlichen Wertevorstellungen zu Gewalt, Männlichkeitskult, Rockmusik und Sexismus, gemischt mit dem Lebensgefühl zu einer harten, verschworenen Gemeinschaft zu gehören, passt in das Weltbild der Neonazis.

So überrascht es nicht, dass beispielsweise in einem Klubhaus der Rockergruppe „Bandidos“ in Mannheim im Winter 2002 zwei Rechtsrock Konzerte mit einschlägig bekannten Neonazi-Bands stattfanden. Auch die rechtsextreme Hooligan-Band „Kategorie C“ aus Bremen gab in den letzten Jahren gerne Konzerte in den Klubhäusern von Rockergruppen wie den „Hells Angels“ oder „Gremium MC“. Die inzwischen verbotene Neonazi-„Kameradschaft“ „Skinheads Sächsische Schweiz“ konnte unter den Augen der Rocker des Dresdner „MC Gremium“ mehrere Veranstaltungen in deren Klub durchführen. Eine gefährliche Mischung, zumal das Gewaltpotential in der Rockerszene ungleich höher als in der Neonaziszene ist. Die Waffenfunde bei Razzien im Rockermilieu in den letzten Jahren stehen in keinem Vergleich zum terroristischen Potential von Neonazis.

Neonazi-Rockerklubs, wie beispielsweise die Berliner „Vandalen“ gibt es nur wenige. Diese 1982 gegründete Gruppe gab sich den Namen „Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft“ und hatte jahrelang ein Clubhaus im Bezirk Berlin-Weißensee. Noch zu DDR-Zeiten hatten sie Kontakte zu westdeutschen Neonazigruppen. Auch heute noch ist die Gruppe aktiv. Bekanntestes Mitglied ist Michael Regener, der Sänger der rechtsextremen Neonazi-Kultband „Landser“.

Zum Thema

| Rocker und Neonazis: Gefährliche Allianzen

| Nazis in der Rockerszene

| Die Nazirocker-Gruppe „Vandalen“

| Interview im Magazin Bikers News

Literatur

| Das Buch Rechtsextremismus und Rocker im Land Brandenburg von Dirk Wilking (Demos ? Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung)

Weiterlesen

Neue Rechte plant Tagung in Berlin

Medien und Politiker*innen reißen gezogene Linien zwischen Konservativen und Neurechten ein. Möchtegern-Elite und Internethetzer kommen sich näher. Verschwörungsideologen*innen und neurechte…

Von|
Unsere Partnerportale
Eine Plattform der