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Verurteilter Neonazi wegen Explosion an Hamburger S-Bahnhof festgenommen

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Der S-Bahnhof Veddel in Hamburg wurde am Sonntagabend gesperrt. (Quelle: dpa)

In der rechten Social-Media-Blase war sofort klar: ein weiterer Fall islamistischen Terrors in Deutschland. Mithilfe der üblichen Hashtags wurden auf Twitter Geflüchtete, Muslime oder wahlweise Kanzlerin Merkel  beschuldigt, für noch mehr Terror verantwortlich zu sein.

Recht schnell stellte sich aber heraus, dass der mutmaßliche Täter ein Deutscher war. Mittlerweile wurde Stephan K. verhaftet. Laut Medienberichten Mitglied der örtlichen „Trinkerszene“. Zum Motiv des Anschlags hat sich K. laut Polizeiangaben bisher noch nicht geäußert.

Stephan K. ist allerdings nicht nur Trinker. Er war zumindest  auch gewalttätiger Neonazi. Am 18. März 1992 wurde der 53-jährige Seemann Gustav Schneeclaus von einer Gruppe Skinheads in Buxtehude schwer misshandelt und starb wenige Tage später an seinen Verletzungen.

Schneeclaus war bereits angetrunken, als er am Busbahnhof der Stadt auf die ebenfalls betrunkene Skinhead-Gruppe traf. Er kam mit mit Stephan K. und dessen Kumpel Stefan S. ins Gespräch und erzählte über seine Zeit auf See. K. gab vor Gericht an, dass er sich von Schneeclaus provoziert fühlte. Der Seemann hatte Hitler als „großen Verbrecher“ bezeichnet, und im Gespräch erwähnt, dass Hitler kein Deutscher, sondern Österreicher gewesen sei. Die Neonazis schlugen auf Schneeclaus ein, bis er von der Bank fiel, und verschwanden dann mit einem Auto. Etwa 45 Minuten später kamen sie zurück.

K. trat Schneehaus mit seinen Stiefeln mehrmals ins Gesicht und schlug danach mit einem Kantholz auf den am Boden liegenden Mann ein. Danach feuerte er einen seiner Begleiter, Stefan S., mit den Worten „Mach ihn tot!“ an, bis der mit beiden Füßen auf den Kopf von Schneehaus sprang. Gustav Schneeclaus wurde mit Unterkühlungen, schwersten inneren Verletzungen, einem Schädelbruch, einem abgerissenen Halswirbel und vier gebrochenen Rippen ins Kreiskrankenhaus Stade eingeliefert. In der Nacht vom 21. auf den 22.03. starb er aufgrund der schweren Verletzungen an Herz-Kreislauf-Versagen.

Stephan K. wurde zu achteinhalb Jahren Gefängnis wegen Totschlags verurteilt. Er war damals 26. S. musste für sechseinhalb Jahre hinter Gitter.

Stefan S. war auch noch nach der Haftstrafe wichtiger Teil der Neonaziszene im Norden. Bis 2013 führte er unter anderem  „Streetwear Tostedt„, ein Laden im Landkreis Harburg, der als Treffpunkt der regionalen Neonazi-Szene galt. 2010 stand er in Celle vor Gericht, weil er mit einem Messer auf linke Demonstranten losgegangen sein soll. Ein Urteil gegen ihn wurde aber revidiert.

Nach Angaben der Polizei soll K. in den Jahren seit seiner Haftstrafe in die „Trinkerszene“ abgerutscht sein. Polizeibekannt war er allerdings immer wieder wegen Eigentumsdelikten. In der Neonaziszene spielt er, ebenfalls laut Polizeiangaben, keine Rolle mehr.

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