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"Identitäre" frustriert - Berlin blockiert

Groß hatte die rechtsextreme "Identitäre Bewegung" ihren Aufmarsch in Berlin angekündigt. 1.000 Teilnehmer_innen sollten zum Jubiläum des antistalinistischen Arbeiteraufstandes in der DDR am 17.06.2017 durch Berlin marschieren. Vom Gesundbrunnen in Berlin-Wedding wollten die Rechtsextremen durch Mitte laufen, am Hauptbahnhof sollte es eine Abschlusskundgebung geben. Doch Berlin machte der "patriotischen Jugend" einen Strich durch die Rechnung. Gerade mal 850 Meter konnten die etwa 600 "Identitären" laufen.

Von Stefan Lauer

Mehrere Bündnisse hatten angekündigt, den Aufmarsch zu blockieren und waren schließlich trotz 1.000 eingesetzter Polizist_innen erfolgreich. Berliner Medien berichten von 1400 bis 2000 Gegedemonstranten. Insgesamt drei Sitzblockaden wurden dabei von der Polizei geräumt, noch währenddessen brach Robert Timm, Chef der Berliner "Identitären", die Demonstration ab.

 

Demonstration der "Identitären" in Berlin am 17.06.2017

Trotz einem "All Star"-Aufgebot und enormem Medieninteresse lieferte die rechtsextreme "Jugendbewegung" nichts Neues. Martin Sellner, Chef der österreichischen "Identitären", und ein Vertreter des italienischen Ablegers baten unter anderem um Geld, um die menschenverachtende Blockade von Seenotrettern im Mittelmeer weiterzuführen. Und auch die immergleichen Märchen von der angeblichen Islamisierung, dem "großen Austausch" und den kriminellen, mordenden und vergewaltigenden Migrant_innen wurden wieder vom Lautsprecherwagen aus erzählt. Der wiederum soll eine freundliche Leihgabe des "Pegida"-Ablegers in Meißen gewesen sein.  Nicht die einzige, denn auch Pegida-Großmeister Lutz Bachmann war vor Ort, passenderweise permanent auf der Ladefläche des LKWs, allerdings ohne Redebeiträge.

Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich die selbsternannte "attraktive und offene Jugendbewegung"  dann auch gut durchsetzt mit älteren Semestern, die mit "Pegida"- und "Patriot"-Shirts versuchten, den rassistischen Nachwuchs zu unterstützen. Anwohner_innen, die direkt an der kurzen Demoroute aus Fenstern oder auf der Straße ihren Unmut gegenüber dem Aufmarsch kundtaten, wurden von Jung und Alt mit "Abschieben, abschieben"-Chören bedacht. Ein Rentner mit "Dresden zeigt wie's geht"-T-Shirt schrie einem der Beobachter entgegen, er solle doch gefälligst zurück in die Wüste gehen, aus der er herkäme.

Nach drei Stunden Warten in der Sonne hatte man sich offenbar bereits auf den Abbruch der Demo vorbereitet. Das Fronttransparent war schon nach hinten gewandert, als Timm den Aufmarsch abbrach. Die Demo drehte um und versuchte erfolglos durch die Polizeiabsperrungen zu brechen. Im Video unten sind dabei auch mehrere Vertreter der "Kontrakultur Halle" zu sehen, einer Gruppe, die als federführend innerhalb der "Identitären" in Deutschland gilt.

 

 

Begleitet von den Sprechchören der Gegendemonstranten wurde die rechtsextreme Reisegruppe, die vorher noch vollmundig "Berlin ist unsere Stadt" skandiert hatte, schließlich von der Polizei in die bereitstehenden S-Bahnen gesetzt.

In einem Facebookpost resümiert die "Bewegung" ihren Berlinabstecher als "erfolgreich". Nicht ganz nachvollziehbar sind offenbar eine funktionierende Blockade, mehr als doppelt soviele Gegendemonstranten und eine Demo die nicht mal die Strecke einer U-Bahnstation gelaufen ist, ein Beweis für das Scheitern der "Linksextremisten" – in der Sprache der "Identitären" offenbar  jeder, der nicht das eigene rassistische Weltbild teilt. 

 

Mitarbeit: Kira Ayyadi, Simone Rafael

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