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Die Lüge der fehlenden Dokumente

Beliebt bei Revisionisten ist das Argument, dass „die Quellenlage zu den Konzentrationslagern derart schlecht sei, dass man wirklich exakte Aussagen über die Lager nicht mehr machen kann.“

 

Diese Lüge greift die von vielen Historikern beklagte Vernichtung von Beweismaterial durch die SS-Wachmannschaften auf. In der Tat ist es richtig, dass die Täter versuchten Spuren ihrer grauenvollen Taten zu verwischen, bevor sie sich vor der Roten Armee zurückzogen.
Im Rahmen dieser Aktion wurden auch die Gaskammern und Krematorien von Auschwitz-Birkenau gesprengt. Tatsache ist aber auch, dass allein im Museum der Gedenkstätte Auschwitz fünf laufende Meter Akten über die Verwaltung des Lagers und mehr als fünfzehn laufende Meter Akten der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei erhalten geblieben sind.
Hier finden sich sogar Pläne und laufende Korrespondenz mit den am Bau der Krematorien und Gaskammern in Auschwitz-Birkenau beteiligten Firmen. Diese Dokumente sind im Museum der Gedenkstätte Auschwitz zugänglich. Der polnischen Wissenschaftlerin Danuta Czech ist es gelungen eine nahezu lückenlose Erfassung aller 1.689 Tage von Auschwitz vorzulegen. (Quelle: Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Ausschwitz-Birkenau 1939 bis 1945 Reinbek 1989)

In den Beständen des Museums findet sich auch eine Fotoserie, mit der die Täter selbst die Selektion von ungarischen Juden an der Rampe im Mai 1944 dokumentierten. (Der SS-Arzt und Obersturmbannführer Dr. med. Heinz Thilo ist auf den Bildern gut zu erkennen.) (Quelle: P. Hellmann (hg.) The Auschwitz-Album New York 1981)

Es ist logisch anzunehmen, dass die Täter, sofern sie überhaupt eine Auswahl getroffen haben, vor allem jene Akten vernichteten, die sie im besonderem Maße belasteten.
Wenn also die Vernichtung von Akten eine genaue Rekonstruktion des KZ-Lebens verhindert, so müssen wir eher annehmen, dass alles noch schlimmer war als durch die erhaltenen Dokumente belegt wird.
Außerdem gibt es die „stillen Zeugen von Auschwitz“? Berge von Haaren, Schuhen, Kleidung und Brillen ? in der ständigen Ausstellung in Auschwitz zu sehen.
Auch haben die Überlebenden der KZs eine Vielzahl von Zeugnissen abgelegt.
Die Namen Primo Levi, Heinz Rosenberg, Ruth Klüger, Jean Amery und die Sammlung von Augenzeugenberichten „The Surviver“ von Terence Des Pres seien als willkürliche Auswahl aus einer fast schon unüberschaubaren Fülle von Zeugnissen genannt.
Außerdem gibt es ungezählte Aussagen und schriftliche Belege von Täterseite.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „In Auschwitz wurde niemand vergast. 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt“ von Markus Tiedemann (Verlag an der Ruhr, Mülheim 1996)

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