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Chronik Gewalt und Bedrohung durch Neonazis, Rassist*innen, Antisemit*innen – April 2014

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Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Wenn etwas Wichtiges fehlt, bitte per Mail an netz@amadeu-antonio-stiftung.de.

03.04.2014: Attacke auf Schwarzen in Dessau

In Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) ist ein Schwarzer Opfer einer rassistischen Attacke geworden. Zwei betrunkene Männer hatten den 37-jährigen Mann im Dessauer Hauptbahnhof zunächst mit rassistischen Worten beleidigt, teilte die Staatsanwaltschaft Dessau mit. Ein 25-Jähriger habe dann versucht, den Afrikaner ins Gesicht zu schlagen. Dieser habe den Schlag aber abwehren können. Bundespolizisten nahmen den 25-Jährigen und einen weiteren 28-jährigen Mann nach dem Hinweis einer Zeugin fest (t-online-NewsLVZ).

05.04.2014 Berlin-Lichtenberg

Bei einer Schlägerei im Bahnhof wurde einem 27-Jährigen von einem mutmaßlichen Mitglied der rechten Szene ins Gesicht getreten. Auslöser war, dass der 27-Jährige auf dem Bahnhof von einem Neonazi angepöbelt wurde, ihm aber zu verstehen gab, dass er keine Lust auf eine Diskussion mit jemand aus der rechten Szene habe. Daraufhin trat ihm ein rechtsextremer Kumpel des ersten Nazis aus dem Stand ins Gesicht, so dass das Opfer schwere Verletzungen im Augenbereich erlitt (Tagesspiegel).

05.04.2014 Berlin-Wilmersdorf

Bei einer Messerattacke im Berliner U-Bahnhof Güntzelstraße wurde ein 51-Jähriger in der Nacht zum Sonntag ausländerfeindlich beleidigt, so die Polizei. Der Mann war mit einem 37- und einem 32-Jährigen in Streit geraten, dann von einem Messerstich in den Rücken getroffen worden. Alle drei Männer waren offenbar betrunken und wurden vorläufig festgenommen (B.Z.).

06.04.2014 Berlin-Tiergarten

Ein 29-Jähriger ist am frühen Sonntagmorgen in Tiergarten offenbar aufgrund seiner Hautfarbe beleidigt und dann geschlagen worden sein. Er saß gegen 4.30 Uhr mit einer Begleiterin in einem Imbiss an der Potsdamer Straße Ecke Lützowstraße, als sich ein Mann und eine Frau sich unaufgefordert dazu setzten und den 29-Jährigen zunächst verbal attackierten. Plötzlich bekam er einen Faustschlag ins Gesicht, außerdem ging einer der Angreifer mit einem Stuhl auf ihn los (Berliner Morgenpost)

06.04.2014, Berlin-Lichtenberg

Bei einer Schlägerei im Bahnhof wurde einem 27-Jährigen von einem mutmaßlichen Mitglied der rechten Szene ins Gesicht getreten. Auslöser war, dass der 27-Jährige auf dem Bahnhof von einem Neonazi angepöbelt wurde, ihm aber zu verstehen gab, dass er keine Lust auf eine Diskussion mit jemand aus der rechten Szene habe. Daraufhin trat ihm ein rechtsextremer Kumpel des ersten Nazis aus dem Stand ins Gesicht, so dass das Opfer schwere Verletzungen im Augenbereich erlitt (Tagesspiegel

07.04.2014, Dresden-Neustadt

Eine junge Frau beleidigte auf der Böhmischen Straße lautstark einen Rollstuhlfahrer wegen seiner Behinderung. Als eine Passantin sich einmischte um dem Rollstuhlfahrer zu helfen wurde sie ebenfalls beschimpft und vom Begleiter der jungen Frau bespuckt. Auch Bier wurde ihr über den Kopf gegossen (RAA Sachsen, Opferberatung)

08.04.2014, Hoyerswerda

Eine aus Syrien stammende Frau  wurde auf dem Weg zum Einkaufen aus einem fahrenden Auto heraus rassistisch beschimpft und bespuckt (Lausitzer Rundschau).

09.04.2014 Berlin-Friedrichshain

Am belebten S-Bahnhof Warschauer Straße ist am gestrigen Mittwochabend eine 21-Jährige aus Guinea von einer Frau rassistisch beleidigt, bespuckt und geschlagen worden. Die Täterin konnte unerkannt mit der S-Bahn flüchten (tagesspiegel.de)

12.04.2014: Hoyerswerda 

Eine aus Lybien stammende Frau wurde direkt vor dem Asylbewerberheim bedrängt. Die als „junge deutsche Männer“ beschriebenen Täter fuhren mit einem Fahrzeug über den Bürgersteig auf sie zu (RAA Sachsen-Opferberatung).

14.04.2014 Berlin-Neukölln

An einer Bushaltestelle in Gropiusstadt, einem Ortsteil von Neukölln, wurde am Montagmittag eine 25-Jährige Frau rassistisch angegangen. Der Täter beleidigte die Frau mit rassistischen Sprüchen und rempelte sie an. Der 54-Jährige wurde von der Polizei wegen Körperverletzung und Volksverhetzung festgenommen. Nun ermittelt der Staatsschutz (morgenpost.de).

19.04.2014 Hoyerswerda

Drei Monate nach dem Einzug der ersten Geflüchteten in die Unterkunft in Hoyerswerda ist es am vergangenen Wochenende zur ersten Attacke auf das Gebäude und seine Bewohner*innen gekommen.Dem inzwischen gefassten Tatverdächtigen wird Sachbeschädigung und versuchte schwere Körperverletzung vorgeworfen. In der Nacht zum Samstag, dem 19.04 verschaffte sich der Täter Zugang zum Gelände des Heims und schlug mit einem Hammer mehrmals gegen eine Fensterscheibe. In dem dahinterliegenden Wohnraum schliefen zu diesem Zeitpunkt sechs Menschen, verletzt wurde glücklicherweise niemand (Störungsmelder).

22.04.2014 Bautzen 

Unbekannte haben am späten Dienstagabend auf dem Parkplatz des früheren Praktiker-Baumarkts in Auritz eine größere Roma-Gruppe bedroht und beleidigt. Wie die Polizei mitteilte, hätten Deutsche die Angehörigen der Minderheit, die bis gestern vorübergehend auf dem Parkplatz ihr Lager aufgeschlagen hatten, unter anderem als Zigeuner beschimpft. Die Männer seien mit mehreren Autos vorgefahren und ebenso schnell wieder verschwunden. Die alarmierten Beamten führten anschließend im Stadtgebiet Fahrzeugkontrollen durch. Dabei nahmen sie die Daten von möglicherweise ins Geschehen involvierten Personen auf. Die Ermittlungen zu dem Vorfall, die noch am Anfang stehen, führt wegen des möglichen rechtsextremistischen Hintergrunds das Operative Abwehrzentrum des polizeilichen Staatsschutzes (Sächsische Zeitung).

24.04.2014, Schwetzingen

Der Tatort liegt entlang der Schwetzinger Bahngleise, am Wärterhäuschen des alten Ausbesserungswerks. Ein 18-Jähriger ist am 24.04.2014 gegen 20.30 Uhr auf dem Heimweg, als er von vier oder fünf Personen übel rassistisch beschimpft wird. Unvermittelt fallen sie über den jungen Mann mit türkischen Wurzeln her, schlagen und treten ihn – auch gegen den Kopf und den Hals. Nachdem die unbekannten Angreifer endlich von ihrem Opfer abgelassen haben, ergreifen sie die Flucht. Der 18-Jährige wird mit schweren Gesichtsverletzungen in die Heidelberger Kopfklinik gebracht und mehr als vier Stunden lang operiert. Ärzte stellen einen doppelten Kieferbruch fest. Der Rädelsführer soll einen Anstecker mit einem roten Hakenkreuz auf weißem Grund getragen haben (rnz.de).

25.04.2014 Berlin-Wilmersdorf

Ein 31-Jähriger Israeli war am Freitag in der Graefestraße vor seiner Wohnung von mehreren jungen Männern umringt und geschlagen worden. Das American Jewish Committee Berlin verurteilte die Tat. Ein 31-Jähriger war am Freitag in der Graefestraße vor seiner Wohnung von mehreren jungen Männern umringt und geschlagen worden. Bei den Tätern könnte es sich um Personen mit palästinensischem Migrationshintergrund handeln, bestätigte die Polizei. Das Opfer erlitt Gesichtsverletzungen, die in einer Klinik ambulant behandelt wurden (Berliner Morgenpost).

26.04.2014 Göttingen

Die Göttinger Polizei leitete nach einem Vorfall, bei dem in der Nacht zum Sonntag ein 31-jähriger Radfahrer mit einer Flasche beworfen wurde, gegen eine Gruppe von mutmaßlichen Neonazis ein umfangreiches Strafverfahren ein.  Die Polizei hat nach eigenen Angaben gegen die zwei Männer und drei Frauen Ermittlungen wegen Volksverhetzung, wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen. Der Passant war eigenen Angaben am späten Samstagabend gegen 23.50 Uhr im Bereich des Albaniplatzes aus der Gruppe heraus angepöbelt und mit einer Flasche beworfen worden, die ihn verfehlte. Der Göttinger alarmierte daraufhin sofort die Polizei. Die Täter*innen erwiesen sich als polizeibekannte „Straftäter rechts“ (HNA).

26.04.2014, Limbach-Oberfrohna

In Limbach-Oberfrohna haben sich am Sonntag nach einen rechtsextremen Übergriff Dutzende Angehörige der linken und rechten Szene geprügelt. Nach Angaben der Polizei waren bis zu 30 junge Männer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren beteiligt. Mindestens vier von ihnen wurden verletzt. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen hatte zunächst ein 26-Jähriger die Tür und die Fassade eines Hauses beschädigt, in dem die dem linken Spektrum zugerechnete Organisation „Soziale und Politische Bildungsvereinigung L.-O. e.V“ ihr Domizil hat. Dabei entstand ein Sachschaden von 1.500 Euro. Unmittelbar danach sind laut Polizei etwa 15 Menschen in eine nahe gelegene Straße gezogen, in der mutmaßliche Rechtsextreme Geburtstag feierten. Dort sei es dann zu der Schlägerei gekommen (mdr).

27.04.2014, Zabeltitz

Beim Zabeltitzer Frühlingsfeuer in der Nacht zum Sonntag griffen 10 bis 15 Nazis eine Gruppe jugendlicher Punks an. Mit der Ansage, dass „Zecken“ dort nichts zu suchen hätten, attackierten sie die Jugendlichen mit Schlägen, Tritten und auch Schlagwaffen. Einer der Betroffenen wurde mit einem Messer bedroht (RAA Sachsen – Opferberatung)

30.04.2014, Berlin

In der Nacht zu Mittwoch hatten zwei Männer versucht, die Sammelunterkunft für Flüchtlinge in der Salvador-Allende-Straße in Berlin-Köpenick in Brand zu setzen. Nach Polizeiangaben besprühten die beiden kurz vor 23 Uhr eine Notausgangstür aus Metall des Flüchtlingsheims mit einer Flüssigkeit und zündeten sie an. Einer der Täter zeigte dabei den Hitlergruß. Nach wenigen Minuten erloschen die Flammen von selbst. Kurze Zeit später nahm die Polizei einen 20-jährigen und einen 21-jährigen Mann als Tatverdächtige in der näheren Umgebung fest (StörungsmelderSpiegel online).

30.04.2014, Chemnitz

In Chemnitz wurden in der Nacht zum 30.04.2014 nach einer nächtlichen Auseinandersetzung mit einer Gruppe Spätaussiedler sechs mutmaßlich rechte Schläger festgenommen worden. Sie waren nach Polizeiangaben zusammen mit etwa neun weiteren Gleichgesinnten vermutlich nach einer Walpurgisfeier mit den Spätaussiedlern aneinandergeraten. Dabei habe es mehrere Leichtverletzte gegeben. Alle Beteiligten hätten unter Alkoholeinfluss gestanden. Da ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden könne, habe der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen, teilte die Polizei mit (mdr).

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Prozess gegen die „Gruppe Freital“ – Eine erste Bilanz

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen im Frühjahr 2015 gab es zwischen April und November 2015 in Freital 16 rechtsmotivierte Straftaten. Für einen Großteil der Angriffe soll die „Gruppe Freital“ verantwortlich sein. Im März 2017 startete in Dresden der Prozess gegen acht Angeklagte wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer rechtsterroristischen Vereinigung. Die Opferberatung, RAA Sachsen, zieht eine erste Bilanz.

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