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Cottbus Hotspot rassistischer Gewalt

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Das Milieu um die Hooligan-Gruppe „Inferno Cottbus" ist ein wesentlicher Machtfaktor für die örtliche rechte Szene. (Quelle: dpa)

 

Die Beratungsstelle „Opferperspektive“ hat für das Jahr 2016 221 rechte Angriffe in Brandenburg gezählt. Damit ist, wie bereits im Vorjahr (203 Vorfälle), ein weiterer trauriger Höchststand rechter Gewalt erreicht. Hauptbetroffene sind zumeist Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund. Besonders alarmierend: Ein Drittel der Betroffenen waren 18 Jahre oder jünger.

Mit 41 Vorfällen hat die Beratungsstelle seit Beginn ihrer Zählung 2002 noch nie so viele Angriffe an einem Ort erlebt wie 2016 in Cottbus. Und auch die Aussichten für 2017 lassen nichts Gutes erahnen. Wie konnte Cottbus zu einem derartigen Hotspot rechter Gewalt werden?

 

Wer sind die Täter und warum ist gerade Cottbus so eine Hochburg rassistischer Gewalt?

Innerhalb der Szene genießen die Rechtsextremen in Cottbus den Ruf, dass sie hier, im Gegensatz zu anderen Städten, alles im Griff hätten. Joschka Fröschner von „Opferperspektive“ erklärt in einem Gespräch mit Belltower.News, dass sich hier eine Art „rechte Erlebniswelt“ etabliert hat.

Eine Machtdemonstration erlebte die brandenburgische Stadt in der Nacht zum 14 Januar 2017, als sich etwa 120 vermummte Neonazis versammelten und mit Fackeln durch Cottbus zogen. Der Aufmarsch wurde professionell vorbereitet und schnell stand fest, dass diese Drohkulisse hauptsächlich von der rechten Fußballfanszene des FC Energie Cottbus inszeniert wurde. Dieses Milieu, vor allem um die Hooligan-Gruppe „Inferno Cottbus“, ist ein wesentlicher Machtfaktor für die örtliche rechte Szene.

 

„Inferno Cottbus“ hat sich freiwillige aufgelöst – friedlicher ist es allerdings nicht geworden

Im brandenburgischen Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2016 wurden „Inferno Cottbus“ und ihre Nachwuchs-Truppe „Unbequeme Jugend“ erstmals als Neonazi-Strukturen aufgeführt. Nach diesem Bericht und ausführlichen Recherchen der „Potsdamer Neusten Nachrichten“ und des rbb löste sich „Inferno“ nach 18-jährigem Bestehen auf – vermutlich, um einem Vereinsverbot zuvorzukommen.

Ein Ende der rechten Gewalttaten aus diesem Personenkreis ist allerding nicht abzusehen. Beobachter bezweifeln, dass die Gruppe ihre Aktivität dauerhaft einstellen wird und gehen eher davon aus, dass die rechten Schläger weiterhin ihre Dominanz innerhalb der Cottbusser Fußball-Szene und darüber hinaus ausüben werden. Das ist auch ein Grund, warum Joschka Fröschner befürchtet, dass die Zahlen rassistisch motivierter Angriffe in diesem Jahr ähnlich hoch bleiben werden wie schon 2016.

 

Rassistische Gewalt aus der Fußballszene

„Der Repressions-Druck innerhalb von Neonazi-Strukturen ist deutlich höher als in der Fußball- und Hooligan-Szene“, so Fröschner, „die Strukturen sind nicht so bindend wie in klassischen Neonazi-Kreisen. Die stärkste Konstante ist hier einfach der Fußball.“ Was jedoch ein einfaches und niederschwelliges Rekrutierungsfeld für die Rechtsextremen darstellt.

Fröschner berichtet darüber, dass die Personen um „Inferno“ innerhalb der Cottbusser Fanszene, aber auch darüber hinaus, eine rechte Bedrohungskulisse aufgebaut haben: „Es geht ihnen darum zu kontrollieren, was in der Stadt passiert.“ Generell sei die rechtsextreme Szene in Cottbus „unglaublich gewaltbereit und gewalterfahren“.

 

Weitere Akteure in der rechten Szene von Cottbus

Allerdings sind nicht nur „Inferno Cottbus“ und „Unbequeme Jugend“ Katalysatoren rassistischer Gewalt. Auch parteiferne Gruppen wie beispielsweise „Zukunft Heimat“, sind wichtige Akteure in dem rechten Cottbusser Milieu in dem sich neben Neonazis auch Rocker, Mitglieder der „Identitären Bewegung“,  Sicherheitsfirmen, Rechtsrock-Musiker (bsp.: „Frontalkraft“, „Hausmannskost“), rechte Mode- und Musiklabels (bsp.: „Rebel Records“) und Kampfsportler (bsp.: vom Kampfsport-Label „Black Legion“) tummeln. Aber auch Parteien wie die NPD und die AfD befeuern die aufgeheizte Stimmung gegen Geflüchtete und Menschen mit realem oder zugeschriebenem Migrationshintergrund.

 

Neonazis haben in Cottbus ein Klima der Angst geschaffen

All das trägt dazu bei, dass Migrant_innen sich in Cottbus nicht mehr angstfrei bewegen können, berichtet Joschka Fröschner. Dabei seien besonders Angriffe unterhalb der Gewaltschwelle, wie Beleidigungen und Provokationen, mittlerweile leider alltäglich.

Allerdings sind nicht nur Migrant_innnen der Gewalt der Rechtsextremen in Cottbus ausgesetzt, sondern auch linke Aktivist_innen. Auch für sie gibt es bestimmt Orte in der Stadt, die sie meiden, da es hier zu gefährlich für sie wäre.

 

Engagement gegen rechts

Allerdings gibt es in Cottbus auch zahlreiche engagierte Menschen, die dem braunen Spuk etwas entgegen bringen und auch Erfolge feiern. In vielen ländlichen und strukturschwachen Regionen Brandenburgs sieht das ganz anders aus. Eben weil es eine Gegenbewegung in Cottbus gibt, die den Machtanspruch der Neonazis in Frage stellt, agieren die Rechten gegen politische Gegner_innen besonders brutal. „Nazis haben zwar eine Sanktionsmacht in Cottbus, eine Deutungshoheit haben sie allerdings nicht.“

 

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