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Das sind die rechten Verlage auf der Leipziger Buchmesse

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Antaios-Verleger Kubitschek bei der Frankfurter Buchmesse im Gespräch mit dem Direktor der dortigen Messe. Werden sich solche Szenen in Leipzig wiederholen? (Quelle: AAS)

Nach den Vorfällen auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst 2017, bei denen es rund um Stand und Veranstaltungen des „neurechten“ Antaios Verlages zu Auseinandersetzungen zwischen Zivilgesellschaft und Mitgliedern der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ und anderen Unterstütz_erinnen aus dem rechtsextremen Umfeld kam, werden auch in Leipzig wieder Verlage und Zeitschriften aus dem extrem rechten Spektrum auftreten.

Antaios Verlag

Der „Verlag Antaios“ ist neben dem „Institut für Staatspolitik“ und der Zeitschrift „Sezession“ die dritte neurechte Institution in der Verantwortung von Götz Kubitschek. Gegründet wurde der Verlag im Jahr 2000 unter dem Namen „Edition Antaios“. 2012 folgte die Umbenennung zum jetzigen Namen. Nach eigenen Angaben auf der Website wurden bisher ungefähr 150 Bücher verlegt. Der Verlag sitzt in Schnellroda in Sachsen-Anhalt, wo sich auch das von Kubitschek gegründete „Institut für Staatspolitik“ befindet.

In der „Reihe kaplaken“  erscheinen Bücher, die sich in drei Themenbereiche zusammenfassen lassen. Der erste Bereich widmet sich aktuellen Themen, wie Gender oder Migration. Der Grundton ist, sich als Opfer der aktuellen Politik darzustellen und ein Bedrohungsszenario zu vermitteln. Dies spiegelt sich sowohl in den Titeln („Finis Germania“, „Linke Gewalt“), als auch in den Beschreibungen zu den Werken wider. So steht in der Beschreibung zu Martin Lichtmesz „Die Hierarchie der Opfer“, dass „Vergewaltigungsepidemien“ als Folge der Migrationspolitik in Kauf genommen wurden. Ellen Kositzas Buch „Gender ohne Ende“ behandelt laut Verlagsbeschreibung die Frage, was „nach vierzig Jahren Gleichheits-Feminismus“ und „Verweiblichung des Verhandlungs-, Erziehungs- und Führungsstils“ vom Mann übrig bleibt, außer „Familientrottel“, „Zahlvater“ und „Frauenversteher“.

Auch die „Identitären“ sind bei Antaios vertreten. Der Österreich-Chef der selbsternannten „Bewegung“, Martin Sellner, hatte schon in Frankfurt versucht, eines seiner Bücher zu präsentieren und wird auch in Leipzig wieder vor Ort sein. Diesmal mit „Defend Europe – Das Buch zur Kampagne„. Auch Caroline Sommerfeld-Lethen und Martin Semlitsch – der unter dem Pseudonym Martin Lichtmesz veröffentlicht – präsentieren ein gemeinsames Werk. Insgesamt plant der Antaios Verlag vier Veranstaltungen auf der Messe.

Compact

Compact ist ein „neurechtes“ Verschwörungsmagazin samt Verlag. Geleitet wird das alles von Chefredakteur Jürgen Elsässer, der über die Jahre und nach Stationen bei Junge Welt, Jungle World, konkret und Neues Deutschland, von links nach rechtsaußen gewandert ist.

Im Compact forderte er kürzlich erst die Freilassung von Beate Zschäpe. Elsässer gilt als Unterstützer des äußerstrechten Parteiflügels der AfD. Auf Fotos sieht man ihn Arm in Arm mit Björn Höcke und André Poggenburg beim Aschermittwochstreffen der AfD, bei dem Poggenburg über „Kameltreiber“ und „Vielweiberei“ schwadronierte.

Compact sind die wenigsten Thesen zu krude, um sie nicht doch noch zu veröffentlichen, im Heft herrscht der permanente Ausnahmezustand: Islamisierung! Volksverräter! Merkel muss Weg! Etc.!

Wichtig für Elsässer sind dabei immer Spenden. Kaum ein Artikel auf seinem Blog, auf der Website von Compact oder auch im Heft kommt ohne Aufforderung aus, doch bitte mindestens ein Abo abzuschließen, zu spenden oder doch wenigstens ein Buch aus dem hauseigenen Verlag zu kaufen.

Pünktlich zur Buchmesse hat Compact eine Sonderausgabe veröffentlicht, die ausschließlich Texte des wegen Volksverhetzung verurteilten Autors Akif Pirinçci enthält. Am Samstag soll sie auf der Messe vorgestellt werden. Am Sonntag kommt dann schließlich Compact mit Antaios zusammen. Elsässer empfängt Antaios-Verleger Götz Kubitschek zum Thema „Die Perspektive alternativer Medien in Deutschland“. Vermutetes Fazit: Nur mit großzügiger Spende an Herrn Elsässer kann es überhaupt irgendeine Zukunft geben.

Europa Terra Nostra (ETN) und Deutsche Stimme

ETN gibt nicht Bücvher heraus, sondern ist auch gleichzeitig eine rechtsextreme europäische Stiftung, die seit 2015 existiert. Vetreter extrem rechter Parteien aus ganz Europa haben sich zusammengeschlossen, darunter auch die NPD. Die „Deutsche Stimme“ ist passend dazu das Parteiorgan der vor der Bedeutungslosigkeit stehenden Rechtsextremen.

Auch am Stand der NPD sollen Veranstaltungen stattfinden. Zum Beispiel kann man am Samstag dort Udo Voigt treffen, der einzige NPD’ler im Europäischen Parlament. Der wegen Volkverhetzung verurteilte Voigt stellt ein Buch über seine „Arbeit“ im Parlament vor.

Was tun?

Das Aktionsbündnis „Verlage gegen Rechts“ besteht aus mehr als 70 Verlagen und 160 Einzelpersonen und setzt sich gegen „rassistisches, antifeministisches und homofeindliches Gedankengut“ ein.  Die Gruppe organisiert auf der Leipziger Buchmesse mehrere Veranstaltungen, die sich mit rechtsextremen Erzählungen und der Ideologie dahinter auseinandersetzen und versuchen so ein Gegengewicht zu schaffen.

Dabei wird über die sogenannte „Identitäre Bewegung“, „Meinungsfreiheit als Kampfbegriff“, die AfD in Ostdeutschland und viele andere Themen diskutiert. Vertreter_innen der Aktion sind dabei auch in der Nähe der rechten Verlage unterwegs und verteilen Informationen.
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Reichsbürger, Neonazis und Antisemiten Auch Ostermontag wieder Querfront-„Friedensdemos“

Am Ostermontag war es wieder so weit: Eine wilde Mischung aus Verschwörungstheoretiker*innen, Antisemit*innen und „Compact“-Prominenz traf sich in mehreren deutschen Städten zu Montagsdemonstrationen der „Friedensbewegung 2014“. Protestiert wurde unter anderem gegen tödliche Kondensstreifen und die Gleichschaltung der Medien. Auf der Berliner Kundgebung der „Verquerfront“ schaute auch NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke vorbei.

Die Kolleg*innen vom Störungsmelder haben sich das Phänomen genauer angeschaut. Ein Text von Roland Sieber

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