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Homophobie im Stadion

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Es ist ein beliebtes Gesprächsthema in hetero- wie homosexuellen Kreisen: Welcher Bundesligaprofi könnte wohl schwul sein? Bisher sind diese Gespräche auf Spekulationen angewiesen, und es spricht wenig dafür, dass sich das in nächster Zeit ändern wird. Denn die gewachsene gesellschaftliche Toleranz gegenüber Homosexualität ist ein Fortschritt, der im Fußball noch nicht angekommen ist: Bekennende Schwule können Fernsehsendungen moderieren, Bücher schreiben und Städte regieren, aber nicht Profifußball spielen. Auch im Frauenfußball, der diffamierend als ?Lesbensport? gilt, muss auf die erste offen lesbische Nationalspielerin noch gewartet werden. ?Schwul? wird in Fußballkreisen traditionell als ganz normales Schimpfwort verwendet, die Existenz eines vermeintlich ?weichen? und ?schwachen? homosexuellen Spielers im harten Profigeschäft als kaum möglich betrachtet. Auseinandersetzungen mit dem Thema Homophobie haben sowohl auf Seiten der Fans, als auch der Vereine oder Verbände wenn überhaupt, dann erst in jüngster Zeit eingesetzt, es dominiert eine Strategie der Vermeidung.

Schwule und Lesben im Fußball

Für die Männerwelt Fußball scheint es dringend wichtig zu sein, dass sie frei bleibt vom Verdacht der Homosexualität, dass Spieler und männliche Fans, die sich halbnackt in den Armen liegen, einander herzen oder trösten, schließlich sogar miteinander duschen oder sich mit Champagner übergießen, dies nur als Kumpel oder Teamkameraden tun. Ein bekennender Schwuler könnte diese Idylle stören. Nichtsdestotrotz sind natürlich auch im Fußball die statistischen Verhältnisse, nach denen etwa 10 Prozent der Bevölkerung bi- oder homosexuell sind, nicht völlig außer Kraft gesetzt. In einer viel beachteten Artikelserie beschäftigte sich das Fußball-Magazin RUND im Dezember 2006 mit diesem Thema. In einer großen Reportage wurde unter anderem über einen anonym bleibenden Bundesligaprofis berichtet, der sein belastendes Doppelleben und die Angst vor einem Zwangsouting schildert ? kein Einzelfall, wie die Recherchen der Redakteure ergeben.

Etwas anders liegt der Fall für Fußball spielende lesbische Frauen und Mädchen. Über viele Jahrzehnte gepflegte Vorurteile, dass Fußball dem weiblichen Körper schaden und ihn gar vermännlichen könne, führten zu Verboten und Benachteilungen von Frauen auf dem Platz. Fußball spielende Frauen, so eine beliebte Vorstellung, sind ?Mannsweiber? ? sprich: körperlich unattraktiv und nicht selten auch homosexuell. Aus dieser Stereotypisierung nach dem Motto ?Ihr seid doch eh alle Lesben? haben sich jedoch im Laufe der Zeit paradoxerweise Freiräume entwickelt: Kickende Frauen bleiben von so manchen Weiblichkeitsanforderungen verschont und auch der Umgang mit Homosexualität ist im Frauenfußball entspannter. Obwohl es keine offen lesbische Nationalspielerin gibt, ist der hohe Lesbenanteil in der Bundesliga allgemein bekannt und der Druck, ein Doppelleben zu führen, weniger hoch als bei den Männern. Hier spielt jedoch sicher auch die Tatsache eine Rolle, dass Frauenfußball weiterhin medial und ökonomisch ein Schattendasein fristet und Sensationslust bzw. Interesse daher einfach geringer sind als in der Bundesliga der Männer.

Einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung homosexueller Sportlerinnen und Sportler leistet die 1989 gegründete European Gay & Lesbian Sports Federation, kurz: EGLSF. Das europaweite Netzwerk mit Mitgliedern in 26 verschiedenen Ländern kämpft gegen Homophobie im Sport und unterstützt die Gründung homosexuelle Organisationen und Gruppierungen in diesem Bereich ? wie zum Beispiel der schwul-lesbischen Fußball-Fanklubs. Im Bereich Fußball gibt es zudem eine enge Zusammenarbeit mit FARE, die EGLSF ist einer der Partner des europaweiten Netzwerks gegen Rassismus im Fußball und organisierte 2006 u.a. einen Workshop gegen Homophobie auf der UEFA-Konferenz gegen Rassismus.

Regenbogenfahnen im Stadion

In Deutschland sind es bisher vor allem Fans gewesen, die auf das Thema Homosexualität und Fußball aufmerksam gemacht haben: 2002 stellte das Bündnis aktiver Fußballfans, BAFF, gemeinsam mit Vertretern von EGLSF, der European Gay and Lesbian Sports Federation, einen Katalog gegen Homophobie im Fußball vor. Im Rahmen der Aktionswoche 2006 des Netzwerks Fare, Football against Racims in Europe, veranstaltete die Schalker Faninitiative unter dem Motto ?Out auf Schalke? eine Posteraktion, die viele positive Reaktionen und die Bildung eines Regenbogen-Stammtisches nach sich zog. Ähnliche Vernetzungen homosexueller Fußballfans gibt es bereits in anderen Städten, derzeit sind mindestens sechs offizielle eingetragene schwullesbische Fanklubs in Deutschland aktiv, die auch mit Regenbogenfahnen im Stadion Flagge zeigen und sich auf ihre eigene Weise outen. Und auf den großen internationalen Sportfesten der schwullesbischen Community, den EuroGames und Gay Games, wird regelmäßig bewiesen, dass Homosexuelle alle möglichen ?harten? Sportarten ausüben können und wollen, zum Beispiel im Juli 2007 in Antwerpen.

Bis zu einer Selbstverständlichkeit im Umgang mit Homosexualität im Fußball ist es immer noch ein sehr weiter Weg, insbesondere Vereine und Verbände tun gut daran, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, um so bei Aktiven, Funktionären und Fans eine Sensibilität zu wecken. Wie das gehen kann, zeigte der Berliner Migrantenverein Türkyiemspor, der eine Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg begonnen hat. Daraus entstanden im Januar 2007 im Türkyiemspor-Vereinsheim in Kreuzberg eine Diskussionsrunde zu ?Homosexualität, Migrantencommunities und Fußball? und im Mai 2007 die ?schwullesbische Fankurve?, die beim Spiel zwischen Türkyiemspor und dem SV Babelsberg 03 ihre türkischen Freunde unterstützte. Vielleicht ja ein Vorbild auch für deutsche Klubs in unteren wie oberen Spielklassen.

Dieser Text wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Deutschen Sportjugend

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