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Im Herz des Shitstorms Wie die Forderung nach Asyl für Klimaflüchtlinge den Hass fließen lässt

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(Quelle: Screenshot Facebook)

Belltower.News: Wann ging es mit den Hassbotschaften los?

Ricarda Lang: Das ging alles ziemlich schnell. Auf der Facebookseite vom ZDF wurde am 3. August ein Sharepic mit einem Zitat von mir veröffentlicht. Die Forderung ging durch relativ viele Medien, was mich natürlich erstmal gefreut hat. Allerdings wurde ich dadurch auch zur Angriffsfläche für rechte Akteure. Ich habe in den letzten Tagen hunderte, wenn nicht gar tausende Hassbotschaften auf verschiedenen Kanälen bekommen. Mittlerweile sind unter diesem Bild auf Facebook über 2.500 Kommentare, ein großer Teil davon ist pure Hetze.

Wie geht es dir jetzt damit?

Also erstmal ist immer noch der Schock da. Ich war in der Vergangenheit auch schon häufiger Hass und Diskriminierung im Netz ausgesetzt und, gerade aber nicht nur wenn ich zu feministischen Themen schreibe. Irgendwann kommt immer der Punkt, an dem ich als Frau angegriffen werde. Auch wenn es eigentlich um Braunkohle geht. Aber jetzt gab es ganz neue Angstmomente. Leute haben zum Beispiel reihenweise in der Bundeszentrale angerufen. Ich solle abends aufpassen, wenn ich nach Hause gehe. Es gab bei mir auch einen kurzen Moment der Reue: Dass alles einfacher wäre, hätte ich mich nicht geäußert.  Aber das ist ja genau das was sie wollen. Angst. Ihre politischen Gegner*innen mundtot machen. Wenn wir aufhören neue Ideen und auch kontroverse Forderungen aufzustellen, dann lähmt das den ganzen politischen Diskurs und man überlässt rechten Akteuren das Spielfeld. Ich habe aber auch extrem viel Unterstützung und Solidarität erfahren.

Würdest du sagen, es handelt sich hier um eine organisierte Hasskampagne?

Ich bin mir sehr sicher, dass es sich hier um organisierte Angriffe handelt. Das wurde in Foren oder geheimen Gruppen vorher abgesprochen. Es sind einfach so viele Nachrichten von unfassbar vielen Accounts.  Es geht hier ja auch gar nicht um einen politischen Austausch, sondern darum, ein politisches Subjekt psychisch zu zerstören, mundtot zu machen.

Womit wurdest du konfrontiert?

Morddrohungen, Vergewaltigungsdrohungen. Ich wurde als Fotze, Hure, Miststück, Fettwanst und Bastard bezeichnet. Die Angriffe sind persönlich, auf mein Aussehen bezogen, auf mich als dicke Frau bezogen. Mir wurde gesagt, dass man mich mal mit einem schwarzen Schwanz durchficken sollte. Oder dass man mich Hure gerne mit Säure entstellen und im Keller aufhängen würde, bis ich dort verfaule. Da ist krasser Frauenhass. Ich diskutiere gerne und bin offen für eine politische Auseinandersetzung, aber darum geht es nicht an diesem Punkt. Es geht um meinen Körper, mein Gewicht und mein Geschlecht. Der Hass auf emanzipierte Frauen und die rechte Demokratiefeindlichkeit bilden eine höchst gefährliche Mischung.

Der politische Diskurs hat sich in den letzten Jahren durch den Einfluss der AfD nach rechts verschoben. Wie schätzt du die Rolle der AfD bei solchen Angriffen ein?

Die AfD ist da ganz klar dabei. Vom Bundesaccount der AfD wurde ein Sharepic geteilt: „Pfundsgrüne fordert Asyl für Klimaflüchtlinge!?“ Auch hier geht es wieder um mich als dicke Frau. Da wird impliziert, dass ich kein Recht habe, meine Meinung zum Klimawandel zu äußern, da ich dick bin. Besonders schockiert hat mich allerdings ein Facebookpost der Jungen Union München. Dort lieferten sie einen „Gegenvorschlag“ und wollten mich auf eine dieser von Überschwemmung bedrohten Inseln schicken. Also Deportationsfantasien. Es ist schockierend, dass auch die Junge Union sich an dieser Hetze beteiligt hat. Generell würde ich sagen, dass wir uns als Gesellschaft viel zu sehr an Hetze, Hass und menschenverachtende Äußerungen gewöhnt haben.

Kannst du strafrechtlich gegen diese Nachrichten vorgehen?

Wir haben Screenshots von allem gesammelt und werden so viel wie möglich davon anzeigen. Es ist wichtig, dass die Leute die so etwas schreiben, Konsequenzen zu spüren bekommen.

 Das Interview führte Luka Lara Charlotte Steffen

 

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