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Kategorie C

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Teilnehmende der Demonstration in Köln: Kategorie C steht für die Einordnung als „gewaltsuchender“ Fußballfan. Ist aber auch der Name einer rechten Hooligan-Band, die bei der Demonstration spielte. (Quelle: flickr.com // Felix M. Steiner)

 

Die Band verstand sich lange Zeit als “ unpolitische Hooligan-Band“, dessen Stil sie als „Fußballrock“ bezeichnete. Dementsprechend und untermauert mit Liedtexten wie „Fußball ist Fussball und Politik bleibt Politik“ konnte die Band auf eine enorme Reichweite außerhalb der rechtsextremen Szene blicken. Bis Mitte des ersten Jahrzehnts der 2000er Jahre hatte die Band sogar Chancen eine ähnliche Reputation wie etwa die „Böhsen Onkelz“ zu erreichen. Denn sowohl der im Deutschrock-Stil gehaltene melodiöse Gesang Ostendorfs, wie auch die damals ambivalenten Texte, die sich vordergründig um Fußball, Party und Freundschaft drehten, ließen die Band mainstream-tauglich wirken. Aufgrund von Recherchen zu Ostendorf, die erlangten Erkenntnisse zum rechtsextremen Hintergrund der Band und dem damit erzeugten öffentlichen Druck, strukturierte sich die Band 2012 neu und trat seit dem international explizit im Rahmen rechtsextremer Veranstaltungen auf.

Dabei vertrat die „Kategorie C“ schon vor ihrer Umstrukturierung rassistische Positionen, etwa in dem Lied „Deutschland dein Trikot“, wo es heißt: „Deutschland dein Trikot, das ist schwarz und weiß, doch leider auch die Farbe deiner Spieler.“ Ein anderer Song der Band ruft u.a. zur Gewalt gegen Antifaschist_innen auf. Die verarbeitete Textzeile „Antifa Halts Maul“ findet sich ebenfalls auf mehreren Fanartikeln der Band.Auch personell kam die Band früh in Verruf, etwa durch Hannes Ostendorfs Auftritt auf einem von der NPD organisierten Konzert vor dem Gefängnis in Berlin-Tegel 2006. Gemeinsam mit Musikern der RechtsRock-Band „Agitator“ präsentierte Ostendorf ein paar Lieder in Solidarität mit dem dort inhaftierten ehemaligen „Landser“-Sänger Michael „Lunikoff“ Regener.

Eine Zuordnung der Band „Kategorie C“ zur rechtsextremen Szene kann heute deutlich klarer und eindeutiger stattfinden. So bestritt die Band bis 2018 zahlreiche Konzerte unter dem Banner von „Blood & Honour“, etwa 2014 in Slowenien und Italien, und teilte sich auch in Deutschland die Bühne mit rechtsextremen Bands. Öffentlich u.a. auf dem „Rock gegen Links“ im thüringischen Themar 2017, wo ebenfalls die RechtsRock-Bands „Oidoxie“, „Confident of Victory“ und „Frontalkraft“ auftraten. Ein Konzert von „Kategorie C“ im März 2018 sollte im Rahmen einer NPD-Veranstaltung in der Stadthalle in Wetzlar stattfinden. Die Stadt versperrte sich allerdings, wodurch auch die anderen angekündigten Neonazi-Bands, etwa „Flak“, „Oidoxie“ und „Faust“, nicht auftreten konnten, sondern in ein nahe gelegenes Szene-Objekt ausweichen mussten.Auch innerhalb der Mobilisierungen in Bezug auf die „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) hatte die Band einen enormen Einfluss. So trat Hannes Ostendorf nicht nur auf der ersten und durch spätere Ausschreitungen bekannten Demonstartion der HoGeSa im Oktober 2014 in Köln auf, sondern schrieb der rechtsextremen Hooligan-Organisiation einen gleichnamigen Song.Neben „Kategorie C“ ist Ostendorf auch Frontmann des explizit politischen Musikprojekts „Nahkampf“. Mindestens zwei weitere Bandmitglieder von „Kategorie C“, etwa der Gitarrist Stefan Behrens, sind auch bei „Nahkampf“ tätig. Die in den Neunziger Jahren gegründete Band aus Bremen agierte jahrelang nur konspirativ, wodurch Ostendorfs Mitwirken offiziell nur auf Mutmaßungen basierte. Ein erstes Konzert, auf dem Ostendorf mit „Nahkampf“ öffentlich auftreten sollte, hätte im August 2014 in Thüringen stattfinden sollen, wurde jedoch von der Polizei kurzfristig verhindert. Seit dem bestritt Ostendorf mit „Nahkampf“ zahlreiche Konzerte, u.a. auf von der NPD organisierten Veranstaltungen wie den „Eichsfeldtag“ in Leinefelde oder das „In.Bewegung“-Fest in Sondershausen, gemeinsam mit den Neonazi-Bands „Die Lunikoff Verschwörung“ und „Amok“.„Kategorie C“ veröffentlichte bisher rund 20 CDs, mehrheitlich in Eigenproduktion. Einzig das Album „Hungrige Wölfe“ ließen sie 2001 vom Chemnitzer Label „Backstreetnoise“ veröffentlichen, aus dem das heute einflussreiche RechtsRock-Label „PC Records“ entstand. „Backstreetnoise“ war damals das Label des ehemaligen Chemnitzer „Blood & Honour“-Kaders Hendrik Lasch. Das Netzwerk gilt als engste Unterstützer-Struktur der Rechtsterroristen, die als „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) bis zu ihrer Selbstenttarnung 2011 zehn Menschen ermordeten und mehrere Sprengstoffanschläge verübten. Hendrik Lasch selbst war ein guter Freund des u.a. in Chemnitz untergetauchten NSU-Trios und hatte auch nach deren Verwinden 1998 Kontakt zu ihnen.        

All diese eindeutigen Bezüge zur rechtsextremen Szene versuchte die Band lange zu dementieren.Bevor „Kategorie C“ gänzlich und offensichtlich im rechtsextremen Milieu andockte, verlautbarten sie auf ihren Homepage sogar „Wir dulden keine politischen oder volksverhetzenden Abzeichen oder Aufdrucke oder sonst irgendeine politische Propaganda auf unseren Konzerten. Leute, die rechte oder linke Parolen schreien, werden des Konzertes verwiesen.“Das Statement lässt sich heute nicht mehr finden und diente schon vor Jahren nur dazu, Konzerte der Band halb-öffentlich und möglichst ohne große Repressalien seitens der Behörden stattfinden lassen zu können. Schon damals schrieb der rechtsextreme „Wotan Versand“ in einer Rezension eines „Kategorie C“-Albums „Die Stimme von Hannes weiß wieder zu gefallen und textlich singt man wieder viel ‚durch die Blume“.Heute kann die Band auch auf ein finanzielles, nicht unbedeutendes eigens Vertriebswesen blicken. In Kooperation mit der brandenburgischen Neonazi-Bekleidungsmarke „Erik & Sons“ gründete die Band „KC die Firma“, über die in Eigenregie Klamotten und Musik von „Kategorie C“ und „Nahkampf“ angeboten wird. Ein Erstlingswerk von Ostendorfs Solo-Projekt „Hannes“ ist seit Erscheinen 2018 ebenfalls im Online-Shop verfügbar.Innerhalb der rechtsextremen Szene hat „Kategorie C“ zu dem einen besonderen Status.Dies kann sowohl an der eigenen, von den großen rechtsextremen Produktionsfirmen unabhängigen Vertriebs-Struktur festgestellt werden, als auch an ihrem Konzertgeschehen. Denn dieses findet ebenfalls eigenständig und größtenteils unabhängig von anderen Veranstaltungen der rechtsextremen Szene statt. Grund für diese Position könnte der persönliche Status von Hannes Ostendorf in der Szene sein. Schließlich galt dessen älterer Bruder, der umtriebige Neonazi und NPD-Aktivist Henrik Ostendorf, als Schlüsselfigur des „Blood & Honour“-Netzwerkes in Deutschland. In diesem Umfeld war Henrik Ostendorf auch nach dem Verbot des deutschen Ablegers 2000 innerhalb der Organisiation größerer RechtsRock-Konzerte verantwortlich.     

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