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Rechtsrock & Rechtsterror – Teil 5 „Sonderkommando Dirlewanger“

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(Quelle: Collage/TB)

„Sonderkommando Dirlewanger“ („SKD“), der Name einer Rechtsrock-Band aus Thüringen, ist nach der Sondereinheit der Waffen-SS des Kommandeurs Oskar Paul Dirlewanger benannt. Dirlewanger und seine Einheit verübten an der Ostfront unzählige Kriegsverbrechen und beteiligten sich an der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes (1944). Augenzeug*innen berichteten über die Brutalität und Grausamkeit der Sondereinheit – über Folter, Vergewaltigungen und Massenerschießungen (z.B. „Massaker von Wola“).

Antisemitische Vernichtungsdrohungen & die Nähe zum Islamismus

Die Rechtsrock-Band „SKD“, die zwischen 1998 und 2015 mehrere Tonträger veröffentlichte, stellte sich bewusst in die mörderische Tradition der besonders grausamen Sondereinheit. Das Album „Eisern und Stolz!“ (2008) fällt durch seine Radikalität auf. Beispielsweise ruft das Lied „Hängt sie auf“ zum Massenmord an Jüdinnen und Juden auf: „Hängt sie auf, die Volksverräter, an Laterne oder Baum | Es erwacht das Reich der Väter bald aus seinem bösen Traum | Jagt das Pack, das einst sie holten, raus aus jedem deutschen Gau | Aus ihren Banken, Synagogen, raus, raus, raus“. Das Lied endet mit einer antisemitischen Vernichtungsdrohung: „Und das gelobte Land wird nicht Israel, es wird das Fegefeuer sein“. Im Lied „Taliban“ suchen die Musiker den Schulterschluss mit militanten Islamist*innen: „Auch wir stehen im Kampf gegen die krummen Nasen“. Der Judenhass, angedeutet durch das antisemitische Stereotyp der „Krummnasen“, markiert eine ideologische Schnittmenge zwischen Neonazismus und Islamismus. Aber der Judenhass ist keineswegs die einzige Schnittmenge. Das Lied „Eisern und Stolz“ ruft zum Märtyrertod auf: „Bist Du bereit, alles zu geben? | Bist Du bereit, es zu riskieren? | Was ist es schon wert, ein einzelnes Leben? | Was ist schon dabei, es zu verlieren?“ Die Zeilen des Liedes erinnern zweifelsohne an islamistische Selbstmordattentate.

CD-Sampler „Solidarität IV“ & der NSU

Das Beiheft des Albums „Eisern und Stolz!“ ist von rechtsterroristischen Bezügen regelrecht durchdrungen: Das Cover zeigt eine Hakenkreuzflagge und eine Pistole vom Typ Walther P88. „SKD“ dankt am Ende „allen Kameraden für die tatkräftige Unterstützung“. Im Hintergrund sind die Schriftzüge des internationalen Netzwerks „Blood & Honour“ (B&H, deutsch: Blut & Ehre) und seines bewaffneten Arms „Combat 18“ (C18, deutsch: Kampftruppe Adolf Hitler) zu sehen. Die Rechtsrock-Band geht über die bloße Propaganda rechten Terrors hinaus: Sie übte praktische Solidarität mit dem verurteilten Rechtsterroristen Ralf „Wolle“ Wohlleben, indem sie sich an der Veröffentlichung des Samplers „Solidarität IV“ (2012) beteiligte. Der Erlös des Samplers, der im Vorfeld des Münchener Prozesses gegen den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) erschien, floss an den inhaftierten Neonazi, der am 11. Juli 2018 wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt wurde. Bereits 2009, im Beiheft des zweiten Albums „Grüße von oben“, richtete die Band ihre Grüße an „Wolle“. Das war zwei Jahre vor der Selbstenttarnung des NSU.

Split-CD „Brüder schweigen“ & „The Order“

Nur ein Jahr später veröffentlichte „SKD“ gemeinsam mit der Rechtsrock-Band „Ostfront“ eine Split-CD mit dem Titel „Brüder schweigen“ (2013). Der Titel bezieht sich auf den Slogan der US-amerikanischen Gruppe „The Order“ (auch: „Silent Brotherhood“, deutsch: Schweigende Bruderschaft). Die Gruppe, die zwischen 1983 und 1984 aktiv gewesen ist, praktizierte das rechtsterroristische Konzept des „leaderless resistance“ (deutsch: führerloser Widerstand). Das Lied „Willkommen“ wirkt in Anbetracht des positiven Bezugs auf „The Order“ ein wenig skurril: „Als Künstler geschieht es dir ganz schnell | Und du bist Terrorist und kriminell“, beklagt eine Rechtsrock-Band, die sich offensichtlich auf den Slogan einer Gruppe bezieht, die Todeslisten führte und 1984 einen jüdischen Radiomoderator ermordete. „SKD“ beschwört im Lied „Brüder schweigen“ den gemeinsamen Kampf: „Für alle, die sich beugen und sich neigen | Wir werden Euch die Fäuste zeigen | […] | Brüder für Brüder, Schulter an Schulter | Ein Bund, der niemals stirbt | Kampf für Kampf, Schlacht für Schlacht | Es ist der Glaube, der uns führt“.

„Gelbes Haus“, „Turonen/Garde 20“ & der Überfall von Ballstädt

Die gewalttätige Bruderschaft, die in diesen Zeilen besungen wird, versammelt sich seit 2013 im „Gelben Haus“ im 700-Seelen-Dorf Ballstädt (Lkr. Gotha/Thüringen): die „Turonen/Garde 20“ um „SKD“-Sänger Thomas Wagner. Laut EXIF ist die Bruderschaft seit Jahren eine „feste Instanz“ im internationalen B&H/C18-Netzwerk. Die Rechtsrock-Band „SKD“, die mehrheitlich aus Vollmitgliedern der „Turonen/Garde 20“ bestand, beteiligte sich bereits zwischen 2005 und 2008 an drei „Voices of Solidarity“-Samplern von B&H. Zwar veröffentlichte die Band im Jahr 2015 ihre letzte CD „Heil Deutschland“. Aber das Ende der Rechtsrock-Band bedeutete keineswegs das Ende des Netzwerks. „SKD“ weist in ihrer Besetzung erhebliche Überschneidungen mit Rechtsrock-Projekten wie „Erschießungskommando“ und „TreueOrden“ auf – die allesamt aus dem Netzwerk der „Turonen/Garde 20“ stammen. Dass die Neonazis vom „Gelben Haus“ aus Worten konkrete Straftaten folgen lassen, zeigte der 09. Februar 2014: 15 vermummte Neonazis stürmten um zwei Uhr nachts den Gemeindesaal in Ballstädt (Lkr. Gotha/Thüringen) und überfielen eine Kirmesgesellschaft. Der brutale Überfall dauerte bloß wenige Minuten, jedoch wurden zehn Menschen teilweise schwer verletzt. Am 24. Mai 2017 verurteilte das Erfurter Landgericht neun Männer und eine Frau zu Haftstrafen zwischen 26 und 42 Monaten. Ein Täter erhielt eine Bewährungsstrafe, vier Tatverdächtige wurden freigesprochen. Der „SKD“-Sänger Thomas Wagner erhielt gemeinsam mit Marcus R., einem Führungskader bei „Blood & Honour“, die höchste Strafe, denn die beiden spielten nach Einschätzung des Richters eine Schlüsselrolle im Überfall. Die Härte der Strafen begründete das Landgericht mit der Brutalität und dem planmäßigen Vorgehen. Allerdings gab der Bundesgerichtshof in Karlsruhe der Revision der verurteilten Neonazis statt und hob das Urteil aufgrund von Formfehlern auf. Daher muss der Fall im kommenden Jahr neu verhandelt werden. Für die Betroffenen des Überfalls von Ballstädt ist die Neuverhandlung ein Albtraum.

Teil 6 beschäftigt sich mit den übrigen Rechtsrock-Projekten aus dem Netzwerk der „Turonen/Garde 20“: „Erschießungskommando“, „Kommando S3“, „N.A.Z.I.“, „TreueOrden“, … Ein Schwerpunkt liegt auf den Verbindungen zwischen Thüringen und der Schweiz.  

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OIDOXIE (final)

Rechtsrock & Rechtsterror – Teil 3 „Oidoxie“

„Oidoxie“ wurde 1995 in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) gegründet. Bis heute ist der Gründer und Sänger Marko Gottschalk nicht nur die Führungsfigur der Band, sondern auch einer der einflussreichsten Neonazis Deutschlands im militanten Spektrum.

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