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Kommentar Das Gegenteil von Schwarz

Die Populisten von heute fallen durch. Das Gegenteil von Schwarz ist weder Weiß noch Grau. Antiliberale Mittel taugen eben nicht zur Verteidigung demokratischer Werte.

 
Anetta Kahane ist Vorsitzende des Vorstands der Amadeu Antonio Stiftung (bis Ende März 2022); Foto: MUT

Der blinde Philosophieprofessor an der Universität fragte in seinen Prüfungen stets auf eine Art, die den Einsatz von Spickzetteln für die Antwort nutzlos machte, und auch sonst konnte nicht geschummelt werden. Als ich dran war, wollte er wissen, was das Gegenteil von Schwarz sei. Dass die Antwort nicht einfach „Weiß!“ sein konnte, war mir schon klar. Also bot ich ihm als Kompromiss meiner Dummheit ein zaghaftes „Grau?“ an. Er ließ mich dafür lächelnd durchfallen. Das Gegenteil von Schwarz, so meinte er, seien alle anderen Farben und nicht Weiß oder eine Nuance davon.

Wenn Zorn emanzipatorische Werte verteidigt

An dieses erhellende Gleichnis des blinden Professors erinnert mich derzeit die Diskussion überEinwanderung und den Islam. Letzterem wird vorgeworfen, demokratiefeindlich, antiliberal, frauenfeindlich, autoritär, antisemitisch und insgesamt unaufgeklärt zu sein. Er entspricht also dem Schwarz in der Gleichung derer, die ihren Zorn über das Kritikwürdige äußern. Zorn ist gut. Vor allem, wenn er die emanzipatorischen Werte verteidigt, auf die wir so stolz sind. Diese Werte sind kompliziert, denn sie erheben den Anspruch auf die Gleichwertigkeit von Menschen verschiedener Herkunft und auf Gleichberechtigung von Mann und Frau, auf Liberalität im Umgang miteinander, auf Differenzierung, auf öffentliche und freie Meinungsäußerung. Alle anderen Farben eben.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf dem Portal „Mut gegen rechte Gewalt“ erschienen (2002-2022).

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