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Nicht überraschend, aber neu Attila Hildmann wirbt für Shop von NPD-Politiker

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Protestierende bei Demonstration für das Restaurant von Attila Hildmann. (Quelle: Wikimedia Commons/ Leonhard Lenz/ Creative Commons CC0 1.0)

Dass Attila Hildmann zutiefst antisemitische und rechtsradikale Ansichten vertritt, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Immer wieder erzeugte er mit seinen Auftritten und Verlautbarungen via Telegram große mediale Aufmerksamkeit, zum Beispiel als er behauptete, dass Hitler im Vergleich zu Angela Merkel „ein Segen“ gewesen sei. Schon 2015 verbreitete der Koch rassistische Klischees über Geflüchtete, radikalisierte sich im Zuge der Corona-Pandemie und organisierte Demonstrationen gegen die staatlichen Infektionsschutz-Maßnahmen. Dort bezeichnete er sich stolz als „deutschen Nationalisten“ und verbreitete für die Corona-Leugner*innen-Szene typische Verschwörungsideologien, wie zum Beispiel dass Bill Gates die Corona-Pandemie geplant habe, um gemeinsam mit Angela Merkel einen Völkermord durchzuführen. Im Juli 2020 trat er mit der Reichskriegsflagge auf , wie sie zwischen 1933 bis 1935 in Deutschland verwendet wurde. Auch im Netz verbreitete er Verschwörungserzählungserzählungen, wie „die Juden“ hätten den Holocaust mitfinanziert und würden versuchen „die Deutschen“ auszulöschen. Schuldumkehr und purer Antisemitismus, wie er auch in der rechtsextremen Szene gelebt wird., zu der Sebastian Schmidtke gehört. Hildmann erhielt mittlerweile mehrere Strafanzeigen, unter anderem wegen öffentlicher Androhung von Straftaten und Volksverhetzung und ein Großteil der Social-Media-Netzwerke sperrten seine Accounts. Eine Ausnahme bildet der Messengerdienst Telegram, auf dem er nun hauptsächlich seine Ansichten verbreitet. Die allermeisten Händler*innen nahmen als Reaktion auf sein Verhalten, seine Produkte aus dem Sortiment.

(Quelle: Screenshot aus dem Youtube-Video von Attila Hildmann)

Diese Entwicklung dürfte zu der Kooperation mit Schmidtkes Sicherheits-Shop beigetragen haben, aus dessen Produktangebot Hildmanns Energy-Drink als einziges Lebensmittel-Produkt, thematisch komplett herausfällt. Der Shop wirbt mit Slogans wie „Deine Ausrüstung für den Ernstfall“ und verkauft neben schnittsicheren Westen und Elektro-Schockern auch T-Shirts mit dem Aufdruck „Prepping is not a Crime“ und Tassen mit dem Slogan „Naturverliebt“. Produkte für Sicherheitsdienste, Waffenfans, Outdoor-Liebhaber*innen und Prepper. Zwischen 2010 und 2016 war Schmidtke im Vorstand des Berliner Landesverbandes der NPD. Der Spiegel bezeichnete ihn 2013 als „Brandstifter von Berlin“ und berichtete, dass Schmidtke Mitinitiator der Website „Nationaler Widerstand“ war, auf der persönliche Informationen über politische Gegner*innen veröffentlicht wurden. Es liefen diverse Strafverfahren gegen ihn. Verurteilt wurde Schmidtke unter anderem 2011 wegen Volksverhetzung, nachdem er die sogenannten „Schulhof-CD“ der NPD inhaltlich zusammengestellt  hatte. 

Schon 2014 besuchte der NPD-Politiker immer wieder die sogenannten „Montagsmahnwachen”, deren ideologische Zusammensetzung teilweise sehr an die der Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen erinnert: anwesend waren unter anderem Reichsbürger*innen, Verschwörungsideolog*innen und Holocaustleugner*innen. 

Doch Überschneidungen zwischen Rechtsextremen und Verschwörungsideolog*innen gibt es nicht nur über die Personen Schmidtke und Hildmann. So meldete Ende 2020 zum Beispiel der NPD-Politiker Stefan Hartung im Erzgebirge eine Versammlung an, auf der auch eine Ärztin sprach, die kurz zuvor noch auf einer sogenannten „Querdenken”-Demo in Dresden aufgetreten war und dort die Maskenpflicht kritisiert hatte

Bei der „Querdenken”-Demo in Leipzig im November 2020 kam, unter anderem gegen Journalist*innen zu Gewalt, und auch hier waren viele Erkennungsmerkmale der rechtsextremen Szene zu sehen: Reichskriegsflaggen, Banner der „Jungen Nationalisten“ (Jugendorganisation der NPD) und der „Deutschen Stimme“ (Presseorgan der NPD). NPD und Dritter Weg hatten im Vorhinein für die Veranstaltung mobilisiert. Es folgte kurz darauf ein Statement des in der „Querdenken”-Szene aktiven Rechtsanwalts Ralf Ludwig: Querdenken stehe für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, „wenn die NPD sich dem anschließt, dann ist das doch ein Erfolg für uns.“ Die Teilnahme der rechtsextremen Partei stehe damit für Antifaschismus“.

Dass Hildmann offen für den Shop des NPD-Politikers Schmidtke wirbt, sollte angesichts seiner Äußerungen und den ohnehin vorhandenen Überschneidungen zwischen offen rechtsextremer Szene und verschwörungsideologischem Milieu, nicht überraschen. 

Foto: Wikimedia Commons/ Leonhard Lenz/ Creative Commons CC0 1.0

 

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