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Antisemitismus-Prävention in Berlin Bildungspolitik auf dem Prüfstand

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Anne Goldenberg, Veronika Nahm, Dr. Sebastian Engelbrecht, Miki Hermer zusammen mit Moderatorin Shelly Kupferberg auf dem ersten Podium (Quelle: AAS)

„Antisemitismus hat sich überall in unserer Gesellschaft festgesetzt. In keinem Milieu können wir Antisemitismus ausschließen, daher ist es wichtig, dass wir heute in Berlin darüber sprechen.Mit diesen Worten leitete Anetta Kahane, Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, die virtuelle Veranstaltung ein.

Unter dem Motto Neue Herausforderungen, altes Problem? debattierten und berichteten die Teilnehmer:innen des ersten von insgesamt zwei Panels über den Zusammenhang zwischen Bildung und Antisemitismus. In der Bildung liegt der Schlüssel für die Bekämpfung antisemitischer Vorurteile, jedoch bedarf es ein Umdenken in der Herangehensweise. Veronika Nahm, Direktorin des Anne Frank Zentrums Berlin, bemängelt, dass bislang in Schulen auf antisemitische Vorfälle nur reagiert wird, anstatt ihn präventiv zu bekämpfen. Eine Ursache ist das mangelnde Problembewusstsein der Schüler:innen und des Lehrpersonals, so Nahm. 

Anne Goldenbogen von der Initiative Bildung im Widerspruch bemerkt, dass Antisemitismus in den Schulen nahezu ausschließlich mit der Shoah assoziiert wird, für eine stärkere Sensibilisierung für den aktuellen Antisemitismus bedarf es jedoch eine stärkere Kontextualisierung der Geschichte von Jüd:innen. Darüber hinaus ist es für die Bildungsarbeit wichtig, die Problematik des Antisemitismus den Schüler:innen nicht didaktisch zu diktieren, sondern zu versuchen, das Thema an den Lebensrealitäten der Jugendlichen anzupassen. Journalist Dr. Sebastian Engelbrecht appelliert daraus, dass in der Bildung die Empathie im Vordergrund stehen solle. Durch Begegnungen mit Menschen jüdischen Glaubens und einem Verständnis für die Lebensrealitäten der Jüd:innen entsteht Empathie und dadurch resultiert ein Umdenken und eine zunehmende Sensibilisierung für Antisemitismus. 

Vor rund zweieinhalb Jahren stellte der damalige regierende Bürgermeister Michael Müller ein Berliner Landeskonzept zur Weiterentwicklung der Antisemitismus-Prävention vor. Das zweite Panel der virtuellen Veranstaltung beschäftigte sich mit dem Status quo des Konzeptes. Der Ansprechpartner des Landes Berlin zu Antisemitismus, Dr. Samuel Salzborn, fasst die bisherigen Erfolge so zusammen: „Natürlich kann man immer mehr machen. Die Schritte sind klein, aber sie sind vorhanden“. Er sieht aber auch, dass Berlin das einzige Bundesland mit einem solchen Konzept ist. Seiner Meinung nach wird das Thema hier sehr ernst genommen. Marc Schwietring, dessen Projekt „Regishut – Sensibilisierung zu Antisemitismus in der Berliner Polizei“ eine direkte Folge des Landeskonzeptes ist, nimmt ein Defizit wahr, wenn es den Antisemitismus der Mitte der Gesellschaft betrifft: „Dieser ist oftmals nicht als Wissensbestand vorhanden“.

Ebenfalls Handlungsbedarf sieht Dr. Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien der Universität Potsdam. Er erklärt, dass  „in diesem verschwörungsideologischen Spektrum Situationen aufgetaucht sind, die wir neu bewerten müssen.“ Hier müsse das Landeskonzept nachgeschärft werden, stimmen ihm Salzborn und André Wartmann, Antisemitismusbeauftrager im Bezirk Lichtenberg, zu. Wartmann meint: „Antisemitismus passt sich immer wieder an, auch wenn die Ursprünge gleich bleiben“. 

Auch im digitalen Bereich ist Nachholbedarf, erkennt Nikolas Lelle von den Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung: „Das Internet ist ein Ort, in dem Verschwörungserzählungen ein Millionenpublikum gefunden haben und dagegen muss man was tun. Und ein Teil davon ist Debunking“ also die Entlarvung von Verschwörungserzählungen.

Am Ende der Fachtagung fasst der Geschäftsleiter der Amadeu Antonio Stiftung, Timo Reinfrank, die Erkenntnisse des Tages zusammen. „Auch in der Antisemitismus-Prävention gibt es eine Zeitrechnung vor und nach Corona. Seit der Pandemie ist ein offener und uncodierter Antisemitismus viel spruchreifer geworden, darauf müssen wir reagieren!“, konstatiert er.

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