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Berlin trägt Kippa und bekommt Probleme

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2.500 Menschen trafen sich vor der Jüdischen Gemeinde in Berlin-Charlottenburg zu "Berlin trägt Kippa". (Quelle: dpa)

 

Die große Demonstration in Berlin fand am Mittwoch, den 25.04.2018, in der Fasanenstraße vor der Jüdischen Gemeinde  in Berlin-Charlottenburg statt. 2.500 Menschen kamen dort zusammen, um ein Zeichen zu setzen gegen Antisemitismus, von prominenten bis privat, durch alle Religionen.

Noch während in Charlottenburg das Symbol der Solidarität gesetzt wurde, gab es bei einer zweiten, kleinen Kundgebung in Berlin-Neukölln massive Probleme: Sie wurde angegriffen und abgebrochen. Davon gibt es ein Video, dass das “Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus” veröffentlicht hat:

 

 

Es zeigt symptomatisch, worum es geht: Ein Mann in schwarzer Kampfsportbekleidung mit martialischer Symbolik spuckt dem Redner vor die Füße. Ein junger Mann – wie polizeiliche Ermittlungen später ergeben, ein 27-jähriger Syrer –  stiehlt einem zweiten Demonstranten die Israel-Fahne. Wer auf dem Hermannplatz gegen Antisemitismus eintritt, muss offenkundig mit handfester Gegenwehr rechnen.

Es bleibt aber nicht der einzige Vorfall. In Berlin-Schöneberg kam es nach der Kundgebung in der Fasanenstraße zu einem Streit um ein zugeparktes Auto. Ein 22-jähriger, der von der Kundgebung kam und noch die Kippa trug, wurde von einem 37-Jährigen antisemitisch beleidigt und, so die Polizei, “es kam zu Handgreiflichkeiten”.

Angesichts solcher Vorkommnisse selbst an einem Tag, an dem die Solidarität und der Einsatz für die Gleichwertigkeit aller Menschen im Vordergrund stehen sollte, ist es also kein Wunder, dass Jüdinnen und Juden sich beim Kippa-Tragen nicht sicher fühlen. Und das ist ein Armutszeugnis für unserer Gesellschaft.

Es muss also nun darum gehen, mit Leben zu füllen, was die Redner und Redner_innen in Charlottenburg betont haben: Im Alltag gegen Antisemitismus einzuschreiten, wo immer er auftaucht, egal aus welcher Ideologie oder mit welchem religiösen Hintergrund. Weil die Welt kompliziert ist, gilt es zugleich natürlich darauf zu achten, nicht selbst in rassistische oder stereotype Zuschreibungen zu verfallen, aber auch nicht, über Tätergruppen zu schweigen.

Menschenrechte und Schutz für Diskriminierung und Abwertung gelten für alle und von allen, anders geht es nicht.

Eine gute Zusammenfassung von Redebeiträgen zeigt diese Video vom “Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus.”

 

Köln

(Foto: R. Kaufhold)

In Köln war die kamen rund 1.00 Menschen zur Solidaritätskundgeung auf dem Kölner Domvorplatz. Sie demonstrierten in eindrücklicher Weise ihre „Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin“, wie es im Aufruf hieß. Als Redner traten neben der Kölner Synagogengemeinde Vertreter aller großen Kölner Parteien, der beiden Kirchen, Bekir Alboga von der  durchaus nicht unumstrittenen Ditib und die Kölner Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) auf (vgl. hagalil).

 

Potsdam

200 Menschen demonstrierten bei „Potsdam trägt Kippa“

https://www.rtl.de/cms/200-teilnehmer-bei-potsdam-traegt-kippa-4153629.html

 

Erfurt

Etwa 400 Menschen bei Aktion „Thüringen trägt Kippa“ in Erfurt

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/erfurt/aktion-thueringen-traegt-kippa-102.html

 

Magdeburg

http://www.ardmediathek.de/tv/MDR-SACHSEN-ANHALT-HEUTE/Magdeburg-tr%C3%A4gt-Kippa/MDR-SACHSEN-ANHALT/Video?bcastId=7545148&documentId=51938304

(Foto: R. Kaufhold)  

Berlin: Die Solidarität gegen Antisemitismus geht weiter – am 29.04.2018 mit der Aktion „Kopf hoch – Kippa heads up“

Am Sonntag, den 29.04.2018, startet in Berlin die Aktion „Kopf hoch“. Ein Gruppe verschiedenster jüdischer und nicht-jüdischer Menschen verteilt Kippas in der Stadt. Im Statement zur Aktion heißt es: „Wir sind davon überzeugt, dass jede*r in Berlin sich im Öffentlichen Raum sicher fühlen muss. Angriffe auf Minderheiten sind ein Angriff auf unser friedliches Zusammenleben und unsere Demokratie. Es ist unser aller Verantwortung einzuschreiten, wenn jemand Ausgrenzung, Anfeindung, Einschüchterungen, Diskriminierung oder physische Gewalt erlebt. Dazu haben wir uns diese Aktion überlegt. Es soll darum gehen uns dafür zu sensibilisieren – zumindest eine Ahnung zu bekommen – wie es ist, sich angreifbar zu fühlen, unter anderem weil man eine Kippa trägt. Gleichzeitig wollen wir uns nicht länger verstecken in der Bequemlichkeit unseres Privatlebens. Jetzt heißt es: Kopf hoch! Für unsere Stadt. Für unsere Gemeinschaft. Für unsere Demokratie.“

Zur Aktion wird erläutert: „An diesem Tag, den 29 April, verteilen wir in der ganzen Stadt 10.000 Kippas in beliebten Parkanlagen. Mit diesem kleinen Überraschungsgeschenk wollen wir die Menschen ermutigen und herausfordern sich selbst zu prüfen. Wie fühlt es sich an, eine Kippa im öffentlichen Raum zu tragen? Wie fühlt es sich an, außerhalb einer Gruppe von Gleichgesinnten als anders wahrgenommen zu werden? Wir ermutigen alle Berliner*innen sich an der Aktion zu beteiligen und körperlich greifbar zu machen, wie es ist, Ausgrenzung zu riskieren. Wer ist bereit eine Kippa zu tragen und wie lange? Was spürt man dabei? Warum entscheidet man sich dafür, warum dagegen? Zum Abschluss treffen wir uns um 17 Uhr im Lustgarten am Berliner Dom, um einen Moment der Gemeinschaft und Reflektion zu erleben.“

Mehr dazu auf Facebook: 

https://www.facebook.com/kippaheadsup/

  

Mehr tun gegen Antisemitismus?

Zunächst: Handeln. Und zwar alle: Antisemitismus ist nicht ein Problem der Juden und Jüdinnen. Antisemitismus gefährdet die Demokratie. Daher sind alle angesprochen, zu handeln. In dem Maße, wie eine Gesellschaft Antisemitismus bekämpft, zeigt sie, wie klar sie demokratisches Bewusstsein und demokratische Werte insgesamt zu verteidigen in der Lage ist.

In der jüngeren Vergangenheit gab es vor allem zwei Strategien, mit denen Antisemitismus bekämpft werden sollte: einerseits durch Bildung und Aufklärung über die nationalsozialistische Judenverfolgung, andererseits durch die Beschäftigung mit dem Judentum und persönlichen Begegnungen von Nichtjuden mit Juden.

Diese Wege reichen nicht mehr aus, um gegen den heutigen Antisemitismus anzugehen. In den letzten Jahren wurden neue Konzepte für die Bildungs- und Projektarbeit gegen Antisemitismus entwickelt. Viele Erfahrungen zeigen, dass zu einer wirksamen Arbeit gegen Antisemitismus eine Auseinandersetzung mit antisemitischen Einstellungen und Verhaltensweisen auf persönlicher Ebene gehört – und eine klare Zurückweisung des Antisemitismus durch die Gesellschaft!Was kann ich gegen Antisemitismus tun?

Ein erster Schritt ist das klare Benennen antisemitischer Straftaten und Äußerungen: Schreiben Sie ein Flugblatt oder einen Leserbrief! Sprechen Sie andere an, suchen Sie sich Unterstützung – gemeinsam bieten sich viele Möglichkeiten, um gegen Antisemitismus aktiv zu werden:

Der jüdische Friedhof in ihrer Stadt wurde zerstört? – Sammeln Sie Spenden, suchen Sie sich Partner und helfen Sie selbst beim Wiederaufbau!

In der Dorfkirche gibt es immer noch alte antijüdische Darstellungen? – Setzen Sie sich bei der Gemeinde dafür ein, dass eine Hinweistafel mit einem kritischen Text angebracht wird!

Vor kurzem sind Hauswände in Ihrer Stadt oder Ihrem Dorf mit antisemitischen Graffitis beschmiert worden? Organisieren Sie eine öffentliche Aktion, bei der sie entfernt werden, und schreiben Sie darüber einen Artikel für die Lokalzeitung!

Es scheint, als hätte es nie jüdisches Leben in der Region gegeben? – Machen Sie sich auf die Suche nach Spuren und verhindern damit, dass die Nachbarn von einst in Vergessenheit geraten!

 

Mehr hierzu bei der Amadeu Antonio Stiftung:

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/die-stiftung-aktiv/themen/gegen-as/

 

Mehr im Internet:

 

Eine Übersicht antisemitischer Übergriffe in Berlin bietet die „Recherche- und und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS):

https://report-antisemitism.de/#/public

Eine bundesweite Chronik antisemitischer Übergriffe führt die Amadeu Antonio Stiftung seit 2002 

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/die-stiftung-aktiv/themen/gegen-as/antisemitismus-heute/chronik-antisemitischer-vorfaelle-1/

  

Mehr auf Belltower.News:

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Shoahleugnung & NS-Verherrlichung in Nürnberg mit Ansage

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