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Braune Szene Neonationalsozialismus extrem modern

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Aktive NPD-Strukturen in Niedersachsen; Foto (Archiv): Holger Kulick

Sie sehen sich selbst als aktionistische, kämpferische „Speerspitze der Bewegung“ und glauben, sie verkörpern den „modernen NS“. „Autonome Nationalisten“ bekennen sich zum Nationalsozialismus und schmücken sich dennoch auch mit Stickern, Aufnähern und Transparenten, auf denen „Fuck Authority“, „Revolution now“ oder schlicht „Freiheit“ zu lesen ist. In Aufmärschen bilden sie ähnlich wie Linksautonome „Schwarze Blöcke“. Die NPD-Bundesspitze nannte dies erst kürzlich „ anarchistische Erscheinungsformen“ , die man ablehne – denn sie schaden dem (schein)bürgerlichen Image der Partei. Nach kontroversen Diskussionen zwischen den Szene-Lagern kontern die „Autonomen“ mit dem Boykott von NPD-Aufmärschen.

Seit September 2004 wächst die „Volksfront von rechts“ und NPD-Chef Udo Voigt hat es geschafft, die bürgerlich-miefige DVU sowie die radikalen und zur Militanz neigenden „Kameradschaften“ an einen Tisch zu bekommen. Das Lager der „nationalen Sozialisten“ expandierte. Aussagen von NPD-Oberen nahmen an Radikalität zu und manche Rede klang schon so, als übernehme die NPD bald die Macht im „Reichstag“. Im Februar 2005 hatte Udo Voigt in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ noch über die „Kameradschaften“ geschwärmt, man integriere „junge, aktionistische Leute, die etwas verändern wollen und bereit sind, ein persönliches Risiko zu tragen. Wir holen sie von der Straße runter.“ Die NPD brauche „Leute, die nicht umknicken, wenn der Sturm wieder ansetzt.“

Statt Sturm auf die Republik Kettenrasseln im Inneren

Seit Mitte 2007 rumort es jedoch gewaltig im Volksfront-Haus, denn die aus dem Umfeld der „Kameradschaften“ entstandenen Gruppen der „Autonomen Nationalisten“ sind der NPD zu aktionistisch. Jene Neonazis stellen die „Systemfrage“ radikal offen und halten von der bürgerlichen Maskerade der NPD wenig. „Organisierter Wille braucht keine Partei! Nationaler Sozialismus voran!“ heißt es in Pamphleten jener „Autonomen“ Neonazis. Ihre „Black Blocs“ inmitten von Aufmärschen wirken auf den ersten Blick wie jene der Linksautonomen: Kapuzenpullis oder –jacken, Basecaps, Lederhandschuhe, Sonnebrillen, schwarze Kleidung, die nach dem Vorbild der Linken ein einheitliches und martialisches Bild abgeben sowie im Falle von Straftaten verhindern soll, dass der Einzelne aus der Masse heraus von die Polizei zu identifizieren ist. „Autonome“ sind oftmals auch gepierct und mancher von ihnen trägt gar unter seiner Kapuze oder Mütze einen Irokesen-Haarschnitt. Während die „Autonomen“ davon fabulieren, die radikale Sperrspitze der „nationalen Bewegung“ zu sein, nennt sie ein gestandener Rechtsrocker und Neonazi-Glatzkopf in einem Szene-Forum schlicht „antifaklons“.

Aktueller Auslöser für den rhetorischen Kleinkrieg zwischen „autonomen“ und bürgerlichen Neonazis war ein Aufmarsch am 7. Juli 2007 in Frankfurt. Als an jenem Sonnabend rund 700 Neonazis im „Jerusalem am Main“ (Hessens NPD-Chef Marcel Wöll) aufmarschierten, um gegen Kapitalismus und Globalisierung zu demonstrieren, bildeten etwa 200 Teilnehmer des Aufmarsches einen „Black Bloc“. Zwar hatte es zuvor schon solche „Schwarzen Blöcke“ bei rechten Aufmärschen gegeben, doch das geballte Auftreten war in dieser Art neu. Und die oft als elitär geltende und gelegentlich spöttisch von anderen Neonazis in Anlehnung an die SS „Schwarze Garde“ genannte Gruppe wollte auch in Frankfurt ihr Ding durchziehen. Es kam zu Rangeleien mit NPD-Ordnern, als diese versuchten, polizeiliche Auflagen wie das Vermummungsverbot durchzusetzen.

Nach dem Aufmarsch entbrannte zwischen „Autonomen“ und NPD der noch andauernde Streit. Inoffiziell hieß es dazu in Szeneforen, die NPD-Ordner seien „Polizei-Vasallen“ und die Partei fahre eine „pseudo-bürgerliche schmuseschiene“. Den „Autonomen“, die mit ihrem Megaphon gegen den Lautsprecherwagen der NPD anpolterten, wurde vorgeworfen, auf einer NPD-Demonstration „Scheiß NPD“ geschrieen zu haben. Aber auch über offizielle Stellungnahmen wurde der Streit ausgetragen. Unter dem Label der „Nationalen Sozialisten – Rhein/Ruhr“ wurde etwa über „wildgewordene [NPD-]Ordner“ geschimpft, die zu „Hilfssheriffs“ und „besonders engagierten Hilfspolizisten“ geworden seien. Und: „Bei Angriffen durch Antifaschisten werden wir auch in Zukunft […] angemessene Gegenwehr leisten! Rechtswidrigen Anordnungen grün/weißer Systembüttel werden wir keinerlei Folge leisten! Bei Polizeigewalt werden wir von unserem Notwehrrecht Gebrauch machen!“

Nachdem zuvor schon der NPD-Funktionär Wöll als Anmelder besagten Aufmarsches eine jene Kritik widerlegende Klarstellung abgegeben hatte, folgte Mitte August 2007 die Stellungnahme „ Unsere Fahnen sind schwarz – unsere Blöcke nicht! “ durch das NPD-Parteipräsidium. In dem Text hieß es, dass die NPD keinen „Schwarzen Block“ mehr bei ihren Aufmärschen dulden werde. Man sei von NPD-Seiten nicht bereit, sich „diesem politischen Zeitgeistphänomen anzupassen“. Bezeichnend an der Stellungnahme war das, was nur zwischen den Zeilen durchschimmert: Nicht die politische Radikalität und das fast offene Auftreten als Nationalsozialisten kreidete die NPD den „Autonomen“ an, sondern schlicht deren Äußeres. Die NPD wolle ordentlich auftreten um die „Herzen“ der Bürger zu gewinnen, hieß es. Mit „schwarz vermummten Menschen“ in den eigenen Reihen gehe dies nicht. Das „auf außenstehende Betrachter beängstigende und damit abstoßende Äußere ist nach unserer Auffassung kein Ausdruck revolutionären Handelns,“ schrieb die NPD weiter. „Wer eine Demonstration mit einem Faschingsball verwechselt, soll ihr lieber fernbleiben,“ wurde festgestellt.

Linke Kleider machen rechte Leute

Derzeit erstarken dessen ungeachtet die „Autonomen Nationalisten“, die sich seit Jahren in der rechtsextremen Szene tummeln und ähnlich ihres linken Vorbildes ausschauen und agieren. Ihre spannende Erlebniswelt und ihr Aktionismus macht sie attraktiv für junge Leute, denen die üblichen Bonehead- und „Kameradschaften“-Szenen zu unspektakulär sind. Hooligans oder Ultras schließen sich an, aber auch Mädchen und junge Frauen befinden sich in ihren Reihen und wirken im Privatleben eher wie Punk-, Riot- oder Hardcore-Girlies mit Shorts oder Baggyhosen, in Chucks, modischen Tops, Bauchnabel- oder Gesichtspiercings oder mit großflächig tätowierten Armen und Schultern.

Für den Aufmarsch in Frankfurt am 7. Juli warb die Braunszene etwa im Internet mit einem selbst produzierten Videoclip – erstmals stand dabei ein vermummtes Mädel im Autonomen-Schick vor der Linse, das sich selbst als „Nazi“ bezeichnete und zur Demo aufrief, inklusive Molotowcocktail in der Hand. Spätere Fotos von dem Aufmarsch zeigten, dass die junge Frau zum modischen Fransenhaarschnitt ein ebenso modisches Lippenpiercing trug. Aber auch im Umfeld der „Autonomen“ hat sich die rechte Szene gewandelt, sehen viele junge Leute in Shorts, Vans, mit Ketten und Nietengürteln eher wie die Musiker einer antifaschistischen Hardcore-Band oder eine Gruppe von Skatern aus. Gerne getragen werden auch Aufnäher oder Sticker mit roten und schwarzen Flaggen, bekannt aus der Antifabewegung. Nur steht im Falle der Rechtsautonomen eben nicht „Antifaschistische Aktion“, sondern „Nationale Sozialisten – Bundesweite Aktion“ auf den Accessoires.

Längst haben die „Autonomen“ Neonazis sich nicht nur den Kleidungsstil im Privaten und die Blockbildung bei Demonstrationen bei den Linken abgeschaut. Rechte führen Sitzblockaden durch, um aus Demonstrationen heraus abgeführte Gesinnungsgenossen wieder frei zu pressen. Gemeinsam mit „Kameradschaftern“ haben die „Autonomen“ bei Aufmärschen versucht, Polizeiketten zu durchbrechen. Sprüh-, Aufkleber- und Flugblattaktionen gegen politische Gegner, eingeworfene Scheiben in Büros demokratischer Parteien oder Graffiti- und Comicstyles auf Transparenten mit englischen Texten sind längst gängige Praxis. In einem teils fast popigen Stil warben die „Autonomen“ auch im Internet unter komm-mach-mit.info mittels eines Videoclips um neue „Kameraden“ – im Hintergrund ertönte dazu der offenbar illegal genutzt Song „ Salem“ des österreichischen Rappers „Chakuza“. Das Rap und HipHop in den USA unter den von den Nazis gehassten „Niggern“ entstanden war und heute in Deutschland gemeinhin als Musik von Migranten gilt, schien nicht zu stören.

Ebenso wie die Linksautonomen richten Neonazi-„Autonome“ bei Demonstrationen Rechtshilfegruppen („EAs“) ein und diskutieren Wahlboykotte. Manche „Autonomen“ schreiben gar schon im antisexistischen Duktus von „Kamerad_innen“, diskutieren über Vegetarismus, sind gegen Tierversuche, organisieren Besuchergruppen („Prozesssolis“) bei Gerichtsverfahren von „Kameraden“. „Autonome Nationalisten“ setzen zunehmend auch auf die Taktik der Spontandemos, so liefen etwa am 8. Juni 2007 rund 70 „Autonomen“ mit Transparenten und bengalischen Feuern durch Marl, um „spontan“ gegen den G8-Gipfel zu protestieren. Skandiert wurden dabei abgewandelte linke Parolen, etwa „Nie, nie, nie wieder G8“ (Antifa-Original: „Nie, nie, nie wieder Deutschland!“). In Frankfurt skandierten im Juli die „Autonomen“ aus ihrem „Bloc“ heraus die Parole „BRD – Judenstaat – Wir haben dich zum kotzen satt!“ – Vorbild dafür war die Linksautonomen-Losung „BRD – Bullenstaat – Wir haben dich zum kotzten satt!“ In Krefeld riefen im Juli 2007 bei einem NPD-Aufmarsch unter dem Motto „gegen Inländerfeindlichkeit“ die „Autonomen“ die Parole „Nie, nie, nie wieder Israel!“

Die NPD als Teil des Problems Bundesrepublik

Derzeit ist offen, ob die Braunszene das einerseits fast unautoritäre, andererseits aber auch elitäre Gehabe der „Autonomen“ dulden wird. Schon Mitte 2006 gab es zwischen „Autonomen“, rechtsradikalen Skinheads und NPD-Kadern ausufernde Diskussionen in Internet-Foren der Braunszene. Befeuert wurden die seitdem andauernden Foren-Diskussionen Mitte 2007 durch das NPD-Papier, wonach die Partei keine „Autonomen“ mehr auf ihren Demonstrationen dulden werde. Jedoch meldeten sich auch „Aktionsbündnisse“ und prominente Vertreter der „Freien Kräfte“ und „Autonomen“ zu Wort. Vorreiter waren dabei Mitte August die im Netzwerk der Braunszene noch eher unbedeutenden „Freien Nationalisten Neuss“, die etwa entgegen der NPD für einen „optische[n] Pluralismus“ plädierten und daran erinnerten, dass man Jugendliche in Aufmärschen als „Autonomer“ und „Metal-Head oder […] locker gekleidete[r] Skater“ viel eher anspreche, als im bürgerlichen Schick der NPD. „Das solltet Ihr Parteipräsidiumsmitglieder mal raffen!“ moserte das „Autorenkollektiv linker Niederrhein“.

Und auch das „Aktionsbüro Norddeutschland“, eine der wichtigsten Gruppierungen und Organe der „Freien“, schimpfte über die „Tradition [zur Ausgrenzungspolitik] in [den] reaktionären Führungszirkeln der NPD“. Der bundesweit immer einflussreicher werdende Düsseldorfer Neonazi-Kader Sven Skoda fand in einem als „ Stimmungsbild parteifreier Kräfte aus dem Westen“ betitelten Text , die NPD vertrete wie Jahre zuvor schon keinen „systemalternativen Politikansatz“ mehr. Skoda schimpfte gar, die NPD glaube offenbar, vom „System“ etwas „geschenkt“ zu erhalten, wenn sie sich „stets freundlich und devot gebeugt“ zeige. Doch wer das denke sei „bereits soweit in diesem System angekommen, daß er selbst Teil des Problems geworden ist“. Da müsse die NPD sich nicht „wundern“, wenn sie künftig „auch so behandelt“ werde, drohte Skoda gar.

Der Streit geht weiter

Am 1. September 2007 zeigte die „Autonomen Nationalisten“ der NPD, dass sie längst eine nicht zu vernachlässigende Größe sind. In Dortmund fand am Antikriegstag ein Aufmarsch ausschließlich gegen die vom US-amerikanischen und israelischen Militär geführten Kriege statt. Der Hamburger Neonazi-Kader Christian Worch – selbst lange NPD-Gegner – schrieb später über den Marsch mit rund 500 Personen: „Es wurde darüber spekuliert, daß [er] eine Art ‚Heerschau’ der Autonomen Nationalisten und somit auch der Befürworter des ‚Nationalen Schwarzen Blocks’ werde. […] Wenn denn also der 1. September als ‚Heerschau’ verstanden werden sollte, so verlief sie auf jeden Fall positiv […].“ Vorneweg war bei dem Aufmarsch ein großer, bedrohlich wirkender „Schwarzer Block“ marschiert, rund die Hälfte aller Teilnehmer des Gesamtaufzuges waren „Autonome“ gewesen.

Mitte September richtete sich denn auch das NPD-Parteipräsidium nach den teils kontroversen Diskussionen und Streitereien mit einer weiteren Erklärung zum Thema „Autonome“ an das „nationale Lager“. Betont wurde, dass man weiterhin „ unvermindert die enge Zusammenarbeit mit dem überwiegenden Teil des freien nationalen Widerstandes“ anstrebe. Es gebe bei NPD-Versammlungen „keine Kleidervorschrift“. „Autonomen“ seien willkommen, so sie in halbwegs bürgerlicher Kleidung erscheinen würden. Und weiter: „Entgegen allen Unterstellungen richtet sich die Erklärung nicht gegen politische Inhalte, sondern gegen eine Erscheinungs- bzw. Aktionsform! Es geht um das billige Kopieren von Handlungen, Agitations- und Stilformen des Gegners. Sprüche wie ‚Bambule, Randale, Rechtsradikale’, ‚Ladiladio, Antifa – Hurensöhne’, ‚Linkes Gezeter – 9 Millimeter’, ‚All Cops are Bastards – ACAB’ u.ä., gegrölt von einem vermummt hüpfenden Mob, haben auf einer nationalen Versammlung nichts zu suchen […].“

Dessen ungeachtet betonten Parteichef Udo Voigt und Generalsekretär Peter Marx Mitte September zum niedersächsischen Wahlkampfauftakt in Hannover gegenüber anwesenden „Autonomen“, man werde weiter gemeinsam zusammenstehen. Voigts „persönlicher Sekretär“ und einst einer der führenden Köpfe im Lager der „Kameradschaften“ und „Freien“, Thomas „Steiner“ Wulff, ließ sich gar mit „Autonomen“ hinter einem Transparent derselben fotografieren, auf dem in Anlehnung auf dem Peter Marx zugeschriebenen Text des Parteipräsidiums zu den „Autonomen“ doppeldeutig zu lesen war „marxismus verhindern“.

Doch jene Signale waren längst nicht überall gehört worden. Wenige Tage nach Hannover entbrannte etwa im Rheinland und Ruhrgebiet eine neuer, heftiger Streit zwischen NPD und „Autonomen“. Letztgenannte erleben gerade in jenen Regionen seit Jahren Zulauf und gehören ebenso zu den Organisatoren oben genannten Dortmunder Aufmarsches, traditionell am Antikriegstag. Seit Jahresmitte hatten sich neben dem schon länger aktiven „Aktionsbüro West“ zudem „autonome“ Ortsgrüppchen in größeren „Aktionsgruppen“ und „Aktionsfronten“ organisiert, etwa die „AG Rheinland“ (Losung: „Kein System hält uns auf!“), die „AG Ruhr Mitte“ (Losung: „Wie die Fahnen so der Block“) oder die „Aktionsfront Hattingen“.

„Bis alles in Scherben fällt…“

Vertreter der „AG Rheinland“ waren es, die seit Juli 2007 gemeinsam mit dem NPD-Kreisverband Düren einen Aufmarsch „gegen Ausländerkriminalität und Inländerfeindlichkeit“ organisiert hatten. Dieser war für den 22. September geplant – musste letztlich jedoch ohne „Autonome“ stattfinden und wurde nach langer Planung für die NPD zum Desaster mit nur rund 150 Teilnehmern. Anlass für die Pleite waren Texte der NPD Düren und der personell eng mit der NPD verwobenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL).

Wenige Tage vor dem Aufmarsch schimpfte der Vorstand des NPD-Kreisverbandes Düren via Webveröffentlichung gegen die „AG Rheinland“. In dem Text hieß es, man werde „die uns [von den Behörden] erteilten Auflagen soweit erweitern, in dem wir […] Teilnehmer die mit Sturmmasken oder Kleidungsstücke der linken Szene ausgestattet sind, […] bei den Kontrollen dazu [auffordern] diese während der Demonstration abzugeben. Sollte man nicht damit einverstanden sein, werden wir diese Personen nicht zulassen. […] Wir sind keine Abziehbilder der Roten!“

Als Reaktion riefen die „Autonomen“ unter dem Dach des „Aktionsbüros West“ zum Boykott des Aufmarsches auf. Die KAL polterte wiederum gegen die „Autonomen“ und deren „linke“ Kleidung, die der KAL „gehörig gegen den Strich“ gehe. Der NPD warfen die „Autonomen“ wiederum „Hetze gegen den Nationalen und Sozialistischen Block“ vor. Die NPD in Düren sowie „anscheinend“ auch die KAL, deren Anführer zugleich stellvertretender Vorsitzender der NPD in Düren ist, würden „reaktionäre Ansichten“ vertreten. Schließlich ergänzte die KAL später in einer neuen Erklärung auf ihrer Homepage insbesondere wegen eines „Autonomen Nationalisten“ aus Aachen, er sei ein „Wichtigtuer“ und „Saboteur und Verräter“. Diesen „kleinen, 18 Jahre jungen Mann“ erinnerte die KAL denn auch daran, dass es schon im Dritten Reich „Saboteure und Verräter“ gab – was die KAL nicht schrieb aber meinte, war, dass diesen damals Inhaftierung, Gewalt, Folter und die Todesstrafe drohte.

Die Heftigkeit jener Anwürfe sorgte nicht nur dafür, dass der NPD in Düren am 22. September 2007 zwei prominente Redner ausblieben, nämlich Skoda und Wulff. Letztlich kam es sogar innerhalb der gesamten Braunszene in der Region zu heftigen Spaltungen. Sogar innerhalb einzelner Gruppen wie der KAL, kam es zu Spannungen zwischen Skinhead-Traditionalisten und Vertretern des „modernen NS“. Der bislang eng mit der NPD in Düren und der KAL kooperierende „Sturmbund Aachen“ (SBA) kündigte beiden bis auf weiteres ganz die „Kameradschaft“ auf. Und in der bislang ebenso eng mit der NPD in Düren kooperierenden Gruppe „Nationaler Widerstand Herzogenrath“ (NWH) ging der Riss sogar durch die Führungsriege. Ein Gründer und bis dahin auch Anführer des NWH legte gegenüber anderen Mitgliedern, die eher Skins und Hooligans sind, sein Amt nieder und marschiert nun mit den SBA-Leuten in den Reihen der „Autonomen“ mit.

Michael Klarmann

Dieser Beitrag von Michael Klarmann ist ursprünglich auf dem Portal „Mut gegen rechte Gewalt“ erschienen (2002-2022).

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