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Chronik Gewalt und Bedrohung durch Neonazis, Rassist*innen, Antisemit*innen – August 2014

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(Quelle: Wordle)

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Fehlende Vorfälle bitte per Mail an netz@amadeu-antonio-stiftung.de

31.08.2014, Ingolstadt

Nach dem bisher ermittelten Sachverhalt der Polizei standen drei bis vier junge Männer und zwei junge Frauen in der Nacht zu Sonntag, dem 31.08.2014, vor der Disco, als einer aus der Gruppe den 25-jährigen Senegalesen auf der Straße sinngemäß mit den Worten „Scheiß Nigger, geh nach Afrika!“ angegangen sei. Unmittelbar darauf soll er mit den Fäusten auf den Senegalesen eingeschlagen haben. Die anderen Männer aus der Gruppe kamen laut Bericht hinzu, schlugen ebenfalls mit Fäusten und traten auch mit den Füßen auf das bereits am Boden liegende Opfer ein. Dem Senegalesen gelang es, aufzustehen und zu flüchten. Anschließend sollen die Männer auf der Straße einen 26-jährigen Marokkaner in gleicher Art und Weise attackiert haben. Ein 27-jähriger Bundeswehrsoldat wollte eingreifen und die Attacken unterbinden. Er wurde laut Polizei von einem der Männer aus der Gruppe mit einem Faustschlag voll im Gesicht getroffen und außer Gefecht gesetzt. Danach ging die Gruppe geschlossen weg und bog in die Luftgasse ein. Dort verliert sich ihre Spur für die Polizei (Donaukurier).

31.08.2014, Chemnitz

Der 22-jährige Chemnitzer, der am 29.08.14 einem 46-jährigen Mann, welcher von zwei Männern rassistisch beleidigt aber auch geschlagen, getreten sowie beraubt wurde, zur Hilfe kam, wurde in der Nacht zum Sonntag selbst Betroffener eines Angriffs. Der junge Mann befand sich gerade auf dem Heimweg als ihn vier Männer attackierten. Zwei der Täter packten ihr Opfer und hielten es fest, während die anderen zuschlugen. Als der Betroffene sich befreien konnte, begann er um sich zu schlagen, woraufhin die Angreifer schließlich von ihm abließen. Der 22-jährige trug leichte Verletzungen davon und erstattete Anzeige bei der Polizei. Nach bisherigen Ermittlungen ergibt sich der Verdacht, dass es sich bei dem Angriff um eine Art Racheakt handeln könnte (RAA SachsenFreie Presse).

29.08.2014, Chemnitz

Der Mosambikaner Augusto Mendes ist in der Nacht von Donnerstag zu Freitag von zwei Männern überfallen und zusammengeschlagen worden. Dass er dabei nicht schwer verletzt wurde, hat er vermutlich nur dem beherzten Eingreifen eines 22-jährigen Kochs zu verdanken, der zu später Stunde gerade auf dem Heimweg war. „Ich hatte mich am Donnerstagabend mit einem Freund am Schloßteich getroffen. Wir haben geredet. Kurz nach Mitternacht wollte ich mich noch mit anderen Bekannten treffen“, erzählt Augusto Mendes. Vom Schloßteich aus sei er durch den Konkordiapark gelaufen, vorbei an der Skateanlage, in Richtung Leipziger Straße. Als er die Indoor-Kletterhalle erreichte, hätten ihn zwei Männer angesprochen und nach Zigaretten gefragt. „Ich hab ihnen Zigaretten und Feuer gegeben. Dann sahen sie meine Halskette und mein Armband. Plötzlich haben sie daran gezerrt und mich geschlagen“, berichtet der 46-Jährige, der schon seit 28 Jahren in Chemnitz lebt. Ein junger Koch sah die Prügelei, als er gerade mit dem Auto nach Hause fuhr: „Ich hielt an, stieg aus und ging dazwischen. Ich hatte keine Angst“, sagt der 22-Jährige. „Die beiden Männer haben dann auch mich geschlagen. Da hab ich mich gewehrt. Irgendwann rannten sie davon. Ich glaube, sie standen unter Drogen“, berichtet der junge Mann. Währenddessen hätten noch zwei weitere Passanten die Prügelei bemerkt und die Polizei alarmiert. Die beiden 24 und 27 Jahre alten Täter konnten noch in der Nacht gefasst werden (Freie Presse). Am 31.08.2014 wurde der engagierte Koch selbst Opfer eines rechtsextremen Übergriffs (siehe unter 31.08.2014, Freie Presse).

27.08.2014, Luckenwalde

Eine Scheibe des Asylbewerberheims in Luckenwalde ist zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstagmittag eingeschlagen worden. Die genauen Hintergründe sind noch unklar. Laut ersten Polizeiermittlungen gibt es aber keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Anschlag. Bei dem Fenster wurde die äußere Scheibe eines doppelt verglasten Fensters eingeschlagen. Das Fenster gehört zu einem Wirtschaftsraum und befindet sich an der Giebelseite des ersten Obergeschosses. Durch welchen Gegenstand das Glas beschädigt wurde, ist noch unklar (MAZ).

26.08.2014, Glauchau

Die Polizei hat Ermittlungen gegen den Meeraner Stadtrat und Kreistagsabgeordneten Patrick G. aufgenommen. Das NPD-Mitglied verschaffte sich am 26.08.2014, gemeinsam mit einer weiteren Person, Zugang in das Jugendhaus H2 für Jugend und Kultur in Glauchau und bedrohte einen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Der Abgeordnete forderte die Herausgabe des Namen und der Adresse einer dem Mitarbeiter bekannten Person. Da sich der Betroffene weigerte diese Information Preis zu geben, beleidigte Patrick G. ihn und drohte ihm ein weiteres Mal und mit mehr personeller Unterstützung vorbeizukommen, um seinen Willen umzusetzen (RAA Sachsen).

26.08.2014, Frankfurt

Ein Mitarbeiter des „Journal Frankfurt“ wird in Frankfurt-Bockenheim auf der Straße beschimpft. Er ist als Stadtführer für uns tätig und berichtet von einer Tour durch Bockenheim. Mitten auf der Leipziger Straße riss ihm ein Mann die Kippa vom Kopf, empfahl ihm das Gas, beschimpfte ihn als „Kindermörder“ und als „Drecksjuden“. Die Kunden unseres Stadtführers griffen ein, Passanten riefen die Polizei, doch die konnte nur wenig tun. „Ich fühle mich schuldig“, sagt unser Mitarbeiter. Hätte er die Kippa nicht getragen, wäre er nicht als Jude zu erkennen gewesen, dann wären auch seine Kunden nicht in Gefahr gewesen. Unser Mitarbeiter erinnert sich an andere Vorfälle in jüngster Zeit. Einmal, da stand er mit einer Gruppe vor der Alten Oper, erklärte die Geschichte des Gebäudes, das Wahre, Schöne, Gute. Ein bisschen weiter weg allerdings – am Opernbrunnen wurde grade gegen Israel demonstriert. Palästina-Fahnen wehten in der Luft, Plakate, auf denen „Kindermörder Israel“ stand, Leute von der Linken hielten ein paar Reden, plötzlich ruft es aus der Menge: „Da ist ein Jude, da ist ein Jude“ und Finger zeigen auf unseren Kollegen. Er entfernt sich lieber schnell. Man wird ja wohl noch die israelische Regierung kritisieren dürfen, die Besatzung, den Krieg, sagen viele. Richtig, sagt auch unser Stadtführer. Auch in Israel seien einige seiner Freunde nicht mit dem einverstanden, was die Regierung veranstalte, es gebe auch dort eine Opposition, die es nun, im Krieg, gewiss nicht leicht habe. Doch was habe er mit Israel zu tun, mit der israelischen Politik? „Ich bin ein deutscher Jude“, sagt er. Er sei Bürger der Bundesrepublik Deutschland, nicht des Staates Israel. 3,1 Promille Alkohol hatte der Angreifer aus der Leipziger Straße im Blut. Die Polizei rät, keine Anzeige zu erstatten. „Da haben Sie nichts davon.“ Seine Kippa trägt er nun nicht mehr – obwohl sie ihm viel bedeutet (Journal Frankfurt).

26.08.2014, Hannover

Wie die Hannoversche Allgemeine berichtete, wurde in der Nacht zum 26. August ein Brandanschlag auf den Rohbau eines neuen Asylbewerberheims im Stadtbezirk Bothfeld in Hannover (Niedersachsen) verübt. Ein Zeuge vernahm zunächst Geräusche und Stimmen und sah daraufhin eine Person vom Baustellengelände in Richtung der Straße An den Deichwiesen wegrennen. Anschließend hörte er einen Knall und bemerkte Flammen auf dem Dach des Neubaus, woraufhin er die Rettungskräfte alarmierte. Auf dem Dachstuhl des noch nicht fertiggestellten Gebäudes stand das Dämmmaterial in Flammen und erhitzte die umstehenden Flaschen mit Propangas. Nach etwa einer halben Stunde war der Brand unter Kontrolle. Brandermittler gehen von Brandstiftung aus. Gegen den oder die unbekannten Täter wird ermittelt (JW).

26.08.2014, Donaueschingen

Die Gemeinde ist schockiert: Nachdem der Kirchturm frisch gestrichen wurde, haben Unbekannte ihn mit einer rechtsextremen Schmähschrift beschmiert. Die nun anfallenden Sanierungskosten für den Schaden werden auf rund 7000 Euro geschätzt (Südkurier)

25.08.2014, Pulsnitz

In der Nach zum Montag malten Unbekannte Hakenkreuze auf insgesamt fünf Wahlplakate Am Schlosspark in Pulsnitz (RAA Sachsen).

25.08.2014, Konzell

Unbekannte haben in der Nacht zum Montag in Konzell (Landkreis Straubing-Bogen) die Fensterscheibe eines Hotels beschädigt. In dem Haus werden seit einigen Wochen auch Asylbewerber beherbergt. Die Kripo Straubing ermittelt und schließt einen rassistischen Hintergrund der Tat nicht aus. Der Sachschaden liegt bei etwa 500 Euro. Der Betreiber des Hotels hatte kurz nach 23 Uhr ein Knallgeräusch gehört, bemerkt hatte er die Beschädigung am Fenster erst am Vormittag.  Wie der Polizei erst jetzt bekannt wurde, ist bereits in der Nacht zum 15. August eine andere Fensterscheibe an diesem Objekt durch unbekannte Täter beschädigt worden. In dem Haus werden seit einigen Wochen auch Asylbewerber*innen beherbergt. Ob der oder die Unbekannten aus rassistischer Gesinnung heraus agierten kann nach Polizeiangaben nicht ausgeschlossen werden. Konkrete Hinweise darauf liegen bislang jedoch nicht vor (regio-aktuell.de).

25.08.2014, Büchen

In den vergangenen Wochen sind wiederholt rechtsextreme Aufkleber und Schmierereien in Büchen aufgetaucht. Gesprüht wurden unter anderem die Schriftzüge „Heimattreu“ und „NS-Zone“ (beratnet-sh.de).

22.08.2014, Berlin-Tempelhof

An der Haltestelle Am Heidefriedhof/Reißeckstr. der Linie 181 wurden eine rassistische Schmiererei („Islam raus“) und ein NPD-Auffkleber („Asylflut stoppen“) entdeckt (Berliner Register).

22.08.2014, Bernsdorf

Am 22.08.14 kam es zu einem Übergriff auf Besucher_innen des Lokomov, dem Projektraum des Klubs Solitaer e.V. Am späten Abend begaben sich sieben männliche Personen in die Räumlichkeiten, bestellten Bier ohne es bezahlen zu wollen, beleidigten anwesende Gäste rassistisch und stimmten das sogenannte U-Bahn-Lied an. Auf die Aufforderung der Betreiber_innen die Lokalität zu verlassen, reagierten die Männer mit weiteren Beschimpfungen. Sie bespuckten einzelne Gäste und griffen schließlich drei Personen körperlich an. Die gerufene Polizei konnte vier der Täter noch am gleichen Abend festsetzen und hat weitere Ermittlungen aufgenommen (RAA Sachsen).

21.08.2014, Berlin-Schöneberg

Ein 22-jähriger aus Afrika stammender Mann wird am Sachsendamm/Ecke Suadicanistr. von einem 53-jährigen rassistisch beschimpft. Als der junge Mann den Täter zur Rede stellt, bespuckt dieser ihn, tritt ihn und schlägt ihn mit einem Beutel, in dem sich eine Wasserflasche befindet. Auch die zu Hilfe eilenden Passanten werden fremdenfeindlich beschimpft. Diesen gelingt es, den Mann festzuhalten, bis die Polizei kommt, die den 53-jährigen für die Aufnahme einer Strafanzeige mitnimmt (Berliner Register).

21.08.2014, Erfurt

Der Vorsitzende des Ausländerbeirats in Erfurt, José Paca, ist auf offener Straße rassistisch beschimpft und bedroht worden. Der Vorfall ereignete sich bereits vergangene Woche in Erfurt-Nord. Der 52-Jährige setzt sich seit vielen Jahren für die Integration und politische Teilhabe der ausländischen Bevölkerung in Erfurt ein. Der gebürtige Angolaner hatte erst im Juli von Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz erhalten.  „Aber das kann ich mir nicht umhängen, es hätte mich auch nicht geschützt“, sagte Paca der Zeitung. Zwei Männern hätten ihn in der Hans-Sailer-Straße angepöbelt und mit einem Messer und einer Pistole bedroht. In der Straße gibt es eine Flüchtlingsunterkunft. Es sei jedoch niemand in der Nähe gewesen, der ihm hätte helfen können. Er habe anschließend Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Täter wurden bislang nicht gefasst (Thüringer Allgemeinemdr).

21.08.2014, München

Die rechtsextremistische Partei „Der dritte Weg“ versucht, die Diskussion über die neue Flüchtlingsunterkunft in der Romeiasstraße für ihre politischen Zwecke zu nutzen: Ein Flugblatt mit einschlägigen rechten Parolen gegen die Aufnahme von Asylbewerbern fanden Anwohner der Romeiasstraße in ihren Briefkästen. „Es ist unglaublich, dass diese Menschen die Situation hier für sich ausnutzen wollen“, kommentiert Roland Schoch, der in der Romeiasstraße zu Hause ist, das Flugblatt in seiner Post (Südkurier).

20.08.2014, Berlin-Schöneberg

Ein 53-jähriger Mann beleidigte einen 22-jährigen aus Afrika stammenden Mann am Mittwochnachmittag mehrfach rassistisch. Als das Opfer ihn zur Rede stellen will, spuckt, tritt und schlägt er den 22-Jährigen. Der Vorfall ereignete sich laut Polizei am Mittwoch gegen 14.45 Uhr beim Aussteigen aus einem Bus an der Ecke Suadicanistraße und Sachsendamm in Schöneberg (Tagesspiegel).

20.08.2014, Berlin-Charlottenburg

Eine Gedenktafel für ein Opfer eines Neonaziangriffs ist in Berlin-Charlottenburg erneut beschädigt worden. Wie die Polizei mitteilte, entdeckte ein Passant in der Nacht zu Mittwoch mehrere Löcher, Dellen und Kratzer in der Tafel auf dem Günter-Schwannecke-Spielplatz. Teilweise sei der Text nicht mehr lesbar. Der Polizeiliche Staatschutz hat die Ermittlungen übernommen (Neues Deutschland, Berliner Register).

19.08.2014, Schönbeck

Die Szene, wie sie die Polizei später anhand ihrer ersten Ermittlungen beschrieb, muss angsteinflößend gewirkt haben: Es war demnach später Mittwochabend, als am Asylbewerberheim in Schönebeck (Salzlandkreis) mehrere Autos mit zehn bis 15 Mann vorfuhren. Fünf der Unbekannten im geschätzten Alter zwischen 25 und 30 Jahren sollen dann trotz Wachdienst das Heim gestürmt und offenbar zielgerichtet drei Syrer gesucht haben. Bei der folgenden Auseinandersetzung sei einer der Bewohner gestürzt und habe sich Hautabschürfungen an der Hand zugezogen, teilten die Ermittler gestern mit (Mitteldeutsche Zeitung).

19.08.2014, Bielefeld

Drei Vorfälle aus acht Tagen, gefischt aus Regionalzeitungen und Randspalten: In Bielefeld brannten am 11.08.2014 in einer Moschee zwei Korane und ein Gebetsteppich. In der folgenden Nacht schlugen Flammen aus einem neuen Moschee-Anbau in Berlin Kreuzberg. 60 Feuerwehrleute brauchten eine Stunde, um die Flammen zu löschen. Es gibt keine Hinweise auf einen technischen Defekt. Am19.08.2014 nun, wieder in Bielefeld, stiegen die Täter am frühen Morgen durchs Fenster ein. Sie stapelten Bücher aufeinander, darunter mehrere Korane, und zündeten sie an (Zeit Online).

18.08.2014, Waren

Anhänger der rechtsextremen Szene haben in Waren schwarze Holzkreuze aufgestellt und Transparente mit Hetzparolen gegen die Bundesrepublik angebracht. Wie die Polizei am Montag mitteilte, wurde in der Müritz-Stadt zudem das Denkmal für die Opfer des Faschismus verunstaltet. Anlass für die offenkundigen Provokationen war der Todestag von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß (Die Welt).

18.08.2014, Jerichower Land

Eine Reihe von Plakaten mit rechtsextremen Aufschriften hat die Polizei am Wochenende im Jerichower Land entdeckt. In Burg, auf der Bundesstraße zwischen Dannigkow und Gommern sowie in Gommern selbst seien Plakate und Aufkleber an Verkehrszeichen, Wänden und Mauern angebracht worden, teilte die Polizei am Montag mit. Allein auf dem Bahnhofsvorplatz in Gommern seien es 25 Plakate gewesen, hieß es (Die Welt).

18.08.2014, Erfurt

Drei Männer skandierten am Freitag an einem Wahlkampfstand der „Linke“ mehrmals „Sieg Heil“ und zeigten den Hitlergruß. Laut Polizeiinformationen hatten sie zuvor die Mitarbeiter des Wahlstandes beschimpft (Thüringer Allgemeine).

17.08.2014, Bautzen

In der Nacht zum Sonntag sprühten Unbekannte vier Hakenkreuze an die Eingangstür des Büros der Partei Die Linke (RAA Sachsen).

17.08.2014, Berlin-Charlottenburg

In einem Supermarkt in Charlottenburg in der Kantstraße rief eine Frau am 17. August nachmittags Parolen, die den Nationalsozialismus verherrlichen. Die 26-Jährige zeigte Angestellten, die sie des Ladens verwiesen hatten, den Hitlergruß und rief dazu „Heil Hitler“. Der Supermarkt hatte sonntags geöffnet und ist damit wohl am S-Bahnhof Zoologischen Garten gelegen (Berliner Register).

16.08.2014, Ueckermünde

Rechtsextreme haben in Ueckermünde eine Bushaltestelle mit dem Schriftzug „Freiheit – NS jetzt“ beschmiert. Nun ermittelt die Kripo und sucht Zeugen. Wie die Polizei Montag berichtete, geschah der Vorfall offenbar zwischen Sonnabend, 21 Uhr, und Sonntag, 7.30 Uhr, am Haffring in Ueckermünde. Der oder die Täter hatten den rechtsextremen Schriftzug auf eine Wand des Wartehäuschens gesprüht (Nordkurier).

16.08.2014, Tangermünde

In der Nacht zum Sonnabend wurde durch Jugendliche der Außenbereich des Netto-Marktes in der Kirschallee in Tangermünde verunstaltet. Die Täter ritzten ein Hakenkreuz, SS-Runen sowie weitere Symbole in die Lagertür (Volksstimme).

16.08.2014, Berlin-Kreuzberg

Die Polizei hat in den Abendstunden des Sonnabend einen 25 Jahre alten Neonazi in einem Café an der Oranienburger Straße in Mitte festgenommen. Dieser hatte zuvor einen Türken mehrfach beleidigt und anschließend sein T-Shirt hochgezogen und seine Brust entblößt – darauf hat er ein Hakenkreuz tätowiert (Berliner Morgenpost).

16.08.2014, Rickling

Nachdem die Gemeindevetretung von Rickling eine kostenlose Ausgabe von Freibad-Saisonkarten für in der Gemeinde untergebrachte Asylbewerber/-innen beschlossen hatte, versucht die NPD nun, dies für Stimmungsmache zu nutzen. In Beiträgen im Internet bezeichnen die Rechtsextremen die Aktion als „abschreckendes Beispiel für [den] […] Ungeist antideutscher Unterwürfigkeit gegenüber allem Fremden“.  Am Samstag den 16.08. kam eine kleine Gruppe von Rechtsextremen zu einer Kundgebung in Rickling zusammen. Bürgermeister Christian Thoman (ABR) hat angekündigt, am Kurs der Willkommenskultur seiner Gemeinde festhalten zu wollen. (beratnet-sh.de).

15.08.2014, Potsdam

Wie die Potsdamer Neuesten Nachrichten berichteten, griffen am Abend des 15. August in der Potsdamer Plattenbausiedlung Am Schlaatz (Brandenburg) zwei junge Männer eine 70jährige Bewohnerin eines Flüchtlingsheims an. Die gehbehinderte Frau aus Russland war am Freitagabend mit ihrem Rollator auf der Straße unterwegs, als die beiden um die 30 Jahre alten Männer sie unvermittelt angriffen und mit Schlägen und Tritten verletzten. Die beiden Begleiterinnen der Frau, von denen eine im Rollstuhl sitzt, beobachteten den Überfall. Gegen die Angreifer wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Wegen des möglichen rassistischen Hintergrunds der Tat wurde der Staatsschutz eingeschaltet (JW).

14.08.2014, München

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche rief Stadtrat und NPD-Mann Karl Richter zu einer Demonstration gegen das Erstaufnahmelager für Asylbewerber auf. Wie schon beim ersten Mal kamen auch am vergangenen Donnerstag 120 Vertreter des Stadtrates, Anwohner und junge Gegendemonstranten aus dem autonomen Milieu zusammen, um den Rechten zu zeigen, dass sie nicht willkommen sind (tz online).

14.08.2014, Grafrath

Drei Wochen nach den Filmveranstaltungen “Bunt statt Braun”, mit denen die Evangelische Jugend im Dekanat Fürstenfeldbruck Flagge gegen fremdenfeindliche und nationalsozialistische Bewegungen zeigte, wurden in Grafrath Aufkleber einer rechtsradikalen Gruppierung geklebt. “Dass ausgerechnet einer unserer Schaukästen verunstaltet wurde, in dem wir für die “Aktionswoche gegen Rechtsradikalismus” warben – die Schaukästen rundum am S-Bahnhof aber nicht beklebt wurden – lässt uns vermuten, dass da jemand gezielt die evangelische Kirche im Visier hat” meint Pfarrer Christian Dittmar (Kreisbote).

14.08.2014, Bautzen

Auf einem Kinderspielplatz wurden zahlreiche rechte Parolen und Symbole festgestellt (RAA Sachsen).

14.08.2014: Dresden Gorbitz

In der Nacht zum Donnerstag wurden Hauswände, Kleidercontainer und Haltestellen entlang der Harthaer Straße, der Sanddornstraße sowie dem Hagebuttenweg mit 72 Hakenkreuzen in einer Größe von bis zu zwei mal zwei Meter beschmiert (RAA Sachsen).

13.08.2014, Kaßberg

Am 13.08.14 legten Unbekannte antisemitische Propaganda im Umweltzentrum in der Henriettenstraße in Chemnitz aus. Dabei handelt es sich um Bücherkataloge mit Werken zu Verschwörungstheorien und zur Holocaustleugnung. Einige der Bücher sind strafrechtlich relevant. Die Betreiber_innen des Umweltzentrum haben bei der Polizei daraufhin Anzeige u.a. wegen Volksverhetzung erstattet (RAA Sachsen)

12.08.2014, Greiz

Weil er ein Wahlplakat der NPD abgerissen haben soll, wurde vor einem Monat ein ­18-Jähriger in Greiz-Pohlitz ver­prügelt, informiert auf Anfrage Jens Wörmann von der Staatsanwaltschaft Gera über den aktuellen Ermittlungsstand in dieser Sache. Am 12. August gegen 22.45 Uhr wurde der 18-jährige Kosovare in der Theodor-Storm-Straße angegriffen. Der junge Mann verlor einen Zahn und trug Schürfwunden im Gesicht davon. Drei Tat­verdächtige konntengefasst werden, nachdem ihnen zunächst die Flucht gelang. Zu der Gewalttat sei es gekommen, weil der Kosovare, der im Asylbewerberheim gemeldet ist, von drei Deutschen verdächtigt worden sei, ein NPD-Plakat herunter gerissen zu haben. Ob der 18-Jährige das tatsächlich getan hat, sei laut Staatsanwaltschaft noch nicht klar (otz).

12.08.2014, Berlin-Pankow

In der Nähe des S-Bahnhofes Heinersdorf werden sehr viele Aufkleber der NPD u.a. mit dem Slogan „Geld für Oma statt für Sinti und Roma“, „Asylflut stoppen“ oder „D-Mark statt Europleite“ endeckt und entfernt. In der S-Bahnhofshalle selber befinden sich zwei „Anti-Antifa“ Schmierereien und auf einem Verteilkasten befindet sich eine Schmiererei mit „Islam raus.“ (Berliner Register, hassvernichtet.de)

12.08.2014, Berlin-Tempelhof

An dem Briefkasten an der Bushaltestelle Röblingstr./Attilastr. der Linie 184 (Richtung Südkreuz) wurde eine rassistische Schmiererei („Islam raus“) entdeckt (Berliner Register).

12.08.2014, Berlin-Kreuzberg

Lange wurde gerätselt, jetzt ist es sicher: Das Feuer in der Mevlana-Moschee in Kreuzberg ist nach den Ermittlungen der Polizei vorsätzlich gelegt worden, es war ein Anschlag. „Wir können jetzt ausschließen, dass es sich um einen technischen Defekt handelte,“ sagte Polizeipräsident Klaus Kandt am Dienstag, nachdem er gemeinsam mit Innensenator Frank Henkel (CDU) die Moschee besucht hatte. Auch Fahrlässigkeit sei auszuschließen. „Wir gehen jetzt von einer Vorsatztat aus.“ Wie berichtet, war in einem noch nicht fertiggestellten Anbau der Moschee in der Skalitzer Straße in der Nacht zum 12. August ein Feuer ausgebrochen. Die Flammen verrußten auch die Fassade der Moschee (Tagesspiegel).

12.08.2014, Traunreut

Der junge Asylbewerber war nach bisherigen Informationen allein unterwegs, als er gegen 22 Uhr auf seine späteren Angreifer traf. Den genauen Ort des Geschehens konnte der Verletzte aufgrund sprachlicher Barrieren bisher nicht angeben, lediglich, dass es sich in der näheren Umgebung der Waginger Straße ereignet haben soll. Der junge Mann wurde von einem Unbekannten angesprochen und kurz darauf unvermittelt mit einem spitzen Gegenstand in den linken Unterarm gestochen (Traunsteiner Tagblatt).

11.08.2014, Woldegk

Der Neubrandenburger Staatsschutz ermittelt nach einem rechtsextremistischen Vorfall in einem Einkaufsmarkt in Woldegk (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Wie eine Polizeisprecherin in Neubrandenburg schilderte, soll ein Unbekannter einem schwarzen Jugendlichen offen mit seinem im Halsbereich tätowierten Hakenkreuz gedroht haben. Der Vorfall habe sich am Montag ereignet, als der 14-Jährige mit seiner 71 Jahre alten Großmutter zum Einkaufen war (Nordkurier).

10.08.2014, Schleswig

Schon seit einigen Wochen tritt die rechtsextreme „Bruderschaft“ „Nordic 12“ im Internet auf. Unter anderen auf der Seite der Rechtsrock-Band „Legion Germania“ aus Bremen wurden immer wieder Fotos von Mitgliedern unter anderem auf Sylt veröffentlicht. Bei den Wikingertagen in Schleswig war am Wochenende eine Gruppe von ca. 15 Männern mit „Nordic 12“ Pullovern unterwegs. Seit vergangenem Jahr sind sogenannte „Bruderschaften“, die sich stilistisch an Rockern orientieren, eine neue Organisationsform von Neonazis aus Norddeutschland. Im Raum Schleswig ist auch die rechtsextreme „Bruderschaft“ „Brigade 8“aktiv. (beratnet-sh.de).

10.08.2014, Berlin-Prenzlauer Berg

Sie saßen angetrunken in der Kneipe, sie waren zu zehnt, sie kamen offensichtlich vom Fußball. Einer rief dann rassistische Beleidigungen. Wie die Polizei mitteilte, seien die zehn Männer in einer Kneipe Fußballfans gewesen, die zuvor beim Spiel des BFC Dynamo gegen Auerbach gewesen seien (Tagesspiegel).

10.08.2014, Sonderhausen

In der Nacht zu Sonntag haben Unbekannte den Jüdischen Friedhof in Sondershausen geschändet. Ein Grabstein sei umgestoßen worden und der Zaun zerstört worden, erklärte Reiner Stranz von der Landespolizeiinspektion Nordhausen (Thüringer Allgemeine).

08.08.2014, Glösa-Draisdorf

Von Mittwoch zu Donnerstag kam es auf dem Stiftsweg und dem Rennsteig zu mehreren Sachbeschädigungen. Unbekannte beschmierten Fassaden, Briefkästen und Gartenzäunen. Unter anderem wurde auf dem Fußweg des Rennsteiges ein Hakenkreuz gesprüht. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Sachbeschädigung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgenommen (RAA Sachsen).

08.08.2014, Neumünster

Wie das Bündnis gegen Rechts Neumünster (BgR) mitteilt, fand am Freitag den 08.August ein von Neonazis organisiertes Grillfest in einer Kleingartenkolonie in Neumünster statt. Dem BgR zufolge, reisten hierzu Rechtsextreme aus vielen Regionen Schleswig-Holsteins an. Am Folgetag richtete die als Treffpunkt der rechten Szene bekannte Neumünsteraner Kneipe „Titanic“ ein Fußballturnier in der Stadt aus. (beratnet-sh.de)

06.08.2014, Pinneberg

Unter dem Pseudonym „Felix Steiner“ hat sich ein unbekannter Täter zu einer Serie von Brandstiftungen an PKW in Rellingen bekannt. In zwei Bekennerschreiben im Internet gab „Steiner“ Täterwissen preis und schrieb, es handele sich um eine „Kriegserklärung“. Die „arrogante Gemeinde“ solle bluten, seine Gruppe werde „gnadenlos Feuer legen und Menschen auch angreifen“. Felix Steiner war ein in der rechtsextremen Szene als Held verehrter General der Waffen-SS. Dass der Täter dieses Pseudonym wählt, weckt Erinnerungen an eine Serie von Anschlägen und Drohungen in Rellingen in den Jahren 2006 und 2007. Damals konnte die Polizei zwei Täter überführen und festnehmen, die rechtsextrem eingestellt waren und unter anderem ein Bombenattentat auf ein stättisches Fest geplant hatten. (beratnet-sh.de)

06.08.2014, Berlin-Tempelhof

Am Eingang des Mariendorfer Volkspark (Rixdorfer Str./Alt Mariendorf) wurden an einer Skulptur eine antisemitische Schmiererei („Juden raus“) und ein Hakenkreuz entdeckt und entfernt (Berliner Register).

06.08.2014, Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen haben Unbekannte erneut antisemitische Parolen an Wände geschmiert. Nachdem Mitte Juli bereits ein Fenster der Synagoge zertrümmert wurde und der FC Schalke 04 angeboten hatte die Kosten für ein neues Fenster zu übernehmen, wurde jetzt eine Wand mit dem Logo von Schalke beschmiert (Der Westen).

04.08.2014, Görlitz

In der Nacht zu Dienstag wurde Am Stadtpark in Görlitz ein 27 x 23 Zentimeter großes Hakenkreuz an die Tür eines städtischen Lagerraumes gesprüht (RAA Sachsen).

04.08.2014, Berlin-Schöneberg

In Schöneberg wird ein Aufkleber der NPD („Inländerfreundlich“) entdeckt und entfernt, ebenso ein Aufkleber zum „Tag der Patrioten“ (Berliner Register, hassvernichtet.de).

04.08.2014, Berlin-Treptow

An der Bushaltestelle „Hänselstraße“ wurden zwei Hakenkreuze geschmiert (Berliner Register).

03.08.2014, Reutlingen

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben gegen 3 Uhr Uhr etwa zehn vermeintliche Neonazis vor der Wohnung des Mitglieds der Partei „Die Linke“ und aktiven Zelle-Mitarbeiters Parolen wie „Sieg Heil“ skandiert und eindeutige Drohungen gerufen, heißt es in einer Mitteilung von Rüdiger Weckmann von Kreisverband der Linken (Reutlinger Nachrichten).

02.08.2014, Münster

Am Samstag gewann der SC Preußen Münster in Aspach gegen den VfB Stuttgart 2 in der 3. Liga mit 3:0. Nach der Partie kam es zu einem rassistischen Vorfall gegen Co-Trainer Babacar N‘Diaye durch eine Person aus dem Anhang Münsters (Westfälische Nachrichten).

01.08.2014, Berlin

Vom Brandenburger Tor zur NPD-Zentrale: Nach einer Neonazi-Kundgebung am Brandenburger Tor fuhren mehrere Neonazis, darunter auch eine Delegation aus Tschechien, zur NPD-Zentrale in die Seelenbinderstraße (Berliner Register).

 

Übrigens: Die Häufigkeit, mit der eine Region hier auftaucht, sagt nicht unbedingt etwas darüber aus, dass es dort mehr rechtsextreme Vorfälle als andernorts gibt – sondern vor allem, dass es dort ein besseres und aktuelleres Meldesystem für derartige Vorfälle gibt. So gibt es etwa in der östlichen Bundesländern Opferberatungsstellen, die Monitoring betreiben – in den westlichen Bundesländern bisher kaum. Hier sind wir auf Pressemeldungen und Initiativenberichte angewiesen. Das fehlende systematische Monitoring dort macht den Rechtsextremismus schwerer sichtbar – da ist er leider trotzdem.

Angelegt am 01.08.2014

 

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