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Eskalation in Köln Schulterschluss von Neonazis und Hooligans unter dem Label „HoGeSa“

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Teilnehmende der Demonstration in Köln: Kategorie C steht für die Einordnung als „gewaltsuchender“ Fußballfan. Ist aber auch der Name einer rechten Hooligan-Band, die bei der Demonstration spielte. (Quelle: flickr.com // Felix M. Steiner)

Dominik Roeseler, Parteimitglied von Pro NRW, führte die Demonstration der HoGeSa trotz Kritik aus den Reihen der sich überparteilich gebenden Hooligans mit an. Weitere Neonazigruppen aus Ruhrgebiet und Rheinland, unter ihnen Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt oder der NPD Landesvorsitzende von Thüringen waren ebenfalls in Köln.  Auf weiten Strecken unbegleitet von der Polizei konnten die gewaltbereiten Hooligans und Neonazis im Anschluss an eine Kundgebung auf dem Breslauer-Platz demonstrieren. Dabei wurden Fotograf*innen, Journalist*innen und Passant*innen am Eigelstein sowie im linksalternativen Kunibertsviertel angegriffen und verletzt. Gegen Ende der Demonstration eskalierte die Situation am und auf dem Breslauer-Platz. Die Anhänger*innen der HoGeSa zündeten Böller, warfen Flaschen und einen Polizeiwagen um. Die Lage am Breslauer-Platz geriet lange außer Kontrolle und so konnte die Randale weitgehend ungehindert von der Polizei stattfinden konnte.

Schulterschluss zwischen organisierten Rechten und Fußballhooligans

„Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ schallte immer wieder durch die Demonstration und kennzeichnet deutlich, was die nach anfänglichen Lippenbekenntnissen „nicht-rechten“ Hooligans mit den organisierten Neonazis auf der Demonstration gegen Salafismus verbunden hat. Die Thematisierung der islamistischen Gefahr ist nur ein Deckmantel, unter dem sich blanker Rassismus und Nationalismus verbergen. Dass Fußballhooligans besonders im Ruhrgebiet rechts orientiert sind, stellt dabei keine Neuheit dar. Ebensowenig kann die Gewalt vom Wochenende als besonders überraschend gewertet werden. Die genutzten Ausdrucksformen wie Flaschenwürfe und das Zünden von Feuerwerkskörpern gehört zum Standardrepertoire gewaltbereiter Fußballfans, ebenso die Wald- und Wiesenkämpfe der Hooligans sind lange bekannt.

Neu ist die politische Organisierung außerhalb vom Fußballstadion

Neu sind die Qualität der Organisierung, der Zusammenschluss verfeindeter Hooligangruppen und die politische Ausrichtung der Handlung außerhalb vo Fußballstadion. „Getrennt in den Farben, vereint im Hass“ ist einer der Leitsprüche der 2013 gegründeten „Hooligans gegen Salafismus“, die zunächst wie eins dieser Facebook Phänomene erschien. Schon die Kundgebung Ende September in Dortmund mit 300 Teilnehmenden und nun die Eskalation der Demonstration in Köln zeigen aber, dass diese Gruppe handfeste Realität ist. Gefundene Aufhänger sind die zunehmende Sorge über den Islamischen Staat und seine Unterstützer*innen sowie ein wachsender antimuslimischer Rassismus in der deutschen Bevölkerung, der eine Bewegung wie „HoGeSa“ anschlussfähig macht. Es wird sich zeigen, inwieweit die Parteien und institutionalisierte Politik ablehnenden radikalen Hooligans den Schulterschluss mit Pro NRW, Die Rechte oder der NPD gedeihen lassen oder ob sich auf folgenden Veranstaltungen ein anderes Klientel versammelt. Allerdings gilt es nun, die ideologischen Schnittmengen zu untersuchen. Und zu betonen, dass Fußballhooligans eben auch neonazistisch orientiert sein können, wie schon seit den 1980er Jahren, als die rechtsradikale Hooligangruppe „Borussenfront“ groß wurde und seitdem nie wirklich verschwand, klar ist.

„Kein Veedel für Rassismus“ organisierte Gegenkundgebung am Kölner Dom

Entgegengesetzt wurde dem in Köln zu wenig. Das Bündnis „Kein Veedel für Rassismus“, das zur Gegenkundgebung aufgerufen hatte, konnte nur 1200 Menschen an den Kölner Dom mobilisieren. Aus Kreisen der Kölner Antifa ist zu hören, dass man zwar mit einem Aufmarsch der Rechten in der erfolgten Größenordnung gerechnet habe, aber die Mobilisierungszeit zu kurz gewesen sei und kaum Gruppen aus anderen Städten zur Kundgebung angereist seien. Überrascht ist man vom Unvermögen der Polizei, die gewaltbereiten Hooligans in Schach zu halten.

Kritik am Polizeiversagen

Zwar sprach Polizeisprecher Christoph Gilles im Vorfeld der Demonstration in Köln davon, dass man mit einer realistischen Zahl Demonstrierender rechne und entsprechend vorbereitet sei – in der Realität sah das anders aus. Zwar verteidigte der Innenminister von NRW Ralf Jäger (SPD) im Nachhinein das Konzept der Polizei, funktioniert hat im Rückblick aber nur die Strategie, die parallel laufenden Demonstrationen in der Kölner Innenstadt voneinander zu trennen. Die  Angriffe auf die Polizeieinheiten sowie 49 verletzte Polizeibeamt*innen sowie das Unvermögen, eine gesicherte Abreise der HoGeSa Anhänger*innen zu gewährleisten, sprechen eine andere Sprache. Das Polizeiversagen ist so gerade in Köln bitter, wo der NSU Nagelbomben-Anschlag auf die Keupstraße geschah, die Polizei jahrelang und auf dem rechten Auge blind ermittelt hat und die Betroffenen des Anschlags ins Visier nahm, statt nach mutmaßlichen rechten Täter*innen zu fahnden.

Ideologische Schnittmengen auch mit polnischen Hooligans

Bei den Ausschreitungen 2012 in Warschau wirft ein Hooligan Steine auf die eingesetzten Polizeibeamt*innen. Bildquelle: Theo Schneider.

Zur Demonstration in Köln wurden außerdem polnische Hooligans erwartet, deren Militanz und rechtsextreme Orientierung auch den deutschen Medien kein Geheimnis sind. Die Bilder von Köln erinnern stark an den jährlich stattfindenden Aufmarsch in Warschau zum polnischen Nationalfeiertag, an dem regelmäßig tausende Hooligans und Neonazis teilnehmen. Eine Berliner Antifa-Aktivistin erinnert im Gespräch mit Fussball-gegen-Nazis.de daran, dass das Vorgehen der HoGeSa Anhänger*innen in Köln ein ähnliches paramilitärisches Ausmaß wie in Polen annehmen könnte und der vergangene Sonntag für die junge Bewegung ein klarer Erfolg war. So wie Innenminister Jäger aus NRW jetzt fordert, das Versammlungsgesetz zu verschärfen und künftige Aufmärsche zu verbieten, wurde 2012 nach Ausschreitungen der Hooligans in Warschau, das polnische Versammlungsgesetz eingeschränkt. Auch Bundesinnenminister Thomas De Maiziére (CDU) äußerte laut WDR, derartige Veranstaltungen hätten mit Demonstrationsfreiheit nichts mehr zu tun und sollten untersagt werden.

Ausblick

Zwar werden in den Sozialen Netzwerken neue Versammlungen in Berlin und Hamburg angekündigt, aber es ist zu erwarten, dass die Polizei anders als in NRW auf die möglichen Ausmaße vorbereitet ist. Aktiv werden müssen aber auch antifaschistische und zivilgesellschaftliche Kräfte, um der menschenfeindlichen Hetze von HoGeSa etwas entgegenzusetzen und sich gegen das Erstarken eines muslimenfeindlichen Rassismus in der Gesellschaft zu wehren.

 

Weiterführende Links im Netz und auf fussball-gegen-nazis.de

– 11 Freunde: Nazis auf den Rängen

Sind Ultras eigentlich rechtsextrem? Antwort von Fußballfanforscher Jonas Gabler.

– Fortlaufende Presseschau auf rechtsextremismus.info

Weiterlesen

NPD-Verbot – Chance und Risiko

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