Weiter zum Inhalt

Euthanasie

70 000 Menschen sind zwischen 1939 und 1941 dem sogenannten Euthanasie-Programm des Nationalsozialismus‘ zum Opfer gefallen. Bis heute wird dies von manchen Rechtsextremisten geleugnet.

 

Revisionisten sagen, die Euthanasie-Aktionen hätten zwar stattgefunden, hätten aber bloß einen „humanitären Charakter“ gehabt.

Tatsache ist, dass die Auslese nach dem „Recht des Stärkeren“ Bestandteil nationalsozialistischer Ideologie war, neben der Verfolgung ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten. Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen, psychisch Kranken sowie so genannten Asozialen wurde die Lebensberechtigung abgesprochen. Ein Brief aus Hitlers Staatskanzlei setzte Ende Oktober 1939 die Mordaktion in Gang. Hitler ermächtigte seinen Leibarzt Karl Brandt unheilbar Kranken „bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes den Gnadentod“ zu gewähren. Zunächst wurde für die Morde Kohlenmonoxid verwendet. Die Zentrale der Mordaktion erhielt den Titel „Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten“ und bezog Räume in der Tiergartenstraße 4 (die Abkürzung lautete T4) in Berlin. Auf Kindermord spezialisierte sich der „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“. Mehr als die Hälfte der deutschen medizinischen Institute benutzte die Leichen der Opfer übrigens für ihre „medizinische Forschung“. Besonders die deutsche Hirnforschung profitierte davon.
Im Sommer 1941 prangerte der Münsteraner Bischof Clemens von Galen öffentlich die „Euthanasie“ kranker und behinderter Menschen an und drohte, Anzeige wegen Mordes zu erstatten. Daraufhin ließ Hitler die Tötungsaktionen offiziell einstellen. Im Geheimen wurden danach bis Ende der nationalsozialistischen Herrschaft weitere 50.000 Menschen ermordet.

Mit der Lüge über die Euthanasie verhält es sich ähnlich wie mit den anderen geschichtsverfälschenden Aussagen der Rechtsextremen: Sie soll die deutsche Geschichte reinwaschen.

Zum Thema

| Text aus Meyers Lexikon (Euthanasie)

| Ein Essay zur NS-Euthanasie von Willy Dreßen

Literatur

Das Buch Euthanasie im NS- Staat von Ernst Klee (Frankfurt/M, 1999)

Das Buch Deutsche Medizin im Dritten Reich Karrieren vor und nach 1945 von Ernst Klee ( S. Fischer Verlag, 2001)

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Weiterlesen

Volkstanz II (verpixelt)

Baden-Württemberg Kinder im Bann völkischer Ideologie

Der völkische „Bund für Gotterkenntnis“ veranstaltet abgeschottete Treffen im „Jugendheim Hohenlohe“ in Baden-Württemberg. Bereits Kinder und Jugendliche werden mit der Ideologie der Antisemitin Mathilde Ludendorff vertraut gemacht.

Von
2019-06-01 Chemnitz TddZ 2 (203)

Symbole und Erkennungszeichen Hammer und Schwert

Hammer und Schwert sollten während der NS-Diktatur eine Gemeinschaft von Soldaten und Arbeitern symbolisieren. Beliebt wurden es wieder in den 1990er Jahren, als viele der neu gegründeten „Freien Kameradschaften“ das Symbol für ihre Darstellungen aufgriffen.

Von
sigmund-anna-freud-1

Anton Freud „Ich bin sicher, Großvater hätte das gebilligt“

Sigmund Freuds Enkel Anton wurde als „Nazijäger“ von der britischen Geheimdienst ausgebildet. Am 4. Juni 1938 emigrierte der 82-jährige, schwer…

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.