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Horst Wessel

Horst Wessel, ein 1930 getöteter SA-Sturmführer, wurde von den Nationalsozialisten als Märtyrer der Bewegung inszeniert. Daran knüpft die Neonazi-Szene bis heute an.

 

Wessel dient vor allem Neonazis aus dem Spektrum der „Kameradschaften“ und „Freien Nationalisten“ als Vorbild ? sie sehen sich selbst in der Tradition der SA-Straßenkämpfer.

Hintergrund: Horst Wessel leitete als SA-Sturmführer den Berliner Trupp „Sturm 5“, der für seine Brutalität und seine Gewalttaten berüchtigt war. Der Pfarrerssohn aus Bielefeld trat zudem häufig als Redner bei Parteiveranstaltungen der NSDAP auf. Der damalige Gauleiter und spätere Propagandaminister Joseph Goebbels lobte seinen „fabelhaften Idealismus“. 1930 wurde Horst Wessel im Alter von 22 Jahren von einer kommunistischen Gruppe angeschossen und verstarb später im Krankenhaus.

Die Führungsspitze der NSDAP inszenierte Wessel als Märtyrer und Prototyp eines mutigen und opferbereiten Nationalsozialisten. Joseph Goebbels notierte unmittelbar nach Wessels Tod in sein Tagebuch: „Soeben kommt die Nachricht: Horst Wessel ist heute früh gestorben. Ein neuer Märtyrer für das Dritte Reich.“ Ein Gedicht, das Wessel in der nationalsozialistischen Zeitschrift Der Angriff veröffentlicht hatte, wurde zum Text für die zweite Nationalhymne des NS-Regimes. Es ist noch heute unter dem Namen „Horst-Wessel-Lied“ bekannt.

Da Wessel schon vor Beginn des NS-Regimes starb, verkörpert er für die extreme Rechte das Ideal eines reinen und idealistischen Nationalsozialisten, der nicht mit den Verbrechen des Regimes in Verbindung gebracht werden könne. Jährlich versuchen Neonazis, Horst-Wessel-Gedenkveranstaltungen durchzuführen, besonders in Berlin und Brandenburg. Sein Grab auf einem Berliner Friedhof war bereits während der NS-Zeit zentraler Ort des Wessel-Kultes und ist es auch bis heute noch. Das Horst-Wessel-Lied wird regelmäßig in rechtsextremen Kreisen – etwa bei Nazifeiern – gehört. Allerdings ist es strafbar, das Lied öffentlich erklingen zu lassen.

Zum Thema

| Ein Essay von Daniel Siemens über Horst Wessel

| „Das Lied, das aus dem Pfarrhaus kam“ – ein Essay von Manfred Gailus

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