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Im Fussball ist kein Platz für Rassisten

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Einmischen

Zunächst einmal ist es unerlässlich, dass man bei rassistischen oder antisemitischen Sprüchen nicht einfach weghört. Das gilt übrigens auch bei vielen weiteren diskriminierenden Sprüchen ? wer sich nicht einmischt, weghört oder entsprechend verhält, erweckt bei den Krakeelern den Eindruck, als wäre man klammheimlicher Sympathisant.

Trotzdem sollte man sich nicht naiv selbst in Gefahr begeben, denn ? in aller Regel – sind die gröhlenden Männer eine aufeinander verschworene Gruppe!
Es gilt also, sich der Unterstützung der Umgebung zu vergewissern beziehungsweise sie sich zu organisieren. Wie macht man das? Am besten durch Ansprache. Die wenigsten sind ja alleine im Stadion, sondern mit Freunden oder Bekannten.

Ordnungsdienst und Polizei

Der erste Schritt sollte jedoch immer sein, dass man den deutlich gekennzeichneten Ordnungsdienst informiert. Dieser muss entsprechend handeln, gegebenenfalls durch Mithilfe von Polizeikräften.Das sollte man auch auf den An- und Abmarschwegen beherzigen, denn eine geschlossene Gruppe von sich rassistisch gebärdenden Menschen wird sich von Sicherheitskräften am ehesten beeindrucken lassen.

Lautstark gegen Neonazis

In einer Stehkurve hat sich immer das Gegenansingen bewährt: „Nazis raus!? wird dann sehr schnell von der sonst schweigenden Mehrheit mitgebrüllt.

All diese Möglichkeiten dienen letzten Endes dazu, den Rassisten, Antisemiten oder Schwulenfeindlichen die Deutungshoheit und Hegemonie der Fankurve streitig zu machen.Und ein deutliches Zeichen für Zivilcourage und Integration sowie Multikulturalität abzugeben, die sich ja gegenwärtig in so großartiger Weise auch auf dem Spielfeld abbildet.

Mit Regeln gegen Rassisten

Ein Vereinsvorstand kann immer über strukturelle Möglichkeiten einwirken, beispielsweise über entsprechende Verbotsparagraphen in einer Hausordnung. Sinnvoll ist es außerdem, sich einmal das Fanartikel-Angebot der Verkaufsstände im Stadion anzuschauen und zu überprüfen.

Rassistische und diskriminierende Schmierereien sollten möglichst schnell entfernt werden. Und bei der Zusammenstellung des Ordnungsdienstes ist eine entsprechende Auswahl des Personals eigentlich selbstverständlich. Schließlich sollen die Ordner ja nicht Teil des Problems sein, das eigentlich nicht toleriert werden soll.

Außerdem ist es wichtig, dass die Repräsentanten des Klubs sich eindeutig gegen menschenfeindliche Verhaltensweisen äußern und deutlich machen, dass es keine stillschweigende Toleranz und kein Wegschauen und ?hören gibt.

Rote Karte gegen Rassismus

Auch das Team kann einiges machen: Der frühere Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft Ruud Gullit schlug Anfang der 1990-er Jahre vor, dass man bei rassistischen Zwischenfällen aufhört zu spielen und geschlossen vom Platz geht ? damals wurde ihm eine Sperre angedroht. Inzwischen muss ein Schiedsrichter darauf reagieren, ein Spiel unterbrechen und dann einen strikten Regieplan mit Ansprache an Mannschaftskapitäne, Stadiondurchsagen bis hin zur Spielunterbrechung „abarbeiten“.

Die Fußballverbände haben in den vergangenen Jahren ein deutliches Bekenntnis zur Multikulturalität und Integrationskraft des Fußballs abgegeben, welches inzwischen zu deutlich sichtbaren Veränderungen geführt hat. Waren es noch Anfang der 1990-er Jahre die aktiven Fans aus den Kurven, die entsprechende Botschaften per Banner in die Stadien und zum Mittelkreis trugen, so haben inzwischen mit vielfältigen Aktionen auch die Spieler selbst Zeichen gesetzt.

In besonderer Weise haben in den Jahren 2006 und 2007 alle Mannschaften und Zuschauer der 1. und 2. Bundesliga gemeinsam dem Rassismus die Rote Karte gezeigt ? im Rahmen der „Football Fans Against Racism“-Aktionswoche in ganz Europa. Die DFL setzt ein weiteres Zeichen mit dem Mottospieltag gegen das Vergessen ? jeweils in zeitlicher Nähe zum Tag der Befreiung von Auschwitz.

Die Mannschaftskapitäne haben im modernen Fußball auch deshalb eine bedeutende Rolle, da sie es sind, die sich bei entsprechenden Vorfällen sich an die Zuschauer wenden. Zwar werden sie vorrangig nach ihrem Leistungsvermögen im Fußballspielen beurteilt, aber nicht wenige sind sich ihrer übergreifenden Bedeutung in außergewöhnlicher Weise bewusst. So war beispielsweise Jürgen Klinsmann neben zahlreichen Engagements in sozialen Projekten Mitbegründer des Vereins zum Erhalt der Kinderbaracken von Auschwitz. Philipp Lahm vom FC Bayern München gründete eine Stiftung für soziale Projekte und hat sich in zahlreichen Interviews als nachdenklicher und vorbildhafter Fußballer gezeigt, der sich eine Meinung zu Alltagsdiskriminierung nicht verbieten lässt.

Schnelle Reaktionen auf Unterwanderung

Doch neben aller symbolträchtigen Politik ist es der Alltag, auf den es nach wie vor ankommt: Deshalb ist bei allen Klubs die Bereitschaft ausgebaut worden, auf rassistisches, diskriminierendes und antisemitisches Verhalten von Gruppen unverzüglich und mit den gebotenen Mitteln zu reagieren.

Vor einem halben Jahr haben sich die Sicherheits- und Fanbeauftragten sehr umfassend über die aktuellen Entwicklungen und Agitationsformen von menschenverachtenden Organisationen und Gruppen der extremen Rechten informiert. Damit soll auch in Zukunft sichergestellt werden, dass auf die oft unterschwelligen und knapp unter der Einschreitschwelle operierenden Botschaften, Codes und Zeichen der rechtsextremen Gruppen schnell und angemessen reagiert werden kann.

Diese Aufgabe wird nicht einfacher werden. Ein beruhigtes Zurücklehnen ist ausgeschlossen, da allgemein die Gefahren von einem sich stets modernisierenden Rassismus nicht unterschätzt werden dürfen.

Dass rassistisches Verhalten von Vereinsmitgliedern nicht nur geächtet wird, dürfte selbstverständlich sein. Hier muss ganz eindeutig der Ausschluss aus der Gemeinschaft des Klubs oder das Stadionverbot erfolgen.
Denn im Fußball ist kein Platz für Rassisten, Antisemiten und alle anderen Zivilisationsfeinde.

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