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Martin Hoffmann Geburtswehen der Online-Diskussion

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(Quelle: Dietz Schwiesau)

Nie war es so einfach, seine Meinung zu äußern. Konnte man das früher nur in einem begrenzten Rahmen und mit einem mehr oder weniger großen logistischen Aufwand (wie kommt der Leserbrief zum Briefkasten?), ist es heute ohne Weiteres möglich, einen Kommentar im Netz abzugeben. Das Senden war also nie so einfach wie heute. Was darunter gelitten hat, ist das Zuhören, das aufeinander Eingehen. Eine Welt, in der jeder immer nur sendet, führt unweigerlich zu einer Kakophonie – und damit zu unschönen Misstönen. 

Was würde helfen, sie wieder zu beleben?

Wir müssen als Gesellschaft definieren, was es heißt, im Internet zu diskutieren. Dafür braucht es einerseits einen gesellschaftlichen Konsens darüber, was akzeptiert ist und was nicht. Andererseits braucht es aber auch Leute, die diesen Konsens und seine Regeln dann verteidigen. Und genau daran krankt es aus meiner Sicht: Zu wenig Leute schalten sich aktiv in Diskussionen ein. Zu oft werden Grenzüberschreitungen passiv hingenommen, statt aktiv dagegen vorzugehen. Dabei kann jede einzelne Stimme helfen, die Debattenkultur zu verbessern. 

Was hat das Internet damit zu tun?

Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Regeln, die für eine Debatte gelten, dank des Internets neu definiert werden. Was wir derzeit in den Kommentaren auf Websites und in Social Media sehen, sind gewissermaßen die Geburtswehen der Online-Diskussion, auf die wir in ein paar Jahren (hoffentlich) lachend zurückblicken werden. Wie bei jeder neuen Technologie braucht es eine Weile, bis sich die Gesellschaft auf Regeln und Normen im Umgang damit verständigt hat. Ich bin aber ziemlich zuversichtlich, dass dieser Prozess erfolgreich gemeistert wird.

 

Martin Hoffmann kommt aus der Social-Media-Praxis: Er war von 2014 bis 2015 Leiter Social Media Welt N24 GmbH und als solcher verantwortlich für den Ton der Kommentierung von seriös-sachlich bis humoristisch-sarkastisch vor allem gegenüber fakten- und respektresistenten Diskutierenden, was sogar zu eigenen Facebook-Fanseiten der Kommentarpraxis führte (z.B. Der „Die Welt“ Praktikant). Heute entwickelt und leitete er das erste deutsche Startup für „Conversational Journalism“, die RESI Media UG.

 

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