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Frühjahrsputz bei Instagram und Facebook Die Identitären verlieren viele Kanäle

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Läuft nicht bei Martin Sellner: Prozess steht an, computer beschlagnahmt - und jetzt sind auch noch Instagram und Facebook weg. (Quelle: Screenshot Twitter, 31.05.2018)

 

 

Aufmerksamkeit im Internet ist das Manna, von dem sich die „Identitären“ nähren. Jedes kleinste Ereignis im Leben der IBler*innen wird fotografiert, gefilmt, vertont, vervielfältigt und mit Bedeutung aufgeladen. Man interviewt sich gegenseitig und empört sich über die Zustände im Land. Im Moment müssen sich IBler*innen besonders viel beschweren: In Österreich wird ein Verfahren gegen die IB Österreich als „kriminelle Vereinigung“ angestrebt (BTN berichtet). Dank der staatlichen Repressionen wird Martin Sellners „Patriot Peer“-App nicht fertig (vgl. BTN). In Großbritannien wird Tommy Robinson (Ex-English Defense League, Pegida- und IB-Fan) verhaftet, als er sich als angeblicher Reporter in den Gerichtsprozess gegen eine Grooming-Gang einschleicht (dazu morgen mehr, Text in Arbeit).

Und jetzt minimieren sich auch noch die Kanäle für Beschwerden. Vor allem auf Instagram haben sich die „Identitären“ wohl gefühlt: Politische Statements im vorpolitischen Raum, Macht der Bilder nutzen, Vernetzung, Spaß und Feiern des rechten Lifestyles standen dort im Vordergrund. Nun ist damit Schluss: Zumindest offizielle Accounts, die die „Identitäre Bewegung“ im Namen trugen, sind nun gesperrt.

Nicht das es wieder heißt, wir schreiben Listen: Diese hat ein IB-naherAccount selbst veröffentlicht.

 

Dazu gehören der Account von IB-Anführer Martin Sellner, Ib Deutschland, Ib.noe, Ib_berlinbrandenburg, ibwien, ibschwaben, ib _nrw, ib_sachsen, nrwmaedels_identitär und generation_id, schreibt eine (noch) nicht gesperrt IB-Freundin. Die „privaten“ Accounts von IB-Aktivist*innen, die allerdings auch für die Verbreitung von IB-Propaganda verwendet werden, sind dagegen weiter online.

Martin Sellner, der kaum eine Sekunde ohne Social Media Posts leben kann, hat den Vorfall bereits auf Twitter via Video kommentiert:  „Instagram Löschung. Wir sind in einer feindliche Matrix“. Er beklagt den Verlust von „10 oder 11.000“ Followern, obwohl der doch nur „Urlaubsfotos aus den Alpen aus den Bergen und Kinderbilder“ gepostet hätte. Allerdings widerspricht er sich gleich in den nächsten Sekunden des Videos: „Es nervt mich ein bisschen, denn es hat mir schon Spaß gemacht, Instagram, und es war auch ein politisches Werkzeug , (…) weil heute junge Leute Facebook nicht mehr verwenden.“ Instagram sei ein gutes Tool und Werkzeug, „um die emotionale Barriere zu durchbrechen, wenn behauptet wird, Patrioten seien Monster (…) Ein bisschen Einblick ins Privatleben zeigt doch, das wir ganz normal sind.“

Nun, diese „schöne“ Zeit ist erst einmal vorbei. Sellner versuchte, wie er berichtet, sich ein neues Profil anzulegen, das sofort geblockt wurde, woraufhin er ein neues Facebook-Profil anlegen wollte – das alte mit 28.000 Followern war schon vor rund einem Monat gesperrt worden. Aber auch das neue Profil wurde bereits vor Veröffentlichung geblockt.

Denn auch auf Facebook tun sich Dinge: Auch hier sind größere IB-Accounts im Laufe des heutigen Tages gesperrt worden, unter anderem der „Identitären Bewegung Deutschland“, „Identitäre Bewegung Österreich“ und der „Identitären Bewegung Sachsen-Anhalt“, was eigentlich der Account von „Kontrakultur Halle“ ist, der vor kurzem zum IB-Account des Bundeslandes umbenannt worden war.

Übrigens hat die Löschung nicht nur ideelle Folgen für die IB, wie Sellner ebenfalls im Twitter-Video von 31.05.2018 um 08:47 Uhr berichtet:  Für ihn seien Social Media und YouTube auch wichtige Einnahmequellen, es entstehe ein „immenser wirtschaftlicher Schaden.“ Sein YouTube-Kanal ist allerdings (noch) online.

Auch wenn Sellner sich natürlich kämpferisch gibt („Wir sind eine Hydra, wenn sie einen Kopf abschneiden kommt ein neuer raus.“), muss er doch auch konstatieren:  Als „Patriot“ befände man sich „in einer feindlichen Matrix“, sei nur geduldet: „Die Social Media Welt gehört uns nicht (…). Wir gelten als Feinde des Systems [was sie ja auch sind], sie wollen uns rausdrängen.“ Und wessen Profil noch nicht gelöscht wurde, der sei „nicht effektiv genug, nicht groß genug.“

Verantwortlich für die Löschung macht Sellner übrigens nicht etwa die Erwähnung als rechtsextreme Vereinigung in diversen Verfassungsschutzberichten oder den Prozess in Österreich, sondern „Meldeaktionen linker Liebestrolle“. Das ist wohl als Kompliment an „Reconquista Internet“ zu verstehen.

Die Bannung demokratie- und verfassungsfeindlicher Bewegungen aus Sozialen Netzwerken ist eine Wahrnehmung sozialer Verantwortung durch die Netzwerke, die Mut macht.

Übrigens hat auch der neurechte Antaios Verlag von Götz Kubitschek am Morgen vermeldet, dass Amazon seine Bücher aus dem Programm nimmt.

Bereits Anfang Mai hat der islamfeindliche und „Politically Incorrect“-nahestehende Münchner Aktivist Michael Stürzenberger seinen YouTube-Kanal verloren, den er vor allem für islamfeindliche Inhalte verwendet hatte.

Sellner ruft übrigens dazu auf, nun rechte Soziale Netzwerke aufzubauen. Damit käme die rechte Sphäre wieder zurück in die Form wenig öffentlichkeitswirksamen internen Austausches in geschlossenen Zirkeln, die es zuvor in Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre gegeben hat – ein erstrebenswertes Ziel.

 

Ergänzung 01.06.2018

„Organisationen oder Personen, die organisierten Hass verbreiten, sind weder auf Facebook noch auf Instagram erlaubt“, sagte eine Facebook-Sprecherin am Donnerstag zu dpa.

Die „Identitäre Bewegung“ fällt also nun unter Facebooks Definition von „Hassorganisationen„: Hassorganisationen, ihre Anführer und bekannte Mitglieder; Eine Hassorganisation wird wie folgt definiert: Jedweder aus drei oder mehr Personen bestehender Zusammenschluss, der unter einem Namen, Zeichen oder Symbol organisiert ist und dessen Ideologie, Aussagen oder physische Handlungen Personen aufgrund bestimmter Eigenschaften, wie u. a. Rasse, religiöse Zugehörigkeit, Nationalität, ethnische Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung, schwere Erkrankung oder Behinderung, angreifen.

Facebook hatte im April seine Gemeinschaftsstandards (Community Standards) erstmals transparent veröffentlicht, einsehbar hier. Ein guter Schritt zu mehr Klarheit und offenbar auch der Moment, mehr gesellschaftliche Veranwortung gegenüber für das friedliche Zusammenleben in Deutschland zu übernehmen.

Es wurden übrigens auch diverse islamistische Accounts gesperrt.

 

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