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„Merkel hängen“, „Du darfst hier keine Bilder machen“ Mittendrin in der AfD-Demo

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Alexander Gauland, Beatrix von Storch und Jörg Meuthen bei der AfD-Demo am 27.05. in Berlin (Quelle: picture alliance / AA)

Am 27.05. ist die AfD durch Berlin marschiert. 5.000 Demonstrant*innen konnte die Partei aus dem gesamten Bundesgebiet in die Hauptstadt mobilisieren. Die Rechtspopulist*innen stießen dabei auf gigantische Gegenwehr der Zivilgesellschaft. 13 Gegenveranstaltungen mit mehr als 25.000 Teilnehmer*innen setzten ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und für eine offene Gesellschaft.

Die AfD betonte immer wieder, wie friedlich die eigene Demo verlaufen sei. Der Aufmarsch, der unter dem Motto „Zukunft Deutschland“ stand, sei ein Zeichen für die Meinungsfreiheit gewesen und selbstverständlich ein großer Erfolg.

In der Demo ging es allerdings nicht ganz so friedlich zu, wie die Partei es so gerne nach außen kommuniziert. Einer der Demonstrationsteilnehmer der AfD-Demo hat in einem Video die gesamte Demonstration aus Teilnehmer*innen-Perspektive dokumentiert und auf YouTube hochgeladen. Die Aktivist*innen-Gruppe ReDoc hat  einen Zusammenschnitt des Videos auf Twitter hochgeladen, der einige der schlimmsten Ausfälle dokumentiert.

Das Originalvideo ist weiterhin auf YouTube abrufbar und liegt der Redaktion vor. Vor allem der Hass auf die Bundeskanzlerin scheint die Demonstrierenden zu einen. „Merkel stürzen“ wird begeistert skandiert. Zu hören ist auch  „Heil Merkel“, ein Slogan, der von mehreren Demonstrierenden aufgenommen wird.

Schließlich wird sogar die Todesstrafe für die Kanzlerin gefordert. Die „Zukunft Deutschland“-Demonstrant*innen skandieren „Merkel hängen“. Einmal läuft der Filmer an zwei Journalisten vorbei, die auf einem Stromkasten stehen und die Demo fotografieren. Schon andere Demonstrierende haben die beiden offenbar erkannt: „Die sind doch von der Antifa“ wird gegrölt. „Ratte. Holt die runter da.“ Die beiden Männer werden weiter bedroht: „Die da oben, das sind doch Linke, oder?“ Aus unklaren Gründen denkt der Filmer, die beiden Fotografen wären Mitarbeiter der Amadeu Antonio Stiftung, was sie nicht sind.  „Bist du schon mal von oben runtergefallen? Das geht ganz schnell, du.“ Und weiter: „Zecken werden irgendwann mit der Klatsche erschlagen.“ Ein anderer Journalist wird mit den Worten bedrängt: „Verpiß dich du linke Zecke. Du sollst mich nicht fotografieren.“ Mehrere der Demonstrierenden drehen sich um und fragen, wer der Journalist sei. Und auch hier wieder: „‚Ne linke Zecke von der Amadeu Antonio Stiftung.“ Auch dieser Journalist hat keine Verbindung zur Stiftung. Die Umstehenden mischen sich ein: „Was machst du hier? Du darfst keine Bilder machen. Verpiß dich hier, wir wollen nicht in irgendwelchen Antifa-Hetzblättern landen.“ Dann fordern die Demonstrierenden, natürlich ohne rechtliche Grundlage, den Presseausweis des Journalisten. „Willst du baden gehen? Das geht ganz schnell“, „Linke Ratte.“ Einige andere Demonstrierende fordern immerhin aber auch: „Lass den in Ruhe, die können doch nichts.“ Später heißt es in Richtung der Gegendemonstranten: „Macht sie platt! Macht sie platt.“ Und: „Ich wollte eigentlich sagen Feuer frei, aber das lass ich mal lieber.“ Drei junge Männer werden gefilmt die per Megaphon verkünden: „Bambule, Randale, wir kommen von der Saale“ und später „Ob Ost, ob West, nieder mit der Zeckenpest.“ Eine Demonstrantin skandiert, wieder in Richtung der Gegendemo: „Antifa! Tod! Antifa! Tod!“

 

[Video] Bei Aufmarsch der #AfD in #Berlin (27.5.2018) forderten Sympathisanten dieser Bundestagspartei #Bundeskanzlerin Angela #Merkel zu stürzen und aufzuhängen. Ferner wurden #Journalisten mehrfach bedroht und attackiert. #StopptDenHass #NoHateSpeech @AngelaMerkeICDU @DJVde pic.twitter.com/xgWpldaPbb

— Re Doc (@ResDocs) 31. Mai 2018

 

Interessant ist auch der mutmaßliche Filmemacher. Das Originalvideo wurde auf dem YouTube-Kanal „Christoph Kastius“ hochgeladen. Christoph Kastius kommt aus dem Reichsbürgerumfeld und ist unter anderem in der Szene dafür bekannt, schon 1999 mit einer ungeladenen Schreckschusspistole das Studio des Fernsehsenders n-tv gestürmt und gedroht zu haben, sich vor laufender Kamera zu erschießen, sollte ihm die Telekom nicht seine Schulden erlassen. Später war er mit einer Axt in einem Berliner Jobcenter aufgelaufen, mit der er Bildschirm und Tastatur einer Mitarbeiterin zerschlug und zwei Glastüren zerstörte.

Nicht nur der Filmemacher, sondern auch dieser Einblick in die AfD-Demo zeigen einmal mehr, welches Klientel die Partei anspricht und wie viel Hass und Gewaltfantasien bei der angeblich so friedlichen Demo in der Luft lagen.

 

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