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Neonazi-Rapper Mr. Bond liefert den Soundtrack zum Rechtsterrorismus

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Mr. Bonds Alben "Mein Kampf Mixtape Vol. 1488" und "Woke Alone (The Mixtape)"
Mr. Bonds Alben "Mein Kampf Mixtape Vol. 1488" und "Woke Alone (The Mixtape)" (Quelle: Mr. Bond)

Der Nazirapper Mr. Bond ist ein Musiker so originell wie sein Künstlername – mit 007 hat er allerdings wenig gemeinsam. Seit 2016 produziert der 36-Jährige aus Kärnten in Österreich Coverlieder von Popsongs, die er mit antisemitischen, rassistischen und nationalsozialistischen Inhalten füllt: Eine Art „Weird Al“ Yankovic der Neonazi-Szene, der Charthits mit rechtsextremen Texten neu vertont. Die Titel seiner Alben lassen über Mr. Bonds politische Gesinnung wenig Interpretationsspielraum: „Mein Kampf Mixtape Vol. 1488“ hieß sein selbstveröffentlichtes Debüt – 20 Coverversionen von Künstler:innen wie Jay Z („88 Problems“), The Bloodhound Gang („The Mosque is on Fire“) und The Scorpions („Wind of Adolf“). Das Albumcover zeigt Hitler mit Sonnenbrille und einer Hakenkreuz-Goldkette.

2017 erschien das Follow-Up-Album, ebenfalls ohne Plattenfirma und als MP3-Dateien ins Netz gestellt: „Mein Kampf Mixtape Vol. 1488 Chapter II“ mit Tracks wie „Everything I Do, I Do It For Jews“ (nach Bryan Adams) oder „Fuehrer’s State of Mind“ (nach Billy Joel). Ebenfalls 2017 veröffentlichte Mr. Bond 18 weitere Parodie-Lieder auf dem Album „Woke Alone (The Mixtape)“. 2018 folgte „A Nazi Goes To Africa“, 2019 kam sein bisher letztes Album „Screw Your Optics, I’m Going In (The Mixtape)“. Mr. Bond will Volksverhetzung „humorvoll“ machen. Im Vergleich zu den einschlägigen Rechtsrock-Bands und NS-Rappern versucht Mr. Bond es mit Witz: Er bezieht sich beispielsweise auf Memes und Imageboardkultur. Die Produktionsqualität seiner Hasshits bleibt allerdings in der Regel amateurhaft.

Vor allem Rapmusik will Mr. Bond parodieren: Er covert Künstler wie Eminem, 50 Cent, Wu Tang Clan und Dr. Dre. Viele Songtitel enthalten das N-Wort, erwähnen Juden oder verherrlichen den Nationalsozialismus. So deutet er eine subversive Subkultur um, die aus marginalisierten schwarzen Communitys entstand und sich politisch gegen Diskriminierung und Rassismus positionierte. Doch auch Rocksongs oder sogar Weihnachtslieder sind auf seinen Alben zu finden: Placebos „Pure Morning“ singt Mr. Bond als „Pure Zyklon“, Whams „Last Christmas“ ändert er in „Mass N******“.

Öffentlich bekannte Auftritte von Mr. Bond, der weitgehend anonym bleiben konnte, gab es bislang nicht. Seine Identität war lange ein Geheimnis: Der österreichischen Zeitung Der Standard zufolge wohnte der Neonazi in Wien. In faschistischen Online-Foren ist Mr. Bond seit Jahren unterwegs mit dem Nutzernamen „anon24431009“ – im Darknet und auf Imageboards, wie Der Standard berichtet. Dort verbreitet er rassistische und antisemitische Hetze, schreibt aber auch über seine Hobbys wie Radfahren und Gewichtheben. Fast überall wittert er eine jüdische Verschwörung und leugnet mit dem Begriff „Holohoax“ die Shoah.

Als an Jom Kippur im Oktober 2019 ein schwer bewaffneter Rechtsterrorist zur Synagoge in Halle fuhr, mit dem Ziel, die dortigen 52 Menschen zu ermorden, hörte er den Mr.-Bond-Song „Powerlevel“ – eine Parodie des Future-Lieds „Mask Off“. Im Song rappt Mr. Bond etwa „rep the fash, gotta rep the fash“ (zu Deutsch sinngemäß: „repräsentiere den Faschismus“) und „master race, antithesis to the Jew“ („Herrenrasse, Antithese zum Juden“). Im Sommer 2020 sagte der Halle-Attentäter vor Gericht aus, der Mr.-Bond-Titel sollte als „Kommentar zur Tat“ fungieren. An seinem Vorhaben scheiterte er allerdings: In die Synagoge gelang der Rechtsterrorist nicht, stattdessen erschoss er die Passantin Jana L. sowie Kevin S. in einem benachbarten Dönerladen. Mr. Bond zeigte sich wenig beeindruckt vom Anschlag. Wenige Tage danach schrieb er: „Jetzt ist es offiziell. Der Typ erschoss nur zwei Deutsche, keine Moslems oder Ähnliches. Ein massives Versagen.“

Am Tag des rechtsterroristischen Christchurch-Anschlags im März 2019, als ein Attentäter in zwei neuseeländische Moscheen 51 Menschen ermordete und 40 weitere verletzte, bezeichnete Mr. Bond ihn als „Heiligen“ und schrieb: „Ich liebe diesen Mann…Stellt euch 100 Brentons vor – auf der ganzen Welt“. Und weiter: „Auch wir müssen uns bereit machen, um losschlagen zu können, und das sehr bald.“ Kaum zwei Wochen nach dem Anschlag veröffentlichte Mr. Bond als User „anon24431009“ eine deutschsprachige Übersetzung des Christchurch-Manifestos mit dem Titel „Der große Austausch“ – ein Dokument des Hasses, das zum Mord an Migrant:innen sowie Jüd:innen und Juden aufruft. Seine Übersetzungsarbeit an dem 100-seitigen PDF hatte er im Forum in Echtzeit kommentiert. Später widmete er dem Christchurch-Killer den Track „Holding Out For A Tarrant“, inspiriert von Bonnie Tyler – ein Song offenbar so extrem, dass er selbst von der berüchtigten Streamingplattform „Bitchute“ entfernt wurde.

Ebenfalls nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) durch den Neonazi Stephan E. jubelte Mr. Bond. In einem US-amerikanischen Forum kommentierte er den rechtsterroristischen Anschlag: „Wir haben einen neuen deutschen Helden!“, der „einen antideutschen, antiweißen Politiker weggeblasen!“ habe.

Auch offline hat Mr. Bond offenbar Kontakte zur rechtsextremen Szene: Bereits im Jahr 2017 versuchte er im Forum der US-Neonazi-Webseite „Daily Stormer“ ein Treffen in Wien für sogenannte „Stormers“, Mitglieder des Forums, zu organisieren, gemeinsam mit dem Wiener Betreiber der antisemitischen Webseite „Judas.Watch“. Laut dem Standard und der ARD-Sendung „Report München“ gab es zudem mehrere Treffen zwischen Mr. Bond und Kader der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ um Martin Sellner.

In letzter Zeit ist es ruhig um Mr. Bond geworden: Am 20. Januar 2021 wurde er nach Ermittlungen des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) in seinem Haus in der Kärntner Gemeinde Paternion festgenommen. Die Vorwürfe: Die Verbreitung von NS-Gedankengut sowie Verhetzung. Bei der Hausdurchsuchung wurden Waffen, eine Reichskriegsflagge, NS-Devotionalien, Festplatten und Liedtexte sichergestellt. Auch Konsequenzen wegen Urheberrechtsverletzungen drohen Mr. Bond. Er könnte zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werden. Auf Anfrage von Belltower.News teilt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Wien mit, dass sich Mr. Bond noch in Untersuchungshaft befindet. Die Ermittlungen gegen ihn dauerten noch an, hieß es. Über einen Termin für den Prozessbeginn konnte die Sprecherin keine Auskunft geben.

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