Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Ozan Keskinkilic Raum für Komplexität, Ambivalenz und Widerspruch fehlt

Von|
(Quelle: Elif Kücük)

In unserer gegenwärtigen Debattenkultur breitet sich der Nährboden aggressiver Ideologien immer weiter aus, und das in der Mitte der Gesellschaft. Dazu zählen Antisemitismus, Rassismus, aber auch Sexismus, Homo- und Transphobie. Besonders beunruhigend ist, in welcher Normalität und Alltäglichkeit dieses vermeintliche „Wissen“ abrufbereit steht und nicht mehr hinterfragt wird. Das sehen wir auch daran, wenn leichtsinnig auf populistische Argumentationsweisen zurückgegriffen wird, und der Raum für Komplexität, Ambivalenz und Widerspruch fehlt

 

Was würde helfen, sie wieder zu beleben?

In Anbetracht der Tatsache, dass unsere Debattenkultur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist, kommen wir nicht umher, soziale Machtverhältnisse auch im Dialog zueinander und übereinander zu thematisieren. Das fängt mit Selbstkritik und Selbstreflektion an, sich über eigene Privilegien bewusst zu werden und dem Anderen zuzuhören. Storytelling kann hier ein nützliches Werkzeug sein, marginalisierte Stimmen zu empowern und eine respektvolle Kultur der Kommunikation zu erschaffen, die machtsensibel ist und sich für ein inklusives Gesellschaftskonzept einsetzt. 

Was hat das Internet damit zu tun?

Nehmen wir das Beispiel des antimuslimischen Rassismus. Im Internet finden insbesondere Verschwörungstheorien über die „Islamisierung Europas“ leichte Verbreitung, wie etwa in islamfeindlichen Internetforen der Fall ist. Neben dem Angebot an antimuslimischen Narrativen bieten sich hier außerdem Mobilisierungkanäle, um Muslim*innen und jene, die sich für Marginalisierte einsetzen, zu attackieren, und das nicht nur digital. Es bleibt nicht bei „Hate Speech“, denn die Gewalt verlagert sich auch auf Straßen, sie wird organisiert. Umso wichtiger halte ich Kübra Gümüsays Aufforderung an uns alle, Liebe zu organisieren und ein Gegengewicht zu setzten, digital und analog.

Ozan Keskinkilic ist Politikwissenschaftler, Aktivist und politischer Bildner. Er forscht an der Alice Salomon Hochschule Berlin zu postnazistischer Erinnerungskultur, deutscher Kolonialgeschichte und Narrativen des antimuslimischen Rassismus.

 

Alle Beiträge zum Thema Debattenkultur

Weiterlesen

referencesprojects_sami_7

Meinungsbeitrag Über Günter Nooke, Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin

Der Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, hat vor einigen Monaten den Kalten Krieg mit dem Kolonialismus verglichen und afrikanische Gesellschaften als andersartig dargestellt. Zivilgesellschaft, Verbänden und Politik reagierten und verurteilten die Aussagen. Anlass zur Hoffnung, dass Deutschland sich in Teilen immer bewusster und offener mit seiner kolonialgeschichtlichen Verantwortung auseinandersetzt? Ein Gastbeitrag von Sami Omar.

Von|
issy-bailey-tEIHSmfwznM-unsplash

Rezension „Die Gesellschaft des Zorns. Rechtspopulismus im globalen Zeitalter“

„Schließlich bedanke ich mich … bei meinen Bekannten aus der AfD, die mir in vielen Diskussionen ihre gesellschaftlichen Sichtweisen dargelegt haben.“ Die Danksagung ist ein Schlüssel zu Cornelia Koppetschs Bestseller „Die Gesellschaft des Zorns“. Die Professorin für Soziologie offenbart in ihrem neuen Buch Schwierigkeiten, sich von den Deutungsmustern der Rechten abzugrenzen.

Von|
Eine Plattform der