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„Die Partei“ deckt auf, dass die AfD ihren Hass mit Social Bots verbreitet

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"Die Partei" hat auch die Admin-Rechte der ehemaligen Seite "FREUNDE von Björn Höcke" übernommen. (Quelle: Screenshot Facebook-Gruppe "Freunde von BERND HÖCKE")

 

 

Facebook spielt für den Erfolg der AfD eine wichtige Rolle – besonders jetzt im Wahlkampf. Die rechtspopulistische Partei hat auf Facebook mehr Fans als CDU, SPD, Grüne, Linke und die FDP. In sowohl öffentlichen, als auch in nicht-öffentlichen Gruppen teilen AfD-Anhänger Hetz-Bilder und Fake-News. 31 dieser nicht-öffentlichen Gruppen mit 180.000 Mitgliedern wurden nun von der Satire-Partei „Die Partei“ gekapert.

Nachdem Mitglieder von „Die Partei“ zu Administratoren aufgestiegen waren, haben sie allen anderen die Administratoren-Rechte entzogen. Dann haben sie das AfD-Logo zu einer „Die Partei“-Variante geändert und Gruppen etwa zu „Boateng-Fangruppe“ oder zu „Humus-Liebe“ (statt „Heimat-Liebe“)  umbenannt. Neben den witzigen Aspekten dieses Clous ist besonders interessant, dass diese Aktion aufzeigt, wie Social Bots dafür genutzt werden, Hetz-Botschaften zu verbreiten und eine Reichweite erzielen, die manuell nicht zu stemmen wäre. Bisher war nicht eindeutig geklärt, ob das Bot-Netzwerk mit Wissen oder Mitwirkung von AfD-Mitgliedern betrieben wird. Das scheint nun nach Shahak Shapiras Videobotschaft an die Gruppenmitglieder geklärt zu sein.

 

Das Entstehen einer Echokammer durch Social Bots

Social Bots erwecken auf Facebook, Twitter und Co. den Eindruck, die seien reale Menschen. In Wirklichkeit sind es raffinierte Algorithmen, die automatisch Inhalte veröffentlichen oder teilen und Menschen in Gruppen hinzufügen. So können Botschaften im digitalen Raum viel schneller verteilt werden als manuell. Betreibt nun ein Bot eine Facebook-Gruppe und fügt ihr permanent neue Mitglieder hinzu, kann bei User_innen schnell der Eindruck entstehen, diese Gruppe, Partei oder Meinung hätte sehr viel Unterstützer_innen.

Diese Methode kam bereits im vergangenen US-Wahlkampf zum Einsatz und soll Donald Trump maßgeblich geholfen haben, ins Weiße Haus einzuziehen. Auch in Deutschland ist der Einsatz von Bots nicht verboten, ihr Einsatz gilt jedoch (fast) parteiübergreifend als unethisch. Denn, wer Bots verwendet, will die Öffentlichkeit absichtlich täuschen.

Im Oktober vergangenen Jahres verkündete das damalige Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel, man werde „keine Social Bots einsetzen, die auf Seiten Dritter im Namen der AfD automatisiert posten oder ähnliches“, wie sie unter anderem auf ihrer Partei-Seite schreibt. Kürzlich berichteten Medien sogar als AfD-Position: „Wir verwenden keine Social oder Chat Bots und verurteilen Parteien, die das tun. Es sind meinungsverzerrende Tools, die den demokratischen Wettbewerb stören.“ Doch spätestens seit dem Coup der “Partei” unter der Federführung von Satiriker Shahak Shapira scheint klar, dass dies wohl nur ein Lippenbekenntnis der AfD war.

 

Verbreitet die AfD Fake-News mit Hilfe von Social Bots?

Fake-Profile, sprich Social Bots, adden einfach ganz viele Freunde, bis es nicht mehr geht (als Privatperson kann man auf Facebook nicht mehr als 5.000 Freunde haben). In einem nächsten Schritt gründen die Fake-Profile Gruppen und fügen einfach alle ihre Freunde hinzu. Mit Hilfe von Algorithmen bespielen sie dann alle Gruppen gleichzeitig mit Inhalten, in den 31 gekaperten Gruppen üblicherweise mit Texten über „Asylschmarotzer“, die „Invasion“ muslimischer Einwanderer und Hetz-Videos. Vermischt wird dies immer wieder mit Werbeplakaten von AfD-Politiker_innen und AfD-Parolen. Wenn dann etliche der 180.000 Wutbürger_innen auf eine AfD-Wahlwerbung reagieren, wird diese im Schneeballprinzip all ihren Facebook-Freunden angezeigt. Das ist reine Wahlwerbung, die keine Kosten verursacht.

In einem nächsten Schritt übergeben die Programme die Leitung dann an echte AfD-Mitglieder, für den Fall, dass die Bots gelöscht werden. Alle 31 gekaperten Gruppen wurden von dem AfD-Mitglied Anne Teska aus Rheinland-Pfalz administriert und von dem Vorstandsvorsitzenden Benjamin Haupt des AfD-Kreisverbandes Speyer moderiert. Laut Shahak Shapira sollen auch der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Uwe Jung und die Parteivorsitzenden Frauke Petry von diesen Gruppen gewusst haben.

 

 

Klassische AfD-Taktik: Von allem nichts gewusst

Der Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, betonte allerdings gegenüber dem MDR, dass die fraglichen Gruppen nicht von der Partei selbst betrieben wurden. Ihm sei nicht bekannt, dass irgendeine Instanz der AfD Social Bots nutze.

 

Wie konnte die Aktion gelingen?

Dem Team um Shahak Shapira und „Die Partei“ ist es gelungen, einen glaubwürdigen Wutbürgerin-Account in diese Gruppen einzuschleusen: „Störenfrieda“. Dieser Account war derart erfolgreich, dass er von Anne Teska zum Administrator befördert wurde. Somit nahm die Umwandlung der Hetz-Seiten ihren Lauf.   

Die neuen Regeln der ehemaligen AfD-Seiten sehen nun unter anderem vor, dass Hetze gegen Muslime ab sofort immer gegen Mekka auszurichten sei und Kritik am “Gender-Irrsinn” immer geschlechtsneutral formuliert werden müsse.

 

Die Reaktionen der AfD-Fans

Die AfD-Fans reagieren laut einer Recherche von Mimikama.at auf die Gruppen-Übernahmen mit Verschwörungstheorien über die alles unterwandernde Antifa und  sprechen von einem Hacker-Angriff, obwohl es lediglich die eigene Unachtsamkeit war, unbekannte Personen zu Administratoren zu ernennen. Traurig auch: Viele wissen nicht, wie sie die Gruppen verlassen sollen: “Quatscht nicht so viel, sondern erklärt den Leuten wie man, so man Mitglied ist und wie ich kein Computerfreak ist, den Austritt vollzieht !” (Fehler im Original)

 

Informationen über die AfD erhalten Sie in der Broschüre: „Positionieren Konfrontieren Streiten -Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD“ der Amadeu Antonio Stiftung

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Eine kurze Geschichte über den Umgang mit der AfD

Zunächst galt die AfD vielen als wirtschaftsliberale Anti-Euro-Partei und möglicher Koalitionspartner für den rechten Rand der CDU. Mit der offenen Radikalisierung wandelte sich das Bild, die Partei wurde zum politischen Schmuddelkind, dass als Pausenclown oder Quoten- und Clickbringer in politischen Talkshows und unzähligen Artikeln und Beiträgen diente. Das nutzte die Partei gekonnt aus und genoss die Aufmerksamkeit.

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