Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Pressekonferenz Vorstellung des „Kompetenznetzwerk Antisemitismus“

Von|
Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Famile, Senioren, Frauen und Jugend, überreicht Patrick Siegele, Direktor des Anne Frank Zentrums, ein Türschild für die Koordinierungsstelle des „Kompetenznetzwerks Antisemitismus". (Quelle: Anne Frank Zentrum)

Der große Saal des Jüdischen Gemeindehauses war gut besucht als am Dienstag (30.06.) das im Januar geschaffene „Kompetenznetzwerk Antisemitismus“ inklusive neuer Webseite vorgestellt wurde. Dieses hat das Ziel der Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus und läuft im Rahmen des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Programms „Demokratie leben!“. Durch Zusammenarbeit und Wissenstransfer sollen die Angebote im Bereich Dokumentation und Analyse sowie Bildungsarbeit und Beratung gebündelt und weiterentwickelt werden. Beteiligt sind fünf Organisationen, die bereits länger bundesweit im Themenfeld Antisemitismus arbeiten. Neben dem Berliner „Anne Frank Zentrum“ und der in Frankfurt/Main angesiedelten „Bildungsstätte Anne Frank“ gehören dazu der „Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS)“, das „Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment“ der „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST)“ sowie die „Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA)“. Seine Expertise stellt das Netzwerk Akteuren aus den Bereichen Bildung, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zur Verfügung.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Gideon Joffe, dankte in seinem Grußwort dem Familienministerium für die maßgebliche Förderung des Kompetenznetzwerkes und drückte seine Freude über die Vernetzung der Institutionen und Bündelung von Angeboten aus. Wie die einzelnen Finger einer Hand zusammen besonders tatkräftig seien, so verhalte es sich auch mit dem erfolgten Organisationen-Zusammenschluss: „Denn nur mit vereinten Kräften werden wir künftig einen noch effektiveren Beitrag zur Antisemitismusprävention leisten können“.

Auch Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, betonte die hohe Relevanz der erfolgten Bündelung von Kräften gegen Antisemitismus. Der Terroranschlag von Halle sei nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs, und auch die bereits deutlich gestiegenen Zahlen des Bundeskriminalamtes seien das sogenannte Hellfeld von Antisemitismus. Hass auf Juden und Jüdinnen sei alltäglich und müsse daher auch im Alltag und stetig bekämpft werden. Der Zusammenschluss zum Kompetenznetzwerk sei ein „großer und wichtiger Schritt“, den sie ausdrücklich unterstütze. Daher soll die gemeinsame Arbeit vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ bis sicher 2024 unterstützt werden, mit bis zu 500.000 Euro pro Träger jährlich: „Unsere Gesellschaft braucht ihre Expertise“.

Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, nennt die Schaffung des „Kompetenznetzwerkes Antisemitismus“ einen „bedeutsamen Schritt für die Antisemitismusbekämpfung“. In Zeiten der Hochkonjunktur von Verschwörungsmythen sei gerade auch Antisemitismus unterhalb der Strafbarkeitsgrenze wichtig in den Blick zu nehmen. Dies geschehe bisher durch Dokumentation und Prävention, erstmalig würden diese beiden Ansätze nun verknüpft. In diese „ganzheitliche Strategie“ setze er große Hoffnung, die Kompetenz der ausgesprochen renommierten Akteure mache ihn zuversichtlich. „Ich freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit unter neuem Dach!“

Für Nicht-Betroffene sei Antisemitismus schwer greifbar, auch daher sei die Anerkennung der ausgehenden Gefahr eine späte Erkenntnis gewesen, erklärt Marina Chernivsky, Leiterin des „Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment“ der „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST)“. Die neue Form der Kooperation zur Bündelung spezifischer Expertisen sei insbesondere auch ausgerichtet, solche strukturellen Leerstellen zu erfassen. Stehe das „Anne Frank Zentrum“ für den Bereich der historisch-politischen Bildung zum Nationalsozialismus und Holocaust und arbeite schwerpunktmäßig im ländlichen Raum, sei die „Bildungsstätte Anne Frank“ auf Antisemitismus im linken Spektrum, im Rechtspopulismus und in sozialen Netzwerken konzentriert und arbeite beispielsweise an digitalen Vermittlungsformaten in der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit. Die „Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus“ sei insbesondere mit Dokumentation und Analyse von antisemitischen Vorfällen und Beratung von Betroffenen beschäftigt, wogegen die „Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus“ sich mit Bildungsarbeit und Beratungsangeboten für die Migrationsgesellschaft einen Namen gemacht habe sowie zudem international fachlich vernetzt sei. Das „Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment“ bemühe sich vor allem um die Qualifizierung von Prävention und Intervention gegen Antisemitismus, sowie Empowerment und Beratung von Betroffenen. Zusammengefasst „als ‚Kompetenznetzwerk Antisemitismus‘ setzen wir es uns zum Ziel, unsere Arbeit weiterzuentwickeln, das Bewusstsein der Politik und Gesellschaft für die Existenz antisemitischer Bedrohung zu erhöhen und die Interventionskompetenz von Schlüsselakteur*innen auszubauen.“

Zum Abschluss präsentierte Patrick Siegele, Direktor des „Anne Frank Zentrum“, bei dem auch die Koordinierungsstelle des Kompetenznetzwerkes angesiedelt ist, die seit heute abrufbare Webseite. Hier kann sich nun strukturiert in Analyse, Bildung, und Beratung über Arbeit, Angebote und Organisationen des „Kompetenznetzwerk Antisemitismus“ informiert werden: https://kompetenznetzwerk-antisemitismus.de/

V.l.n.r. Antisemitismusbeauftragter Dr. Felix Klein, Joachim Seinfeld von KIgA, Patrick Siegele, Direktor der „Anne Frank Zentrum“, Familienministerin Dr. Franziska Giffey, Benjamin Steinitz, Geschäftsführer von RIAS, Dr. Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin und Marina Chernivsky, Leiterin des „Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment“. Außerdem vertreten im „Kompetenznetzwerk Antisemitismus“ ist die „Bildungsstätte Anne Frank“, die zum Pressetermin leider nicht vertreten werden konnte. (Quelle: JS)

Weiterlesen

juan

„juan-Praxisstelle“ Jugendarbeit muss antisemitismuskritisch rassismuskritisch und empowernd sein

Die „ju:an-Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit“ der Amadeu Antonio Stiftung engagiert sich bereits seit vielen Jahren dafür, die Be- und Aufarbeitung von menschenfeindlichen Ideologien, insbesondere von Antisemitismus und Rassismus, als Querschnittsthemen in der Kinder- und Jugendarbeit zu verankern. Ausgehend von der jahrelang gesammelten Expertise und den Erfahrungen der »ju:an«- Praxisstelle möchte die Stiftung alle pädagogischen Fachkräfte und Multiplikator*innen ermutigen, klare Haltung gegen Antisemitismus und Rassismus zu zeigen und betroffene Jugendliche zu stärken.

Von|
Unsere Partnerportale
Eine Plattform der