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Rechtsextremer Urlaub Scheint die Sonne auch für Nazis?

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Neonazis sind auch ohne Sonne braun (Quelle: Kira Ayyadi)

Es ist Sommer, das bedeutet für viele: Es ist Urlaubszeit, und das gilt auch für Nazis. Während der heißen Sommermonate, in denen die Kinder nicht in den Kindergarten oder in die Schule gehen, machen auch Neonazis Ferien. Vielleicht um sich von den letzten Gerichtsverhandlungen wegen Volksverhetzung oder Körperverletzung zu erholen und um den szeneninternen Streit mal hinter sich zu lassen. Vielleicht auch um Kraft für die anstehenden Schmutzkampagnen des Bundestagswahlkampfes zu sammeln, um weiter Minderheiten zu drangsalieren und um wieder voller Energie das nächste Flüchtlingsheim anzugreifen.

Aber wie machen Neonazis eigentlich Urlaub? So wie alle anderen auch.

Urlaub bei der „neuen“ Rechten

Einige sind aber auch in ihrem Sommerurlaub für die Sache aktiv. So zum Beispiel die beiden Kader der „Identitären Bewegung“ (IB) Mario Müller und Dorian Schubert. Sie nutzen ihren Urlaub in Spanien und Portugal um sich mit Kameraden zu vernetzen. „Time to connect and build a real european brotherhood!“ schreibt einer von ihnen auf Social Media unter ein Urlaubsfoto. Auf anderen Bildern sieht man die IBler besonders männlich, mit einer zur Faust geballten Hand im Meer stehen.

Andere Neonazis nutzen die Sommerzeit um endlich mal wieder auf einen ordentlichen Rave zu gehen. Wie zum Beispiel die IB-Aktivistin Reinhild Boßdorf, die auf einem niederländischen Techno-Hardcore-Festival offenbar ordentlich ins Schwitzen gekommen ist. Auf Instagram postet die Frau mit dem Faible für geflochtene Haare Bilder von ihrem Rave mit Hashtags. Zwischen den unpolitischen #partyparty und #hardcore findet sich auch ein Hashtag mit dem Namen ihres antifeministischen YouTube-Kanals. Neben ihr waren noch weitere Neonazis über die niederländische Grenze zu diesem Hardcore-Festival gefahren, ob sie sich kennen? Eher fraglich. Die andere Festivalreisegruppe, kommt eher aus dem klassischen Neonazi-Milieu, und nicht wie Reinhild Boßdorf, aus dem pseudo-intellektuellen Dunstkreis der sogenannten „neuen“ Rechten.

Urlaub bei der alten Rechten

Verfolgt man die Social-Media-Kanäle von Aktivist:innen der alten Rechten, sieht man: Auch sie machen Urlaub an ganz gewöhnlichen Urlaubsorten. Einige bleiben lieber in den heimischen Gefilden und machen Wanderausflüge in deutschen Wäldern und Bergen. Andere machen Urlaub an Ost- und Nordsee oder einfach an irgendwelchen Badeseen. Auf Fotos, die sie posten, werden die rechtsextremen Tattoos und Kleiderlabel, die sie tragen dann auch zur Schau gestellt. Ab und an posten sie rechtsextreme Lektüre, die sie im Urlaub lesen.

Suse zum Beispiel, laut ihrem Instagram-Profil Mutter einer Tochter und „heimatverbunden“. Sie nimmt ihre immerhin über 1.000 Follower:innen auf Instagram per kurzen Video-Sequenzen mit an die Nordsee. Unter ihren Urlaubsbildern postet sie dann unverfängliche Hashtags wie #meeresluft und #genießen aber auch #germangirl und #label23, eine extrem rechte Klamottenmarke.

Die Art und Weise, wie alte und neue Rechte Urlaub machen sind, so mannigfaltig wie auch bei uns Demokrat:innen. Einige Nazis nutzen die Zeit, um mit ihren Kameraden zum Sauf-Urlaub ans Meer in Südeuropa zu fliegen, um dann morgens Bilder vom Katerfrühstück und abends welche von leeren Gin Tonic-Gläsern zu posten. Zwischendrin posen sie als Gruppe Arm in Arm oberkörperfrei an der Strandpromenade. Bei einem solchen Sauf-Urlaub 2019 auf Mallorca schlugen deutsche Neonazis einen senegalesischen Türsteher in der Großdiskothek Megapark so schwer zusammen, dass er nunmehr linksseitig gelähmt ist und seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann.

Aber natürlich machen nicht nur die deutschen Nazis Urlaub. Ein osteuropäischer MMA-Kämpfer gönnt sich momentan etwas Erholung in Kroatien. Vor einem römischen Amphitheater posiert er samt Frau und Kleinkind vor dem historischen Gebäude. Unter seiner kurzen Hose prangen an seinen Beinen mehrere verschlungene Hakenkreuze.

Rechtsextremer Strand-Merchandise

Aber wie bettet und kleidet sich der gemeine Neonazi am Strand? Auch hier muss er oder sie nicht auf rechtsextreme Propaganda auf der Haut verzichtet. Ein bekannter Neonazi vertreibt in seinem Online-Shop etwa Bademode und Strandtücher mit entsprechenden Aufdrucken, meist in den Trendfarben schwarz-weiß-rot gehalten. So kann sich der urlaubsreife Neonazi in seiner Badehose mit einer großen schwarzen Sonne auf das Strandtuch „Aryan Warrior“ legen. Für die Frauen der Szene gibt es passenderweise schwarz-weiß-rote Bikinis.

Für die Faschist:innen, die nicht so gerne auf dem Boden liegen, gibt es praktischerweise auch Liegestühle inklusive brauner Ideologie im Sortiment. So kann sich der gemeine Nazi etwa auf der Konföderierten-Flagge samt großem Ku-Klux-Klan-Logo betten, auf einen deutschen Reichsadler, auf die Reichskriegsflagge, auf eine schwarze Sonne, einen Tiger Panzer oder auf einen Reichsadler samt schwarzer Sonne und der Aufschrift „Braun & Lecker“.

Liegestühle für Neonazis

Neonazis machen also Urlaub so wie wir auch. Aber das bedeutet auch, dass wir sie theoretisch und auch ganz praktisch an schönen Urlaubsorten antreffen können. Und für Antifaschist:innen, die nie – und besonders im Urlaub – Bock auf Nazis haben, kann solch eine Begegnung unangenehm sein. Daher wünschen wir Ihnen eine schöne und vor allem nazifreie Sommerzeit!

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