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Stilkritik Nazi-Trends 2018 – Rechtsrock-Symbolik

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besonders im Trend bei Neonazis der schwarz-weiß-rote Fischerhut. (Quelle: KA)

Wir haben uns mal umgeschaut und einige der derzeit beliebtesten Shirts, Aufdrucke und Symbole in der klassisch rechtsextremen Szene zusammengestellt.

 

Bezug zu Rechtsrock:

Neonazis auf dem Rudolf Heß-Gedenkmarsch 2017 in Berlin.

Festival-Shirt des Rechtsrock-Konzerts „Rock gegen Überfremdung“, zu dem im Juli 2017 über 6.000 Neonazis angereist sind.

Festival-Shirt des Rechtsrock-Konzerts „Schild und Schwert“ (SS-Festival), das erstmalig an Adolf Hitlers Geburtstag im April 2018 im sächsischen Grenzort Ostritz stattfand. Außerdem groß Im Trend bei Neonazis: Fischerhüte in den Farben schwarz-weiß-rot.

Den Neonazis wurde auf dem SS-Festival die komplette Bandbreite der rechten Erlebniswelt geboten: Von rechtsextremen Hardcore-Bands, einer eigenen Tattoo-Convention, Kampfsport-Shows, rechtsextremem Merchandise, Redebeiträgen bis hin zu Balladen-Konzerten. Einige der Bands kamen aus dem extrem gewaltbereiten Neonazi-Netzwerk „Blood & Honour“ (Blut & Ehre). Auch Personen aus dem Unterstützerkreis des mordenden terroristischen NSU (Nationalsozialistischen Untergrunds) waren an diesem Wochenende vor Ort.

Neonazi in Ostritz 2018

Die Security des SS-Festivals trug einheitliche Shirts mit der Aufschrift „Sicherheitsdienst Arische Bruderschaft“ inklusive des fast identischen Symbols der SS-Division „Dirlewanger“ mit zwei gekreuzten Stielhandgranaten. Das Abzeichen der „Arische Bruderschaft“, die gekreuzten Stabhandgranaten, ist die beinahe originalgetreue Übernahme des Emblems der 36. Waffen-Grenadier-Division der SS, die Anfang 1945 aus der berüchtigten SS-Division Dirlewanger gebildet wurde.

Neonazi auf einem Rechtsrock-Konzert in Apolda 2018

Die etwa 1977 gegründete britische Band „Skrewdriver“ um ihren Sänger Ian Stuart Donaldson hat wie keine andere den Rechtsrock geprägt und erfährt in der neonazistischen Szene weltweit Verehrung. Auf die Umtriebe von „Skrewdriver“-Sänger Ian Stuart Donaldson geht die Gründung des extrem gewaltbereiten „Blood and Honour“-Netzwerk zurück.

Neonazi in Apolda

„Skrewdriver“-Shirt mit der „White Power“-Faust und Triskele: „White Power“ soll die Überlegenheit der „arischen Rasse“ zum Ausdruck bringen. Die weiße Faust stellt das Pendant zur schwarzen Faust der Black-Power-Bewegung in den USA dar. Auf diesem Shirt ist die Faust auf einer Triskele abgebildet. In der geschwungenen Form ist der „Dreifuß“ (die Triskele) seit frühesten Epochen in vielen Kulturkreisen zu finden. Die eckige Darstellung ähnelt stark dem Hakenkreuz, neonazistische Kreise nutzen sie entsprechend. Die eckige Triskele ist Teil der Organisations-Symbolik des in Deutschland verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerks und dürfte in Deutschland in diesem Zusammenhang nicht gezeigt werden. Dieses verbotene Shirt trug ein Neonazi auf einem Rechtsrock-Konzert 2018 in Apolda.

Neonazi in Mönchengladbach

Immer noch beliebt in der extrem rechten Szene sind die Merchandise-Klamotten der rechtsextremen Band „Kategorie C“.

Neonazis in Köthen 2018

Besonders im Milieu gewaltbereiter Hooligans sind „Kategorie C“-Shirts beliebt

Neonazi auf einem Rechtsrock-Event in Apolda 2018

Die Zeile: „Eines Tages werden sie sich wünschen, wir würden nur Musik machen“ stammt von der als kriminelle Vereinigung eingestuften Rechtsrock-Band „Landser“, deren Mitglieder sich als „Terroristen mit E-Gitarre“ begreifen.

 

„Division“-Shirts: Regionale Zugehörigkeit

Neonazis bei auf dem „SS-Festival“ im April in Ostritz

Beinahe auf jeder Neonazi-Demonstration und auf jedem Rechtsrock-Event sieht man Männer und Frauen mit „Division XYZ.“-Shirts. Diese Shirts gibt es mit den unterschiedlichsten Aufdrucken, von „Division Baden“ bis zu „Division Württemberg“. Aber auch individuelle Wünsch können sich Neonazis in diesem Design auf, Jogginghosen, Leggins, Pullover und Shirts drucken lassen.

Neonazis in Apolda 2018

Das Design – alles ist in den Reichsfarben schwarz-weiß-rot- gehalten – und der jeweilige regionale Bezug ist dabei offenbar an die freie Kameradschaftsszene angelehnt. Diese Shirts symbolisieren die Zugehörigkeit zu einer regionalen Gruppe.

Neonazi auf einem Rechtsrock-Kontert 2017 in Themar

Angeboten werden diese neonazistischen Zugehörigkeits-Shirts von dem Thüringer Neonazi Tommy Frenck. In seinem Versandhandel „Druck 18“. Dort gibt es diese Motive auch schon für die ganz Kleinen als Schuffel-Tuch und als Baby-Strampler.

Neonazi in Ostritz 2018

Tommy Frenck betreibt neben seinem „Druck 18“-Versand im thüringischen Kloster Veßra noch das Gasthaus „Goldener Löwe“ in dem auch die rechtsextreme Szene ebenfalls mit NS-verherrlichenden Shirts eindecken kann.

 

Shirts mit ekelhaften Sprüchen:

Neonazi 2018 in Ostritz

„It’s not a crime to be white“ („Es ist kein Verbrechen weiß zu sein“) stimmt, aber trotzdem gibt es keinen Rassismus gegen Weiße.

Neonazi in Apolda 2018

„Die BRD ist und völlig gleich. Unsre Heimat ist das Deutsche Reich“: Offene Verherrlichung des Deutschen Reichs auf dem Shirt

Neonazi 2017 in Themar

„Support your Race“ („Unterstütze deine Rasse“): Klares Bekenntnis zur Rassenideologie

Neonazi 2018 in Apolda

„Deutschland uns Deutschen“: Teil der neonazistischen Ideologie ist das Glauben an einen Herrschaftsanspruch der „eignen arischen Gruppe“ über alle die nach eigenem Ermessen nicht dazu gehören.

Neonazi in Apolda 2018

„I hope your baby’s white“ („Ich hoffe dein Schatz ist weiß“)

Neonazi 2018 in Apolda

Dieses Shirt sagt bereits alles über seinen Träger

 

Neonazi 2018 in Ostritz

„Wir waren schon rechts bevor es cool wurde“: Dieses aussagekräftige Shirt gibt es im „FSN-Versand“ des Neonazis Patrick Schröder.

„Here comes the Brotherhood“ („Hier kommt die Bruderschaft“)

 

Beliebte Symbole und Codes

Neonazi in Mönchengladbach 2018

„White Power“-Faust mit dem Spruch „We can’t be beaten“ („Wir können nicht zerstört werden“). So heißt auch ein Song der „Blood & Honour“-Band „Skrewdriver“ .

Neonazi 2018 in Chemnitz

Gekreuzter Hammer und Schwert symbolisierte im NS eine Volksgemeinschaft aus Arbeitern und Soldaten.

Neonazi 2018 in Mönchengladbach

Als Symbol der Arbeiterschaft war das Zahnrad in Verbindung mit dem Hakenkreuz das Emblem der größten NS-Massenorganisation, der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Die rechtsextreme Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP), die 1995 verboten wurde, nutze es als Teil ihres Abzeichens. Die „Hammerskins“-Bewegung und freie Kameradschaften verwenden es als Erkennungssymbole.

Neonazi in Mönchengladbach 2018

Zwei gekreuzte Handgranaten: Das Zeichen der Sturmbrigade Dirlewanger die zur NS-Zeit in Polen ein Massaker anrichtete.

Neonazi auf dem Rudolf Heß-Marsch 2018 in Berlin

Ursula Haverbeck ist so etwas wie die Ikone der Holocaust-Leugner in Deutschland. Haverbeck wurde am 7. Mai 2018 festgenommen und sitzt seither im Gefängnis. Immer wieder zeigen sich Neonazis seither mit Shirts die ihre Solidarität mit der Holocaust-Leugnerin zum Ausdruck bringen.

Neonazis in Ostritz 2018

Immer beliebt in der rechtsextremen Szene sind Zahlencodes mit Bezug zum Nationalsozialismus. Die 18 steht für Adolf Hitler.

Neonazi in Themar 2017

Die Zahl 14 steht für die „14 words“ – „We must secure the existence of our people and a future for white children“ (“Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft weißer Kinder schützen“), einem Ausspruch des US-Neonazis David Eden Lane. „Our people“ meint dabei die „arische Rasse“. 88 steht dabei für „Heil Hitler“.

 

Für Tierrechte, gegen Menschenrechte

Neonazi 2018 in Apolda
Extrem rechter Demo-Teilnehmer in Chemnitz 2018
Neonazi in Köthen 2018

Extrem rechter Demo-Teilnehmer hat die Trauer über den Verlust seines Hundes auf seiner Haut verewigt.

Rechtsextreme Accessoires

Der Neonazi Christian Fischer am Rande der rechtsextremen Demonstrationen im Spätsommer 2018 in Chemnitz

Ein Schirm der gleichzeitig ein Teleskop-Schlagstock ist. Für Neonazis besonders praktisch, weil der Schlagstock von der Polizei in der Regel nicht als solcher erkannt wird. So können Rechtsextreme Schlagwaffen relativ unbehelligt auf Demonstrationen mitbringen.

Rechtsextreme Demo-Teilnehmerin in Mönchengladbach 2018

Für Neonazis besonders praktisch, weil der Schlagstock von der Polizei in der Regel nicht als solcher erkannt wird. So können Rechtsextreme Schlagwaffen relativ unbehelligt auf Demonstrationen mitbringen.

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Die Schwarze Sonne

Es ist historisch nicht belegt, dass das Symbol aus dem Germanentum stammt, sondern es handelt sich um ein Kunstprodukt der „SS“, auch wenn dies in der rechtsextremen Szene meist geleugnet wird. Das Sonnenrad erscheint erstmals als Bodenornament im Obergruppenführersaal der „SS-Schule Haus Wewelsburg“. Erst nach 1945 wurde es als „Schwarze Sonne“ bezeichnet und findet in der Neonazi-Szene Verwendung.

Man kann die „Schwarze Sonne“ als eine Zusammensetzung von zwölf Sig-Runen oder als zwölfarmiges Hakenkreuz verstehen. Ausgedrückt werden soll die „Verbundenheit mit der eigenen Art und mit den arteigenen Wertvorstellungen“.

Die „Schwarze Sonne“ erhält einen immer höheren Stellenwert für Lifestyle-Produkten der neonazistischen Szene aller Art. Beobachter der Szene sehen das Symbol durch die häufige Verwendung als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz.

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Wiese, Martin

Mit Martin Wiese wurde kürzlich einer der führenden Neonazi-Kader in Bayern von einem Gericht in Gemünden zu einer Haftstrafe von…

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Kampagne des EBO gefährdet deutsch-polnische Beziehungen

„Wir schaffen Gerechtigkeit!“ Das verspricht der Eigentümerbund Ost e. V. (EBO) seinen Mitgliedern, „Heimatvertriebenen und ihre Erben“. Was der Verein unter Gerechtigkeit versteht, welches Geschichtsverständnis sich dahinter verbirgt und mit welchen Maßnahmen der EBO seine Ziele verfolgt, wird in diesem Artikel deutlich.

Von Katja Wegner

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