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Schulen im Visier der Nazis

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Auch wenn die Lehrer an den betroffenen Schulen zumeist ungern darüber sprechen: Gewalttätige Angriffe mit rechtsextremem Hintergrund von Schülern auf Mitschüler gehören vielerorts zum Alltag. Die Opfer sind oft eine Minderheit in der jeweiligen Schule oder Klasse ? weil sie Afrodeutsche sind, einen Migrationshintergrund haben oder Punkmusik mögen. Täter und Opfer werden immer jünger, wie ein Beispiel aus Hennigsdorf (Brandenburg) vom vergangenen Jahr zeigt. „Die Schaukel ist nur für Weiße da“ rief eine Gruppe von 12-Jährigen, während sie einen 10-Jährigen auf einem Schulgelände bedrohten, stießen und traten.“

Image als „Partei der Jugend“

Die NPD bezeichnet sich selbst als „Partei der Jugend“. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wählte ein knappes Fünftel aller jungen Männer zwischen 18 und 25 Jahren NPD. „Wenn morgen die jetzt 13- 15-Jährigen wählen können, sitzen wir überall in den Parlamenten,“ sagte Parteichef Udo Voigt. Entsprechend dieser Strategie stellen Schulen ein zentrales Rekrutierungsfeld dar. Zumal 16-Jährige beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bei Kommunalwahlen bereits das aktive Wahlrecht haben. Dementsprechend bemühen sich NPD und „Freie Kameradschaften“ um ein jugendgerechtes Image als „unangepasst“ und „aufmüpfig“. Sie setzen darauf, dass Verbote ihre Attraktivität bei Jugendlichen steigern. Zudem schaffen Verbote ? die ohne Begleitprogramm im schulischen Rahmen verhängt werden – bei rechtsextrem anpolitisierten Jugendlichen ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Parallel dazu sinkt das „Einstiegsalter“ in die rechtsextreme Szene. Es gibt Fälle bei denen schon 13-Jährige sagen, sie seien „national“ und hielten NS-Kriegsverbrecher Rudolf Hess für einen „Friedensflieger“. Lehrer sind mit Schülern konfrontiert, deren Geschichtsbild sich aus Textversatzstücken neonazistischer CDs zusammensetzt. Fragt man, woher diese CDs stammen, kommt als Antwort regelmäßig: „von Mitschülern“, „von meinem älteren Bruder“ oder „von meinem Vater“.

Rechtsextreme Musik

Vor allem mit rechtsextremer Musik wird die entsprechende Ideologie unter Kinder und Jugendliche gebracht. Mit der ersten Schulhof-CD „Anpassung ist Feigheit ? Lieder aus dem Untergrund“ mit 19 Liedern deutscher und internationaler Neonazibands im Jahr 2004 gelang zunächst den „Freien Kameradschaften“ ein Propagandaerfolg. Eine Startauflage von angeblich 50.000 Stück wurde aber nie verteilt, sondern größtenteils beschlagnahmt. Trotzdem verbreiteten sich die Lieder rasend schnell über das Internet. Dann übernahm der NPD-Versand „Pühses Liste“ die Idee. Seitdem hat die NPD zu den Landtagswahlen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zwei Schulhof -CDs mit den Titeln „Schnauze Voll ? Wahltag ist Zahltag“ und „Der Schrecken aller linken Spießer und Pauker“ produziert und in tausendfacher Auflage ? nicht nur ? vor Schulen verteilt. Sorgfältig achtet die Partei darauf, dass die Sampler nicht gegen das Strafrecht verstoßen und deshalb auch von den Behörden nicht aus dem Verkehr gezogen werden können. Die Mischung aus eingängigen deutsch-sprachigen Balladen und hartem Rechtsrock kann legal verteilt oder aber auf den Websites der NPD kostenlos herunter geladen werden.

Rechtsextreme Schülerzeitungen

Auch mit eigenen Schülerzeitungen in zehntausendfacher Auflage sorgen NPD und ihre Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) für Aufregung. In Berlin und Brandenburg heißen sie Der Stachel, in Sachsen-Anhalt Jugend rebelliert und Schinderhannes in Rheinland-Pfalz. Aufmachung und Inhalte ähneln sich: DIN A5-Hefte mit buntem Cover mit einem Schwerpunkt auf Geschichtsfälschung und rassistischer Hetze. Die kostenlose Schülerzeitung der JN Sachsen Perplex ? Untertitel „jung, frech, national“ beschlagnahmten Polizisten im September 2007 im ganzen Land in hoher Auflage. Hitler wird hier als Friedensstifter dargestellt. Die Staatsanwaltschaft begründete ihre Ermittlungen mit einem Artikel, in dem die Kriegsschuld der Deutschen geleugnet wurde und sprach von „Gefahr im Verzug“ und einem Verstoß gegen das Jugendschutzgesetzt. Inzwischen steht die erste Ausgabe von Perplex auf dem Index für jugendgefährdende Schriften und darf nicht mehr beworben und an Minderjährige abgegeben werden. Ein Antrag auf Indizierung auch für die zweite Ausgabe der Perplex liegt derzeit zur Entscheidung bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Unter der Hand werden einzelne Exemplare trotzdem in Schulen verteilt; ebenso wie Raubkopien von indiziierten Nazi-CDs. Besonders beliebt sind selbstgebrannte CDs der verurteilten Berliner Neonaziband „Landser“.

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Weblinks

| Die Schülerzeitung „Kein Bock auf Nazis“ zum herunterladen

| Broschüre des Berliner Verfassungsschutzes zu rechtsextremer Musik zum Herunterladen

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